
Herman Dune
On the Road
26.02.2007, 06:00, Text:
Alex Bechberger
Sie sind unentwegt auf Tour. Ihr Name erscheint regelmäßig auf den Ankündigungen der kleinen Clubs. Und auch mit der Idee eines festen Wohnsitzes haben sich Herman Düne nie besonders anfreunden können. Aus der Schweiz und Schweden stammend, hinterließen sie u. a. einen fulminanten Fußabdruck in der Antifolk-Szene der New Yorker Lower East Side. Im Moment leben sie in Paris.
Verändert sich die Musik, je nachdem, in welcher Stadt ihr gerade lebt?
Ja, vor allem bei den Texten. Wir benutzen für unsere Reime gerne Namen von Orten und Straßen, die wir beim Herumstreunern aufgeschnappt haben. Und sicherlich hat auch die Atmosphäre einer Stadt einen Einfluss auf die Musik. Es ist auf jeden Fall besser für unsere Musik, wenn wir in einer entspannten Stadt leben. Malibu wäre hervorragend. In London könnten wir wahrscheinlich gar keine Musik machen, weil es viel zu stressig wäre. “Giant” ist vor allem in New York entstanden. Auch ein guter Ort für Musik.
“Giant” ist das erste Album, das ihr bei einer größeren Plattenfirma herausbringt, und es stand hörbar mehr Geld für die Aufnahmen zur Verfügung. Klingen Herman Düne jetzt so, wie sie schon immer klingen wollten?
Ich bin mir sicher, dass alle Bands immer den bestmöglichen Sound für ihre Aufnahmen anstreben. Dieser Lo-Fi-Sound war nie beabsichtigt und entstand eher aus Geldmangel. Das Schicksal hat es offensichtlich gut mit uns gemeint, denn wir hatten gerade diese Songs mit Backingvocals und Orchester geschrieben, die wir unbedingt in einem anständigen Studio aufnehmen wollten. Just, nachdem wir die Songs geschrieben hatten, kam Source auf uns zu und machte uns genau dieses Angebot. Wenn das nicht so gekommen wäre, hätten wir die Stücke wohl nie veröffentlicht.
Könnt ihr euch eine Rückkehr zum 4-Spur-Gerät überhaupt noch vorstellen?
Das wäre überhaupt kein Problem. Bei vielen Projekten mit unseren Freunden benutzen wir es immer noch. Und überhaupt ist uns das Songwriting viel wichtiger als der Sound. Also die Vorstellung, wieder einfachere Aufnahmen zu machen, macht mich nicht sonderlich traurig. Die, einen schlechten Song zu schreiben, hingegen schon.
Was bedeuten Alben für euch? Seht ihr sie als in sich geschlossene Werke oder vielmehr als Schnappschuss der gegenwärtigen Entwicklung?
Wir hörten immer schon viel Musik aus den 50er- und frühen 60er-Jahren. Ray Charles, Harry Belafonte und Girlgroups wie die Shang-Ri-Las waren schon immer unsere Favoriten. Damals waren die Platten einfach nur Sammlungen von Singles. Auch wir stellen uns jeden geschriebenen Song als kleine 7-Inch-Vinyl-Single vor, und nur, wenn wir das Gefühl haben, er funktioniert als solche, geben wir ihn zur Veröffentlichung frei. Konzeptalben wie “Sgt. Pepper” haben uns noch nie interessiert. Diese Platten wollen so sein wie Romane, wir verfassen lieber Gedichte.
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