
The Earlies
Niemand beklagt sich über Brian Wilson, oder?
26.02.2007, 06:00, Text:
Heiko Behr
Es ist bereits neun Jahre her, dass ein paar Vögel mit ihrem Neo-Psychedelic-Sound zur neuen Hoffnung des Pop auserkoren wurden. Relativ abseits der Öffentlichkeit hatten sie im Laufe der Jahre eine Handvoll EPs eingespielt, 1998 wurde das Set dann als Album veröffentlicht: The Beta Band hatte ihren frühen Höhepunkt erreicht.
Blicken wir zurück ins Jahr 2004. “These Were The Earlies” erschien, wiederum eine Zusammenstellung einiger EPs, und wieder jubilierte die Presse: die Rettung des Pop mit den Mitteln des Psychedelic Rock. Die Beta Band hatte sich gerade aufgelöst, The Earlies übernahmen. Und im Gegensatz zur Beta Band, die sich über die Jahre in ihrer Überambitioniertheit verstrickte, legt das Quartett mit “The Enemy Chorus” nun ein Nachfolgealbum vor, das den entscheidenden nächsten Schritt zum absoluten Durchbruch darstellt. Denn es präsentiert mit seinen zahllosen Instrumenten, den Streichern, dem Breitwandsound eine echte Alternative zu momentan gängigen Modellen, es riecht nach Zeitlosigkeit. Oder doch eher retro? Christian Madden protestiert: “Wir sehen psychedelische Musik nicht als retro an, in jeder Phase der Musikgeschichte gab es diesen Ansatz, das stand schon immer für neue Wege, neuen Sound. Offensichtlich erreicht man irgendwann einen Punkt der Übersättigung, aber niemand wird sich über Brian Wilson beklagen, oder?”
Die Rettung vor der Retrofalle bilden dabei vor allem die elektronischen Sounds von Warp-Fan John-Mark Lapham, die sich nahtlos ins Gesamtgebilde einfügen. So ganzheitlich dieser Sound auf den Alben auch klingt, die Bandgeschichte deutet in eine ganz andere Richtung: Zwei der Mitglieder leben in Burnley bei Manchester, die anderen beiden in Abilene, Texas – zwischen ihnen ein ganzer Ozean. So sehr man sich mittlerweile an Projekte gewöhnt hat, die ihren Austausch übers Internet abwickeln, so erstaunlich bleibt es doch bei The Earlies. Im Gegensatz zu so manchem HipHop- oder Electronica-Projekt geht es bei ihrem Sound um das organische Wachsen, die gemeinsame Entwicklung, getragen von der charismatischen Stimme des Texaners Brandon Carr. Haben sie jemals darüber nachgedacht, wie sie mit einem englischen Akzent klingen würden? Giles Hatton grinst: “Ich sehe momentan viele englische Bands, die damit kämpfen, ihre Identität in ihrer Musik auszudrücken. Viele Bands versuchen, die absurdesten Akzente in ihre Musik einzubringen wie die fucking Kooks oder Razorlight. Sie klingen eigentlich alle sehr viel künstlicher mit diesem aufgesetzten englischen Stil. Der amerikanische Akzent hingegen gibt unserem Sound ein klassisches Gefühl. Weil Amerika so ein großer Teil der Geschichte von Popmusik ist, musst du nicht nachdenken, woher der Akzent kommt, es klingt einfach wie die Geschichte der Popmusik. Aber wenn du mit Manchester-Akzent singst, klingt es immer so gewollt.” – “Oh Gott,” ergänzt Christian, “stell dir mal meinen Bauernakzent über unserem Sound vor, das wäre absolut furchtbar ...”
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