Kaiser Chiefs

Pop ist kein Wettbewerb

26.02.2007, 06:00, Text: Peter Flore

Das schwierige zweite Album, wie man so sagt. Nur die Kaiser Chiefs wollen nicht so recht daran glauben und lassen sich den Spaß nicht nehmen, weiterhin eingängige Popsongs mit Hitrefrain zu schreiben. Ihr Trademark, das lang gezogene “Oh”, das die übersteigerte Erwartungshaltung so schön auf den Punkt bringt, haben sie aber vorsichtshalber zu den Akten gelegt.



Nick Hodgson, Drummer und ungewöhnlicherweise auch Hauptsongwriter der Kaiser Chiefs, ist ein wenig misstrauisch. Bei der kurz zuvor einberufenen Listening-Session in Berlin gab es sechs noch unbetitelte Songs des neuen Albums zu hören, jetzt mustert er argwöhnisch meine Liste mit zwölf halb-definitiven Tracktiteln. Ich beschwichtige ihn, dass ich lediglich dem Fan aufs Maul bzw. die Tastatur geschaut habe: Sämtliche Songtitel stammen aus Forumsdiskussionen, viele von ihnen stimmen aber durchaus mit denen überein, die bis gerade noch als geheim galten. “Heat Dies Down” z. B. gab’s schon bei YouTube, in einer Rumpelversion, mit dem Handy bei einem Konzert mitgeschnitten; und über die erste Single, das überaus catchy geratene “Ruby”, wurde bereits viel und gerne diskutiert. Schlimm, wenn der Überraschungsmoment so dürftig ausfällt, oder?
“Nein”, entgegnet der Mann, den alle Peanut nennen, Keyboarder Nick Baines. “Wir regen uns nicht darüber auf. Es waren frühe Demo-Versionen in schlechter Soundqualität, und ehrlich gesagt ist es doch schön, wenn die Leute darüber dann so angeregt und positiv diskutieren.” Es sei halt so in diesen schnelllebigen Zeiten, jeder Schritt werde diskutiert, jedes Wort auf die Waagschale gelegt und mit Bedeutung gefüllt. “Zu ‘Heat Dies Down’ fällt mir auch eine Geschichte ein”, wirft Hodgson in die Runde. “Ich gab neulich einem amerikanischen Magazin ein Interview, in dem ich darüber sprach, dass die Inspiration zu diesem Song auf einer Silvesterparty in Leeds gekommen sei. Ich beobachtete Ricky, der offensichtlich keine sehr gute Zeit hatte: Er war endlich wieder zu Hause und plötzlich ein Rockstar, alle schüttelten seine Hände und beäugten ihn. Es ging um diesen Moment und um die Zeilen ‘When the heat dies down, I’ll be back in town’. Nach einigen Wochen las ich dann überall im Netz, der Song handele von den unangenehmen Seiten des Ruhms, dabei ist das nur ein winziger Teil des Songs, eine Episode im Refrain.” Der Betroffene selbst, Sänger Ricky Wilson, sieht das ähnlich, als ich ihn im Anschluss an das Gespräch mit den Kollegen zum Zweitverhör im Nebenzimmer treffe: “Wir wollen uns wirklich nicht beschweren, dass wir öffentliche Personen sind, wir haben einen tollen Job. Aber er ist zweigeteilt: die öffentliche Seite, das Zur-Schau-Stellen und Angeben auf Tour, sowie das Arbeiten zu Hause im Studio, was wir zuletzt sehr genossen haben. Es war wie Urlaub.”

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aus Intro #147 (März 2007)
 
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