!!!

Der große Pink Punk Funk Politik-Container

26.02.2007, 06:00, Text: Klaus Walter

Die Sprachregelung Chk Chk Chk hat sich durchgesetzt für die Drei-Ausrufezeichen-Band mit Hauptquartier in Punkfunk-City Brooklyn. Die Ausrufezeichen stehen für three repetitive Sounds. Pow Pow Pow, Uh Uh Uh, Tz Tz Tz. Warum ist noch keiner auf Nag Nag Nag gekommen? Der Cabaret-Voltaire-Song ist doch ein Klassiker der repetitiven Sounds. Und um die geht es bei !!!.

“And don’t forget – there’s a beautiful face under your acne!” Ein letzter Anti-Akne-Radiospot zwischen Young Jeezy und Akon und der Minivan der Plattenfirma verschwindet im Verkehr um den Times Square. Beautiful Faces gab es reichlich in den vergangenen zwölf Stunden, auch aus der Zielgruppe der Pickelcreme-Reklame. Akne & Akon, Riot Grrl & Rolling Stones, Freak-out & Rauchmelder, Riot Grrl & Hair Metal, Hillary & Bikini Kill, Christiane F. & Straight Edge – ein Tag auf dem Land mit !!!.
Mit John Pugh zu reden ist einfach. Ein Stichwort, und der lange Mann mit Vollbart und Bequem-Klamotten erzählt. Die Geschichte seiner Band ist die Geschichte von ständigen Neupositionierungen auf dem langen Weg vom Teenage-Punk zum Dance-Rock-Kollektiv. Pugh kommt daher wie ein Literaturprofessor, aber sein Denken kreist um die Politics of Punk. Punk als Haltung zur Welt.



Hardcore und Emo, das ist völlig asexuelle Musik, eine geradezu entmannte Musik, aber auf eine gewisse Weise musste das so passieren.
Warum?
Am Ende der 80er standen Football-Teams auf der Bühne, so viel Aggression. Viele haben sich mit Punk identifiziert, weil sie nicht Teil von America’s Bullshit sein wollten. Aber diese Football-Mentalität haben sie abgelehnt. Also mussten sie das loswerden, das ist das Gute an Punk, dass er sich alle zehn Jahre erneuert. Punk in den 80ern musste aggressiv sein, weil Punk in den frühen 80ern komplett von New Wave assimiliert wurde, also hat sich Hardcore davon distanziert und diese Härte entwickelt. In den 90ern war Punk dann so was wie Hair Metal, sexistisch, böse. Schneller! Lauter! Härter! Dann kam die DIY-Bewegung, der Mut, was Neues zu machen: Band, Fanzine, Label, Radiostation. Und das passierte im ganzen Land, nicht nur in L.A. und New York.

John Pugh singt und trommelt bei !!!, und er schreibt Songs. Einer von acht weißen Männern aus allen Teilen der USA. Er kommt aus dem Süden.

Ich bin neben dem Haus der Clintons aufgewachsen in Little Rock, Arkansas. Ich liebe und respektiere Hillary, sie war eine der Nachbarschafts-Moms, aber sie hat dem Irak-Krieg zugestimmt und das mit angeblichen Massenvernichtungswaffen begründet. Barrack Obama war von Anfang an gegen den Krieg und hat immer gesagt, dass der Irak nichts mit Al-Qaida zu tun habe.
Hillary oder Obama? Was ist der größere Fortschritt für die USA: ein schwarzer Präsident oder eine Frau als Präsidentin?
Schwierige Frage. Beide – Frauen und Afroamerikaner – hatten in den USA eine harte Zeit. Was das Land seinen eigenen Bürgern angetan hat, ist beklagenswert, und es geht immer weiter. Bush redet nur davon, dass wir die Freiheit der Welt verteidigen. Dabei sitzen seine eigenen Landsleute widerrechtlich im Gefängnis und werden gefoltert. Der Minimallohn für Frauen ist immer noch mehr als einen Dollar niedriger als der für Männer. Amerikanische Ideale werden verraten, und der Planet dreht durch. Was wir in Sachen Global-Warming angerichtet haben, ist ein Desaster. Es wird ein Hurrikan Katrina nach dem nächsten kommen.

Die Situation erinnert an das ewige Thatcheristen-Regime in Großbritannien. Beendet vom jungen Tony Blair, Hand in Hand mit Britpop, Oasis vor allem, aber auch solchen, die heute gar nicht mehr wissen wollen, dass sie damals im Namen von Cool Britannia Blair unterstützt haben: Damon Albarn, Jarvis Cocker.

Noch mal: Hillary oder Obama?
Ich hoffe, dass Barrack Obama unser erster schwarzer Präsident wird. Wenn Bush zweimal gewählt wurde – und das noch mit Betrug – und wenn er mit Kriegsverbrechen davonkommt, dann können wir einen schwarzen Präsidenten haben.


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aus Intro #147 (März 2007)
 
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