Deerhoof

Ein Stil namens Poise

29.01.2007, 06:00, Text: Sonja Eismann

Satomi Matsuzaki, Sängerin und Bassistin von Deerhoof, ist ehrlich erstaunt, als ich sie frage, wie eine Band zwölf Jahre, neun Alben und unzählige Line-up-Fluktuationen übersteht: “Wow, das klingt lang, aber du solltest lieber mal eine Band wie Sonic Youth fragen! Die sind doch schon seit 30 Jahren oder so zusammen.” Und dann bin ich erstaunt und fange an zu verstehen: Deerhoof sind seit Jahren nicht mehr die sympathisch-verschrobene Newcomer-Band aus San Francisco, für die man sie hier bei jedem neuen Album wieder und wieder halten will, sondern ihre eigene Galaxie aus bretterndem Math Rock, quirky Surf-Gitarren und Orgeln, schlauem Tempi-Gestolper und natürlich dem charakteristisch brüchigen Gesang der japanischen Vokalistin, die nicht nur von Pitchfork für die beste Band der Welt gehalten wird, sondern auch von Matt Groening, der das Zwei-Mann-eine-Frau-Trio zum All Tomorrow’s Parties nach L.A.

einlud. Oder von Beck, Sonic Youth und den Flaming Lips, die alle schon gemeinsam mit Deerhoof auftraten und sich als Fans outeten. Schauspieler Justin Theroux war so begeistert, dass er sich selbst an die Fersen der Band heftete, um sie für den Soundtrack seines Regiedebüts “Dedication” zu gewinnen, und David Shrigley malte das Cover für das überraschend poppige, zugängliche neue Album “Friend Opportunity”. Dass eine Band mit ausfransenden bis experimentellen Songstrukturen zwischen Noise und Pop – Satomi nennt ihre Musik ironisch “Poise” – so eine große Basis begeistern kann, scheint mich mehr zu wundern als Satomi: “Ich glaube, die Leute mögen ungewöhnliche Sachen. Pop kann in jedem Land existieren!”



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aus Intro #146 (Februar 2007)
 
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