Australische Musik

Fakten. Fakten. Gossip. Gossip.

04.02.2007, 16:00, Text: Thomas Venker, linus volkmann, Felix Scharlau
[7 Kommentare]

Politik & Kultur
Kennen Sie den VW-Soundfoundation-Bus? So privatwirtschaftlich läuft Kulturförderung bei uns. In anderen Ländern gibt sich der Staat involvierter und stupst die Künste gerne mal mit an, auch mit dem Weitblick, zu sehen, was da an Wirtschaftlichem möglich ist. In Australien steht gleich eine ganze Palette an potenziellen Unterstützungsmöglichkeiten zum Bewerben zur Auswahl. Diese reicht von Förderung von Inlandstouren, Zuschuss zu den Aufnahmesessions, auch gerne mal im Ausland und mit namhaften, da auffälligen Produzenten sowie Reiseunterstützung zu internationalen Businessfestivals wie dem SXSW in Austin.

The Australian Music Prize
Jährlich vergebener Preis. 2006 gewannen ihn The Drones, eine Rockband in bester Birthday-Party-Tradition. Und eine der derzeit heißesten Bands des Landes. Textlich heimatbezogen, aber nicht so, wie man jetzt denken mag: So handeln viele Texte von der brutalen Vergangenheit des Landes, arbeiten den Umgang mit den Aborigines auf. Erst in den 1980er-Jahren wurde die Rassentrennung in australischen Schulen aufgehoben. Das Wahlrecht erhielten Aborigines 1961.

Signe deine Nachbarn
Nun, keine wirklich australische Eigenheit, dass kleine Labels bevorzugt Bands aus dem Bekanntenkreis signen. In Australien findet sich dieses Prinzip aber besonders stark, da die Entfernungen zwischen den wenigen wirklichen Großstädten geradezu riesig sind. Das bringt mit sich, dass es extrem schwierig ist, die jeweils regionalen Strukturen zu überschauen. Insofern nur ehrlich, wenn man sich nicht anmaßt, überall den Durchblick zu haben. Diese Haltung erinnert an ein Label wie Dischord, das nur Bands aus Washington signt.

Ab in die Charts

Kleines Land, kleine Dimensionen. 100.000 verkaufte Platten sind schon ein großer Erfolg in einem Land mit 20 Millionen Einwohnern. Mit 35.000 verkauften Platten bekommt man in Australien bereits eine Goldene Schallplatte – zum Leben reicht das aber auch hier noch nicht. Und so muss man noch etliche Stunden kellnern, um auch als Gold-Musiker über die Runden zu kommen. Oder eben den Weg gen Ausland anstreben. Was aber nicht heißen soll, dass es gar nicht zu packen wäre. Aktuelle Erfolgsgeschichte: Jet. Die ließen sich vom Pessimismus nicht anstecken und verkauften 600.000 Einheiten. Ähnlich wie The Vines. Und auch ein kleines Indie-Label wie Rubber kann, in Kooperation mit einem großen Label wie Sony, einen kleinen Hit stemmen: So verkauften sie beispielsweise vom HipHop-Projekt 120 Techniques, Australiens erster erfolgreichen HipHop-Band, satte 50.000 Platten. Respekt.

Touren / Distanzen
Melbourne, Sydney, Brisbane und vielleicht noch Adelaide und Perth – das sind die wenigen großen Städte des Landes, die man nach westlichen Kategorien bespielen kann. Letztere sind aber beispielsweise schon vier Flugstunden von Melbourne entfernt. Mit dem Auto kommen dann im Schnitt gleich mal zwölf Stunden zwischen zwei größeren Städten zusammen – so weit wie in Deutschland einmal von Nord nach Süd und wieder zurück. Touren in den Ausmaßen kann daher nicht jede Band einfach so. Wer das Level noch nicht erklommen hat, dem bleibt nichts anderes, als für größere Bands zu supporten oder eben Wochenende für Wochenende im lokalen Pub aufzutreten.

Neuseeland
Für uns Europäer die nahe liegende Erweiterung Australiens. Für die Locals vor Ort aber nicht wirklich. Australische Bands haben es nicht leicht beim Nachbarn – dabei ist es (rein geografisch gesehen) für Bands aus Melbourne näher liegend, es dort zu versuchen als beispielsweise in Perth. Erschwert wird die Performance der Australier beim Nachbarn dadurch, dass die neuseeländische Regierung die nationale Musikszene pusht und die Radiosender analog zu Frankreich (siehe auch die unsäglichen Diskussionen bei uns) dazu verpflichtet sind, 20 % neuseeländische Musik zu spielen. Australien kriegt da keinen Bonus und muss mit dem Rest der Welt konkurrieren. Aber die Australier sollten nicht zu laut jammern, haben sie doch mit 40 % im nationalen Radio, beispielsweise Triple J Radio, die noch höhere Inlandsquote gesetzt.

Internationales Tour-Roster

Da die amerikanische und britische Musikszene in Australien sehr intensiv verfolgt wird, kommt fast jede Band, die es bei uns halbwegs gepackt hat, auch auf den fünften Kontinent. Gut für die lokalen Bands, fallen so doch jede Menge Support-Slots ab. Länder und Künstler abseits dieser MTV-Route haben es empfindlich schwerer. Auch Musik aus Deutschland ist daher ein schwarzes Loch – und die Künstler, die es in Australien zu Bekanntheit gebracht haben, die wollen wir nicht namentlich nennen.

Musikmedien
Es gibt in Melbourne zwei Gratismagazine, die sich hauptsächlich mit Musik beschäftigen: Inpress und Beat. Abseits davon findet sich eine sehr gute Fanzineszene. Wenn man die Protagonisten fragt, was ihnen abgeht, so antworten alle, dass ein Äquivalent zum NME eine feine Sache wäre. Nun, Melbourne, alles klar, aber ob das dem Tempo der lokalen Musikszene entspricht? Relevant ist vor allem das öffentliche Radio Triple R, wobei es auch bemüht ist, die lokalen Künstler zu unterstützen. Und so sehr es das Ziel aller ist, in die Radiorotationen zu gelangen, so bewusst ist doch jedem australischen Musiker, dass man es in diesem Land nur durch das Livespielen richtig schafft. Allerdings gilt auch die Faustregel: Ohne öffentlich-rechtliches Airplay kann man nicht über 5.000 Einheiten verkaufen.

Australian (Wo)men in UK

Wer hätte es geahnt? Es leben sehr viele Australier in Großbritannien – und wir dachten, dass das UK seine Gefangenen nicht zurückhaben wolle. Diese große australische Population sorgt für das Phänomen, dass selbst relativ unbekannte australische Bands in der Regel problemlos eine solide UK-Tour auf die Beine gestellt bekommen. So kann beispielsweise eine Band wie Powderfinger, die in Australien zwar 500.000 Platten verkauft, dem Rest der Welt aber weitgehend unbekannt ist, in England dank der stets anwesenden Landsleute sehr erfolgreich touren. Solche Exil-Aussie-Gigs gelten z. B. in London aber nicht gerade als cool.




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aus Intro #146 (Februar 2007)
 
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  • User: dieanna
  • dieanna 05.02.2007 | 18:59:50

    gute fakten aus australiens tollster stadt und einiges schön auf den punkt getroffen!
    leider habe ich die vorstellung von zwei plattenläden vermisst:
    -polyester records/books on brunswick st, fitzroy (fast direkt bei der veggie bar)
    - rare records in st. kilda hier erhältlich sind: gute platten und geschichten wie:
    the mars volta kauften dem besitzer zu big day out zeiten den halben laden an vinyl leer.

    und: big day out ist das schrecklichste festival in ganz australien, schlimmer als rock im park! empfehlenswerter ist das "woodford folk festival"

  • buenaventura 05.02.2007 | 19:24:00
    hashomer
    was ist das denn fuer ein total oeder artikel? da steht ja in ner lonely planet ausgabe von vor 10 jahren noch weniger an ueberfluessigen gemeinplaetzen drin. ich find's ja schoen, dass tourismaustralia auch nach alternativen wegen sucht, das schoene land down under zu "promoten", aber haette man sich nicht n bisschen muehe geben koennen? uebrigens brauch ich noch n flugticket zum letzten candle-records-festival im corner hotel in richmond (das waere auch in melbourne). ich schreib dann auch n paar worthuelsen drueber.

  • User: swiss_slacker
  • swiss_slacker 10.02.2007 | 12:04:05
    Popsau & Chüngelzüchter
    finde den artikel auch eher belanglos und langweilig. mann haette ruhig auch etwas mehr über die tollen acts aus dem land schreiben dürfen. ac dc und birthday party kennt nun ja jeder.... schade.

  • User: Bokkus
  • Bokkus 10.02.2007 | 18:13:00

    War auch schon da. (Darum geht's hier wohl.)

  • buenaventura 11.02.2007 | 13:28:13
    hashomer
    genau. darum geht's.

  • User: dubman
  • dubman 11.02.2007 | 17:43:16

    und keine nennung von Waterfront u. Citadel Records...geht aber wahrscheinlich nur um diesen modernen Stoff..wie Hip Hop u Electronic...

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