Devastations

Melbourne Berlin Shuttle-Service

29.01.2007, 06:00, Text: linus volkmann

Conrad Standishs ist dürr, nachlässig rasiert, blass vom vielen Rauchen. Steht ihm gut. Ein leptosomer Dandy eben. An seiner Seite hat er noch zwei Kollegen, ebenfalls nicht mehr 20 und auch mit so einem Abgerissene-Anzüge- Penner-Chic. Ihre Band heißt Devastations, das noch Ende letzten Jahres erschienene zweite Album der Band nennt sich “Coal” und liefert eine amtliche Absage zum überstrapazierten The-, Eier- und New-Rock, der 2007 ohnehin definitiv ausgezählt werden wird. Die Devastations bringen gebrochenen, schwer warmen Rock, der trotzdem marschiert, dabei unterbrochen wird von schräg ausklingenden Gitarren, von sehnsuchtsvollen Streichern, der sparsam und doch immer wieder üppig ist. Und eben cool, wie seine Betreiber. Conrad erinnert dabei bisschen an den jungen Nick Cave und lässt den Link zur Besonderheit der Devastations-Lebenssituation dadurch nur noch leichter fallen, leben die drei doch in Kreuzberg, Berlin. Was ja nicht gerade um die Ecke liegt, wenn man die Band 2002 in Melbourne gegründet hat. Nach einer Europa-Tour mit den Tindersticks blieb man hier hängen. Das urbane, leicht kotige Berliner Pflaster gab für die Styler-Folk-Dandys einfach mehr her als das sunny Paradies am Ende der Welt. Einbußen nahm man da gern in Kauf. Conrad erzählt: “Ach, Tom [Gitarrist und Keyboarder] und ich mussten lange Zeit nicht nur ein Zimmer, sondern auch eine Matratze teilen. So was ist nicht gerade leicht, wenn man im Alltag auch noch Respekt voreinander wahren will.” Zuletzt standen die drei immerhin schon mit Alex Hacke von den Neubauten auf der Bühne. Das und Schrottwohnungen: good old Berlin pur. Näher dran als die drei Aussies ist so kaum ein Einheimischer der Stadt.







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aus Intro #146 (Februar 2007)
 
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