Black Cab

Programm-Rock

29.01.2007, 06:00, Text: Felix Scharlau

Das Melbourner Duo Black Cab entspricht in mancherlei Hinsicht dem aktuellen Phänotyp vieler australischer Rockbands: (gezwungenermaßen) vornehmlich national agierend, aber international beeinflusst. Sein zweites Album “Jesus East” gleicht einem Stilmix unterschiedlichster Rocktraditionen – von Shoegazer- über Drone-Rock und Psychedelic bis zu den dekonstruierenden Elementen von Post Rock. So weit, so normal. Reichlich ungewöhnlich ist hingegen das Anliegen von Ex-Foil-Sänger Andrew Coates und Gitarrist James Lee, es nicht nur beim üblichen Stil-Merge zu belassen, sondern Rock auch konkret musikhistorisch zu verhandeln. Schon das Debüt, das Konzeptalbum “Altamont Diary”, thematisierte mit fast mahnendem Programmmusik-Gestus den gleichnamigen Festivalalbtraum von 1969, bei dem drei Menschen ums Leben kamen. Jenes Ereignis, durch das “all die Hoffnungen und der Optimismus der [Hippie-] Zeit in einer Dunstglocke aus harten Drogen und schlechten Klamotten zerstört wurde”, so Andrew Coates. Auch “Jesus East” bleibt jener Grundpoetik treu: “Wir brauchten ein Leitmotiv, um das Album zu schreiben, und das war diesmal: George Harrison geht nach Indien, ist aber bald gelangweilt von dem ganzen Esoterik-Mist und zieht nach Berlin.” Das klingt auf dem Papier erzwungen schräg, liefert aber den Nährboden für ein wirklich hörenswertes Indie-Rock-Epos.






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aus Intro #146 (Februar 2007)
 
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