
The Shins
Endlich schlafen
29.01.2007, 06:09, Text:
Christian Steinbrink, Foto: Majid Moussari
Lange befanden sich die Shins in ihrer kleinen, verschlafenen City namens Underground. Aber jetzt wird es mit ihnen weltweit hoch hinausgehen. Das hat Sänger, Gitarrist und Songwriter James Mercer in seinem Heimatland USA schon antesten dürfen. Dort erlebte die Band dank ihres Auftritts im völlig unerwartet zum Kassenschlager avancierten Film “Garden State” von Zach Braff einen enormen Popularitätssprung. Und plötzlich waren nicht mehr nur die wunderschönen Indiepop-Melodien, die die Band bis dahin auf zwei Alben ausgebreitet hatte, wichtig, sondern auch das Daneben, ja, sagen wir es: das Business. Und dann war da ja auch noch die Geschichte mit Mc Donald’s: Die Band hatte für eine Mc-Kampagne ihren Hit “New Slang” freigegeben – wie Sperrfeuer flogen die Vorwürfe der Fans über die Köpfe der vier Männer aus Portland hinweg. Mercer wies darauf hin, dass das Geld notwendig zum Fortbestand der Band sei, sprach von den vielen anderen Angeboten, die sie zuvor ausgeschlagen hätten, von der Autonomie, die sich seine Band trotzdem erhalten hätte, und nicht zuletzt von dem geringen Wert, den sie auf Fans legen würden, die nur aufgrund von Werbespots mit der Musik der Shins in Berührung kommen würden. Den warmen Geldregen jedenfalls hat die Band außerordentlich klug angelegt, nämlich in ein eigenes Studio in einer freundlicheren Gegend von Portland. Was man dem neuen Album “Wincing The Night Away” auch anhört.
Mercer entpuppt sich im Gespräch als ein intuitiver, heiterer und emotionaler Typ. Als jemand, der jede Frage erst einmal ernsthaft durchdenkt, um dann mit oft zusammenhangslosen Assoziationen oder Verständnisrückfragen zu antworten. Der nie auch nur auf den Gedanken käme, den Gesprächspartner mit einer einfachen Worthülse abzuspeisen. Wir reden über den deutlich veränderten Sound des neuen Albums: “Ich wollte mich nicht selbst langweilen. Ich hatte das Gefühl, meine Version von Sixties-Pop ausgereizt zu haben”, meint er dazu. Durchaus nachvollziehbar. So ist aus den Provinz-Jungs, die Mitte der Neunziger in Albuquerque mit Folkmelodien und Reverb gegen die damals allgegenwärtige Popularisierung des Punkrock rebellierten, eine glasklare Popband geworden, die sich besonders für die weite Welt des analogen und digitalen Klangs interessiert. Die Strukturen der neuen Stücke sind deutlich komplexer als zuvor, nur das Songwriting Mercers ist dasselbe geblieben. Und auch die Themen der Stücke handeln von den Erinnerungen aus den Jahren, in denen Mercer noch in einer heruntergekommenen Gegend von Portland in einem regelrechten Crackhouse lebte. Dadurch wurde auch der Albumtitel inspiriert: “Ich hatte damals Schlafstörungen. Manche Dinge, die rund um meine Wohnung passierten, schlugen mir aufs Gemüt. Außerdem fand ich, dass der emotionale Kontrast zu populären Titeln wie ‘Twistin’ The Night Away’ einen ironischen Blickwinkel auf unsere Musik eröffnet.”
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