Little Man Tate

Du und wie viele von deinen Freunden?

29.01.2007, 06:00, Text: Peter Flore

Da stehen sie, hübsch aufgereiht, für eine Fotosession. Und sie wirken dabei, als befänden sie sich gerade auf einer Klassenfahrt. Es ist Spätsommer, und sie haben die Zeit ihres Lebens: Sänger und Gitarrist Jon, Gitarrist Mez, Bassist Ben und Drummer Dan. Das Debüt “About What We Know” ist fertig, die Veröffentlichung aber erst mal nach hinten geschoben: Das Rauschen im UK-Blätterwald ist schon so gewaltig, da will man nichts mehr dem Zufall überlassen.

11.09.06 Köln, Gebäude 9

Ein bisschen überrascht wirken Little Man Tate schon, dass ihre erste offizielle Single “What? What You Got?” bereits an den UK-Top-40 gekratzt und die aktuelle, “House Party At Boothy’s”, diese Hürde dann letztlich mit Bravour genommen hat. Der Single-Buzz – so wichtig in diesen schnelllebigen Zeiten, weil der NME jeden Schritt als Quantensprung verstanden haben will und das anstehende Albumdebüt die Vorschusslorbeeren nur noch bestätigen soll. Den Street-Fame haben sie ja schon. Ihr Supportslot auf der Peter-Bjorn-And-John-Tour ist mittlerweile einem Doppel-Headlinerstatus gewichen, obwohl sie eigentlich doch überall eröffnen.
Nach einem ersten vorsichtigen Abtasten geht es nach dem Soundcheck erst einmal zurück in das gutbürgerliche Hotel in Köln-Mülheim. Der laue Spätsommerabend lädt zum Verweilen im angrenzenden Biergarten ein, das wiederum zum ungezwungenen Plausch. Darüber, wie toll das alles im Moment sei, wie die beiden Jugendfreunde Jon und Ben immer wieder betonen. Und als ob sie ein typisches British-Lad-Bild abgeben wollten, wird es den Rest des Abends, zumindest aber bis zum Konzert um Sheffield, die heimischen Fußballclubs Sheffield Wednesday bzw. United, um Mädchen und Musik gehen. Ganz so wie in ihren Texten. Eigentlich sollte jetzt noch ein Interview mit einem großen deutschen Musikmagazin stattfinden, der Journalist aber lässt auf sich warten, der Band indes scheint das völlig egal. Chris, ihr Manager und enger Freund, wird es schon regeln. Später, das Interview ist mittlerweile abgesagt, sammelt er uns mit dem Band-Van ein und bringt uns zum Venue, das sich langsam füllt.
Gegen 21:30 Uhr dann ist “Man I Hate Your Band” wie auf dem Album Opener des Little-Man-Tate-Sets. Eine spitzbübische Absage an alle Szenegänger und Hipsters, während die Band vollkommen unprätentiös dort oben auf der Bühne steht und über sich, ihre Freunde und das Wochenend-Leben in Sheffield singt: “Sexy In Latin”, “This Girl Isn’t My Girlfriend”, “Down On Marie”, Zwischenmenschlich-Allzumenschliches in dreieinhalb Minuten verpackt. Ihr kurzweiliges Set hat den Pop-Appeal der Kaiser Chiefs und den schulterzuckenden Realismus der Arctic Monkeys, der anderen Sheffielder Band. Später am Abend sitzen die vier Jungs noch mit dieser fast unvermeidlichen Traube britischer Konzerttouristen vor dem Club und sagen das, was sie auch schon nachmittags im Biergarten gesagt haben: “Wir machen uns keinerlei Gedanken über das, was gerade passiert”, erklärt Jon. “Es kann morgen wieder vorbei sein, wir genießen es einfach.”




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aus Intro #146 (Februar 2007)
 
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