Jamie T

Matchball

29.01.2007, 06:13, Text: Dirk Mönkemöller

Mit einer Akustikgitarre in der Hand schlurft Jamie T auf die Bühne der HMV-Filiale in der Londoner Oxford Street. Das anstehende Instore-Konzert des neuesten britischen It-Boys wollen sich vor allem die Fans nicht entgehen lassen, die noch zu jung sind, um am Abend der regulären Club-Show beiwohnen zu können. Hunderte von ihnen drängeln sich zwischen den mit Plastikfolien abgedeckten CD-Ständern.

“Schön, dass ihr so zahlreich da seid. Ich brauche eure Hilfe”, begrüßt der 20-Jährige sein Publikum. “Mir wurden auf Tour sämtliche CDs geklaut, und ich habe nichts mehr zu hören. Es wäre also ausgesprochen nett, wenn mir jeder von euch eine CD kaufen könnte. Ich werde gleich eine Liste der vermissten Alben verlesen.” Ein paar Stunden später steht Jamie T mit seiner Band zum zweiten Mal an diesem Tag auf der Bühne, diesmal vor einem Publikum, das schon Alkohol trinken darf und von diesem Recht reichhaltig Gebrauch macht. Die Leute stapeln sich mit Halbliterdosen Red Stripe in den Händen im Club Scala und singen lauthals und vereint fast jeden Song mit.
The Clash, Elvis, Ice T, Oasis, The Stranglers, NWA, Elvis Costello, Pogues, Michael Jackson – so ungefähr klang die Liste der von Jamie T vermissten CDs, die er zwischen den Songs beim HMV-Instore-Konzert herunterrasselte. Man könnte meinen, dass der vermeintliche Gag eigentlich als Lehrstunde in Sachen Musikklassiker für die junge Fanschar gedacht war. Die Aufzählung gibt aber auch Einblick in Jamies Plattenkiste und damit auf sein eigenes musikalisches Schaffen. Der Twen aus dem Londoner Vorort Wimbledon ist halb Singer/Songwriter, halb Bedroom-Producer und zu hundert Prozent ein charismatischer Typ mit bübischer Verschmitztheit. Seit er als 15-Jähriger seinen ersten Computer bekam, wurschtelt er damit die unterschiedlichste Musik zusammen und sprechsingt dazu in saftigem Cockney über das Leben eines Suburb-Kids, das zu viel Bier trinkt und gerne Partys feiert. Vergleiche mit Mike Skinner ließen da nicht lange auf sich warten. Allerdings spielt Jamie T inzwischen mit einer klassischen Band, wodurch eine weitere Verwandtschaft an die Oberfläche tritt: die zu den Arctic Monkeys. Und genau zwischen diesen beiden Eckfahnen bewegt sich Jamies Musik. Dazwischen hat er sich genug Platz freigedribbelt, um auch etwas Reggae, Classic Rock und The Clash ins Spiel bringen zu können.

Siehst du dich eher als Singer/Songwriter oder als Bedroom-Producer?
Das sollen die Hörer entscheiden. Ich habe zwar schon Tracks in meinem Schlafzimmer produziert, aber ich kann überall da Musik machen, wo ich mich wohl fühle und die richtigen Leute um mich habe. Das kann auch in einem ganz normalen Studio sein. Weißt du, es gibt diese Typen, die immerzu von Punkrock faseln und DIY predigen. Das ist doch Quatsch! Wichtig beim Musikmachen ist nur, dass am Ende Qualität herauskommt. Der Weg dahin ist völlig egal.
Die englische Presse hat dich bereits mit Joe Strummer verglichen. Ganz schön große Fußstapfen, die du da füllen sollst ...
Allerdings. Das hat mich echt umgehauen, weil Joe Strummer ein wahres Idol für mich ist. Leider konnte ich ihn mit The Clash nie live sehen. Ich bin einfach zu jung.
Ein anderer Name, der oft mit dir in Verbindung fällt, ist The Streets.
Ich mag Mike Skinner. Er macht tolle Musik, die es so davor noch nicht gab. Und er hat diesen englischen Akzent, genau wie ich. Daher verstehe ich den Vergleich. Aber wenn du mich fragst, sind die Journalisten schuld an dem Vergleich. Die sind einfach zu faul, etwas genauer hinzuhören.




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aus Intro #146 (Februar 2007)
 
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