
Kochen mit
Albert Hammond Jr.
17.12.2006, 16:00, Text:
Thomas Venker, Foto: Jonathan Forsythe
Albert Hammond Jr. von den Strokes hat eine Soloplatte gemacht. “Na und”, könnte man anmerken, “machen das nicht viele Typen, die in halbwegs bekannten Bands spielen, irgendwann mal in ihrer Karriere?” Bestimmt. Ach was, sicher. Aber die hier hat Hand und Fuß, heißt “Yours To Keep” und gibt, so viel Simplizität muss auch beim Schreiben mal drin sein, uns genau das: zehn Songs zum Mit-sich-Rumtragen, Immer-wieder-Hören und In-ihnen-und-mit-ihnen-Wohlfühlen.
“Schreib das bitte genau so. Das würde ich gerne mal über uns lesen.” Der Typ, der mir da gerade den Inhalt des Artikels zu diktieren versucht, ist Ryan Gentles, Manager der Strokes. Und ausnahmsweise soll er zu seinem Recht kommen. Normalerweise lassen wir starrköpfigen Schreiber uns ja nichts in den Laptop diktieren, aber das hier Eingeforderte habe ich ihm schließlich selbst vorgelegt, als ich ihm mit ehrlicher Begeisterung schilderte, wie sehr mir das gefallen hat, was wir beim gestrigen Auftritt von Albert im Rahmen des CMJ-Festivals in der Mercury Lounge erlebt haben. Die Rede ist dabei gar nicht von der Performance selbst, zu der kommen wir später, nein, die Rede ist vom Vibe des Abends. Alles wirkte so harmonisch, so freundschaftlich, so voller Euphorie und Emphase. Strokes-Sänger Julian Cassablancas beispielsweise lief ein, herzte alle und ging vom ersten Ton des Konzertes wie ein Strahlemann von Kind mit, das weiß, gleich wird Bescherung sein. Selbiges lässt sich über Ryan und seine Freundin sagen. Kurzum: “Meine Band sind meine Freunde”, könnte man in Abwandlung des alten Minutemen-Slogans “My Band Could Be Your Life” für Albert und seine Mannen sagen. Und auch die anderen Gesichtsprominenten, die an diesem Abend gespotet werden, beispielsweise Adam Green und James Iha (ehemals Smashing Pumpkins; bei der wohl anstehenden Reunion genauso wie D’Arcy Wretzky nicht dabei), passen sich ein in das gut gelaunte, happy Milieubild, das vor einem in 3D ausliegt.
Passend hierzu das unproblematische Handling der Gästeliste. Normalerweise will man über das Thema ja nicht schreiben, kommt irgendwie immer falsch rüber – affektiert und um sich selbst kreisend –, weshalb es aus einem anderen Artikel in dieser Ausgabe auch herausgenommen wurde – aber hier soll die Geschichte doch erzählt sein: Natürlich stehen wir nicht auf der Liste, als wir, zugegebenermaßen knapp vor Toresschluss, einlaufen wollen. Normalerweise bedeutet das: DOA. Death on arrival. Oder einfach nur: Das war’s. Doch der Anruf bei eben eingeführtem Ryan endet zwar binnen Sekunden mit einem aufgelegten Telefon, aber eben nicht, wie man es erwarten könnte, aus Angenervtheit, sondern da er zufällig exakt neben uns steht, sofort mit einer überschwänglichen und nicht amerikanischen Freundlichkeit bei der Sache ist und uns mit reinschiebt. Danke. So unprätentiös kann man es auch machen.
Das Konzert selbst ist, ehrlich gesagt, nicht der Überhit. Es ist einer der ersten Auftritte von Albert mit seiner neuen Band, im Kern neben ihm aus Bassist Josh Lattanzi (Lemonheads) und Schlagzeuger Matt Romano (Adam Green) bestehend, live zum Fünfer ausstaffiert. Gut eingespielt sind sie, ein Resultat des emsigen Arbeitens am Album, aber so recht flowen will das Miteinander dann doch nicht. Zu sehr ist es ein Albert-Solo-Event. Aber vielleicht auch okay so, schließlich ist es ja sein großer Tag, kann er endlich in intimem Rahmen seine Songs vorstellen. Dementsprechend strahlend steht er in der Mitte.
Dennoch, und auch wenn die Band seinen Namen trägt, soll es nicht als Solonummer rüberkommen. Deshalb erscheinen am nächsten Tag im Epistrophy Cafe alle drei. Eigentlich war das Treffen als “Kochen mit” geplant, aber irgendwie und -wo zwischen Rhein und dem anderen Ende des Atlantiks ist das stecken geblieben. Sehr zum Unwillen Alberts, der bekanntlich nicht nur der Gourmet der Strokes ist und jedes Restaurant New Yorks kennt, sondern auch gerne kocht. Zumeist mit seiner Freundin Catherine Pierce (von der New Yorker Folkband The Pierces) – zu gerne hätte er aber eine Ausnahme für Intro gemacht und uns pikantes Hühnchen gezaubert. Als das bei mir aber nicht das intendierte begehrende und bedauernde Leuchten in den Augen auslöst, von wegen dieser Sache Vegetarismus, die sich mit aller Konsequenz durch diese Heftseiten zieht, da schwenkt er um auf echt italienische Nudeln mit frischem Gemüse und Fisch – man merkt, auch hier gilt: Es wird nicht mit falscher Fassade agiert, der Mann liebt Essen und Kochen, nicht zuletzt, da man dabei so gut entspannen kann.
1 | 2 | ... weiterlesen »
Artikel kommentieren
Mehr Infos
Kommentare
Artikel kommentieren - Mehr Forumsdiskussionen
Social Network Login

Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
MEIST GEKLICKT
- 01 Wes Anderson / Moonrise Kingdom...
- 02 Light Asylum - im South by Southwe...
- 03 The Hives - Größenwahn als Inszenierung
- 04 Woodkid / Yoann Lemoine - Vom Kind...
- 05 Best Coast - Coverstory
- 06 Damon Albarn - Ich habe immer das ...
- 07 Friends - Live is life
- 08 Im Koffer der... - Scissor Sisters
- 09 Auf Reisen mit... - Ladyhawke
- 10 Hot Chip - Auf dem Laufsteg
- ... mehr
INTRO-TV
- » ESC 2011: Unsere Favoriten...
- » SXSW / South By Southwest 2011...
- » In Bed With Kreator - Videobl...
- » So wars bei der Gamescom - In...




