Jahresrückblick

HipHop 2006. Zwischen Schmatzen und Funk

29.12.2006, 10:00, Text: Hannes Loh
[14 Kommentare]

2006 war ein HipHop-Jahr ohne große Überraschungen. Der unerwartete Paukenschlag oder die dicke Dröhnung blieben aus. Kein zweiter Dizzee Rascal, kein neuer Andrew 3000. Stattdessen viele bekannte Gesichter: Jurassic 5, Black Eyed Peas, OutKast, The Roots, The Coup, Dendemann, Jan Delay und Mike Skinner. Und so drehten sich viele Interviews nicht um den steinigen Weg vom Untergrund in den Mainstream oder das pieksende Gefühl des plötzlichen Erfolgs – Selbstfindung, Neufindung, Rechtfertigung und die Abgrenzung von alten Klischees standen stattdessen im Vordergrund. Jurassic 5 strampeln sich mit “Feedback” mühsam aus der Schublade “Oldschool” heraus, obwohl sie mit jener “alten Schule” der frühen Achtzigerjahre biografisch nichts und musikalisch kaum etwas zu tun haben. Die Black Eyed Peas treten in die Fußstapfen der Fugees und wollen ihre Mitgliedschaft im Supermainstream zunächst mit Soloprojekten garnieren. Boots Riley von The Coup bleibt mit “Pick A Bigger Weapon” dagegen “strictly underground” und erkennt bei den Massen eine fortschreitende Politisierung – der klassenbewusste Politrap-Barde hat sich inzwischen zu einer Art Manu Chao des HipHop gemausert.


Zwei Rapper bekamen in diesem Jahr sogar eine Titelstory. Allerdings handelt es sich in beiden Fällen um Grenzgänger, HipHop-Horizont-Hintersichlasser und Künstler, die im eigentlichen Sinne “independent” sind: The Streets und Jan Delay. Im Falle von Mike Skinner, der nach seinem zweiten Album zum Posterformat-Popstar aufstieg, bekommt man auch die Kehrseiten solcher Katapultkarrieren einstmaliger Independentkünstler zu spüren: Lange köchelt man selbstlos und begeistert am Erfolg solcher wunderbaren Meltingpotsounds herum, schreibt enthusiastische Reviews und leidenschaftliche Artikel, nimmt sich bei Interviews Zeit für gute Fragen und ausführliche Antworten. Und heute? Ein gelangweilter, patziger Mike Skinner, der schmatzend ins Mikro nuschelt. Doch auch wenn Skinner zu einem arroganten Fatzke mutiert ist: Musikalisch hat das letzte The-Streets-Album “The Hardest Way To Make An Easy Living” nichts an Verspieltheit und Innovation eingebüßt. Ganz ähnlich wie Jan Delay, die hanseatische Mischung aus B-Boy und Boheme.

“Mercedes Dance”, die Glitzerlegierung aus Rap, Funk, Pop und Eißfeldt, war vielleicht die einzige wirkliche Überraschung im HipHop-Jahr 2006. Und gerade weil die Rapszene in Deutschland heute weniger von Hamburger Humor und mehr von Gangbang aus Berlin geprägt ist und der gute alte schwule Studentenrap neben dem neuen Sperma schleudernden Lumpenprekariat ein wenig verhuddelt wirkt, weiß man Dendemanns “Pfütze des Eisbergs” sehr zu schätzen. Dendemann wiederum freut sich heute schon auf ein weiteres Rap-Funk-Experiment – diesmal aus dem Hause 360° Records: Toni L wird im Januar 2007 sein Funkalbum “The Funkanimal Session” mit der Band Safarisounds veröffentlichen. Der Heidelberger Rappionier, der mit Advanced Chemistry über Jahre den Diskurs über HipHop in Deutschland bestimmt hat, ist nun selbst einer, der aus der Nische heraus Musik produziert. Und er zeigt, dass es immer noch genug Platz für überraschende Projekte gibt. Toni Ls “Funkanimal” jedenfalls – so viel sei abschließend verraten – ist in Sachen Rap der erste Lichtblick im neuen Jahr.



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aus Intro #145 (1)
 
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  • Chimpie 29.12.2006 | 10:41:02
    "DA!"
    Naja, lieber Hannes.. Das war aber nur ganz ganz ganz grob angekratzt was 2006 passiert ist. Den Text hätte man sich sparen können. Für HipHop-Fans nicht im Ansatz interessant.

  • TASMAN 29.12.2006 | 12:38:30

    eben! dat liescht sich, als würde man HipHop zu grabe tragen. und mit diesem gedanken - un dat is meine meinung - sollte man sich langsam aber sicher anfreunden! hiphop hat seine beste zeit gehabt. soeben.

  • User: MrSlomo
  • MrSlomo 29.12.2006 | 13:58:04

    Pfffff. Hannes Loh.

  • Chimpie 29.12.2006 | 14:04:20
    "DA!"
    "hiphop hat seine beste zeit gehabt"

    Ansichtssache.

  • User: FourTonMantis
  • FourTonMantis 29.12.2006 | 20:08:48

    ich finde es erbärmlich, wenn in einem jahresrückblick - jahresrückblick! - nicht der tod der producerlegende j. dilla erwähnt wird. dilla hat sehr wohl gezeigt hat, dass hip hop im jahr 2006 lebendig ist.

  • User: Cosmicwurm
  • Cosmicwurm 29.12.2006 | 22:33:44

    "hiphop hat seine beste zeit gehabt" ???
    komsich komisch dass noch immer die Dissen volles haus haben ...

    ich denk auch es ist Ansichtsache und kann nicht pauschal gesagt werden.
    Aber lassen wir uns im kommendem Jahr überraschen
    ;-)
    prost!

  • User: Magnetic
  • Magnetic 30.12.2006 | 00:21:09

    naja, intro-titelstories als maßstab für die lebendigkeit einer darin eher marginal vorkommenden musikrichtung zu betrachten, is auf jeden fall kappes. vor allem wenn maximal "indie"hiphop gepusht wird... eine titelstory über dilla wäre in hiphop-hinsicht tatsächlich relevanter gewesen, hätte halt nur die ach so independente masse nich so befriedigt, wie ein jan delay

  • User: Sick Sinus
  • Sick Sinus 30.12.2006 | 06:40:27
    Mehrteurer
    wieso nennst Du die Masse "independent"? ;-)
    Eine Frage, die übrigens nicht nur auf HipHop bezogen angewendet werden kann.

  • User: snorej
  • snorej 30.12.2006 | 13:32:43

    hannes loh, um im paukerlatein zu bleiben, setzen, sechs!

  • User: MeMyselfAndI
  • MeMyselfAndI 30.12.2006 | 14:33:24

    manchmal ist eben weniger mehr. und zwischendrin ist sogar gar nichts noch besser. den "rückblick" beispielsweise hätte die welt nun nicht unbedingt gebraucht.

  • User: Magnetic
  • Magnetic 30.12.2006 | 16:26:27

    @sick: ich bezog mich nur auf die introleser, aber stimmt, die intro erfüllt eigentlich gar nich den anspruch, indie zu sein ;-) is nur irgendwie noch so im hinterkopf bei mir, vielleicht verwechsel ich das mit der spex

  • User: scr
  • scr 31.12.2006 | 00:55:24

    und was ist mit den beiden 2006ern gfk alben?!..
    mike skinner pff...

    ...
    zu dem text muss ich sagen, dass sicherlich schwer ist einen text zu schreiben wo es über die jahreszusammenfassung des musikgenre's hip hop geht..irgendwelche hühner nehmen sich doch selbstverständlich gleich den artikel vor und picken auf den autor ein...

    wahrscheinlich sollten die autoren schon im november beginnen ihren artikel sorgfältig vorzubereiten..um dann am ende des jahres, mit eventueller hilfe von e-zine jahreslisten (um zu sehen was die leute gerne hörten), einen sauberen hühnerresitenten artikel abzuliefern.

    pick it..

  • User: scr
  • scr 31.12.2006 | 00:56:50

    ich hab da ein s vergessen..

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