Madsen

Einfach Familiensache

17.07.2006, 08:00, Text: Christoph Büscher

Zunächst klingt es vielleicht komisch, seiner Band den eigenen Nachnamen zu geben. Bei Madsen ist das aber ganz natürlich. Denn den Kern der Band bilden drei Brüder: Sebastian (Gesang, Gitarre), Johannes (Gitarre) und Sascha Madsen (Drums) spielen so schon lange zusammen. Mit Niko Maurer (Bass) und Folkert Jahnke (Tasten) sind die fünf Jungs aus dem Wendland jetzt seit zwei Jahren mit deutschsprachiger Gitarrenmusik unterwegs und haben mit “Goodbye Logik” ein neues Album, voll gestopft mit potenziellen Hits, am Start.

Am Debüt “Madsen” schieden sich allerdings die Geister: auf der einen Seite begeisterte Fans, allen voran Thees Uhlmann von Tomte, der Madsen einen Pressetext in allerhöchsten Jubeltönen dichtete und darin Sänger Sebastian die “adoleszente Wut des jungen Lowtzow” bescheinigte (u. a. nachzulesen auf der Webseite der Band), auf der anderen Seite aber auch immer wieder Stimmen, die sich eher genervt vom juvenilen Drauflos-Gerocke von Madsen zeigen. Während sich die einen in den deutschsprachigen Reim-dich-Texten wie in “Immer mehr” wieder fanden, waren die Direktheit, die Eingängigkeit und der wohl dosierte Rotz der auf MTV rotierenden Hitsingle “Die Perfektion” für die andere Seite gerade ein Grund dafür, in Madsen bloß Trittbrettfahrer auf der Deutschgesang-Welle zu sehen.


Wie jetzt das zweite Album zeigt, liegt die Wahrheit wie immer irgendwo dazwischen. Klar, es gibt wirklich geilere Indie-Referenzen, als von “Polylux” als neue Deutschrock-Entdeckung ausgemacht zu werden. Dass Madsen aber auch beim Indie-Publikum des Immergut-Festivals punkten konnten, zeigt, dass der Versuch des Labels Universal, die Band sowohl im Mainstream als auch im Indie-Untergrund zu etablieren, aufgeht. Auch wenn das natürlich manchem Indie-Puristen gegen den Strich geht: “Ich kann schon verstehen, wenn man eine Band, die überall gehypt wird, erst mal prinzipiell nicht gut findet. Die Arctic Monkeys zum Beispiel wollte ich auch erst mal scheiße finden, mittlerweile finde ich die aber natürlich spitze”, relativiert Sänger Sebastian den Trubel um die eigene Band. “Bei den Reaktionen auf die erste Platte wurde meiner Meinung nach in jede Richtung übertrieben.”

So viel Vorschusslorbeeren wie das Debüt wird “Goodbye Logik” sicher auch gar nicht gebrauchen. Zwar wird auch hier gleich bei der ersten Single “Du schreibst Geschichte” selbstbewusst drauflosgerockt, bei anderen Songs, wie etwa “Der Sturm” (Sebastian erzählt, er habe während dessen Entstehung gerade viel “Zombi” von Kante gehört, was man zumindest thematisch vielleicht merken kann), wird das sonst so dominante Gitarren-Powerplay gelegentlich eine Stufe zurückgefahren. Und das tut hörbar gut. Selbst wenn Madsen an anderen Stellen, etwa bei “Piraten” oder “Der Moment”, etwas arg schunkelig werden, stehen ihnen diese etwas ruhigeren Nummern ziemlich gut. Mit “Ich rette die Welt” und “Happy End” sind dann auch noch mindestens zwei prima Songs auf der Platte, und so ist es am Ende eigentlich egal, wo genau zwischen Sportfreunde Stiller und alter Hamburger Schule man Madsen einordnen will. Hier geht auf jeden Fall noch was. Auch wenn das vielleicht bedeutet, mal einen Gang runterzuschalten.



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