Bloc Party

You Are Our Number One

25.11.2005, 16:03, Text: Christian Steinbrink

Fotos: Majid Moussavi

Bloc Party sind unterwegs. Und das durchaus auch bildlich. Ich erwische sie telefonisch auf ihrer schier endlosen Tour, die sie gerade nach Irland führt. Kele Okereke meldet sich aus dem Tourbus, wir tauschen Bruchstücke von Sätzen aus, immer wieder unterbrochen von den Funklöchern der grünen Insel. Die Nachricht, die hart umkämpften Intro-Jahrescharts gewonnen zu haben, nimmt er mit der höflichen Unverbindlichkeit eines European- Music-Award- und Mercury-Prize-Nominierten an. Intro ist ihm allerdings noch immer ein Begriff, schließlich war dieses Heft so ziemlich das erste, das seine Band auf ihr Cover hievte – und sie für das Fotoshooting in einen Supermarkt schickte.

Vieles, was Okereke und Co. im Anschluss erleben durften, war aufregend und schön, anderes sehr gewöhnungsbedürftig. So kann er sich wohl immer noch nicht damit anfreunden, die Außendarstellung seiner Band nur zu einem geringen Grad beeinfl ussen zu können. Aus einer völlig normalen Anfangsantipathie zwischen ihm und Art Bruts Eddie Argos bei ihrer Begegnung in einem Londoner Club machte die britische Presse gleich einen Fight. Und den tausendsten Exkurs über das vermeintliche Phänomen »Bloc Party als multiethnische Band« will Okereke auch nicht mehr über sich ergehen lassen. Dann doch lieber an die vielen schönen Erfahrungen denken, so z. B. den Charteinstieg des Albums im UK und die vielen tollen Konzerte, das laut persönlicher Wertung beste wohl beim Eurockéennes de Belfort in Frankreich. Und nicht zuletzt an das Album selbst, auch wenn das zu großen Teilen wohl schon 2004 konzipiert und aufgenommen wurde. Es ist ja immer interessant zu hören, wie sich so ein Album für den Künstler selbst verändert. Okereke zählt einige Parts auf, die er aus heutiger Sicht anders machen würde – und führt aus, dass sich ihm die Brillanz des Songs »Blue Light« erst Monate nach der Fertigstellung erschloss und es seitdem sein erklärter Lieblingssong ist.

Und was bringt die Zukunft? Fragmente für mindestens 20 Songs stehen schon. Aufnehmen will man in London, erscheinen soll die Platte vielleicht schon im Spätsommer. Okereke hofft, dass die Band wieder die Muse küssen wird, um mit derselben Akribie an den kleinteiligen Aspekten der neuen Arrangements arbeiten zu können wie schon bei »Silent Alarm«. Und touren wird man natürlich auch wieder. Die erste längere Pause plant die Band erst für 2007 ein.

Wir machen dieses Interview, weil euer Album unsere Jahrescharts gewonnen hat. Herzlichen Glückwunsch. Bedeuten euch Titel wie diese eigentlich etwas?
Okereke: Ja, sicher! Wir freuen uns darüber, wenn unser Album in dieser Art wertgeschätzt wird. Ich denke, wir können einschätzen, wie so eine Wahl abläuft.

Wie wichtig waren euch denn dann die Nominierungen für den European Music Award und den Mercury Prize?
So etwas berührt uns nicht wirklich. Wir wissen um die Kommissionen, die für die Vergabe dieser Preise zuständig sind, und um den Einfl uss der Industrie. Auch hier freue ich mich, wenn unser Album wahrgenommen wird, aber ich würde es nie wirklich wichtig nehmen.

Wie oft wurdet ihr dieses Jahr überrascht?
Das ganze Jahr war eine Überraschung für uns. Die Charteinstiege, die euphorischen Reaktionen bei unseren Konzerten, alles. Die größte Überraschung für mich war der große Erfolg unserer Tour durch Frankreich. Damit hätte ich nie gerechnet.

Was war der beste Moment für dich in diesem Jahr?
Ganz klar: Der Charteinstieg des Albums im UK. Wahrscheinlich, weil man als Brite dazu den größten Bezug hat.

Wie kam es eigentlich zu dem Remix-Album später
im Jahr?

Wir hatten nie bewusst darauf hingearbeitet, ein Remix-Album zusammenzustellen. Es haben sich einfach über die Monate hinweg so viele Remixe, die vor allem als B-Seiten gedacht waren, angesammelt. Da schien es nur logisch, die zu koppeln, um einen Überblick zu schaffen.

Ihr wart ja sehr beschäftigt in diesem Jahr. Hattet ihr
überhaupt noch Zeit, andere Platten zu hören? Irgendwelche
Favoriten?

Ja, klar. Auch wenn wir viel arbeiten, können wir nicht darauf verzichten, auch die Platten anderer zu hören. Dazu lieben wir Musik viel zu sehr. Ich habe dieses Jahr viel R’n’B gehört, z. B. Ciara. Toll war auch die Platte von Clap Your Hands Say Yeah, die nächstes Jahr auch regulär in Europa erscheint.



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aus Intro #134 (Dezember 2005 / Januar 2006)
 
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