Pigna People

Die Dance-Autonomen

24.10.2005, 17:11, Text: arno raffeiner, arno raffeiner

Marco Passarani kann ein Lied von Segen und Fluch der künstlerischen Autonomie singen. Jahrelang hat er mit seinen Mitstreitern Francesco de Bellis und Mario Pierro in der gemeinsamen Heimatstadt Rom wie auf einer einsamen Techno-Insel gelebt, nach eigenem Gewissen und Geschmack Electro und IDM produziert und oft genug ums Überleben seines Labels Nature Records gekämpft. Vor ungefähr drei Jahren bekamen die drei wieder die große Lust aufs Tanzen, und da sie die gängige Techno-Ware ganz und gar nicht glücklich machte, produzierten sie die Platten, die sie auflegen wollten, einfach selbst. Passarani: \"Unser Punkt war, all die Stile, die uns gefallen, zu nehmen und sie so zu verbinden, wie wir sie auf Platten finden möchten, die wir selbst im Laden auch kaufen würden.\" Das Ergebnis dieser autonomen künstlerischen Vision war Pigna Records und schlug mit seinem direkten, funkigen Sound heftiger auf den Dancefloors ein als erwartet.

Schuld daran ist wohl gerade, dass die drei Römer einer Stil-Offenheit und Zeitlosigkeit huldigen, die sonst derzeit kaum zu finden ist. \"Unsere Releases haben eine Spur Funk, eine Spur Acid House, eine Spur Electro, eine Spur Techno. Außerdem sind wir Italiener und haben - wenn auch mit einiger Verspätung - die obskursten Ecken von Disco entdeckt. Das alles zusammen ergibt am Ende Pigna.\" Nach neun Vinyl-Veröffentlichungen zelebrieren Passarani, de Bellis und Pierro nun gemeinsam als Pigna People die segensreichen Aspekte ihres Eigenbrötlertums. Der ursprünglich geplante Titel des Albums, \"You Talk, We Do\", wurde letztlich doch etwas entschärft. \"Let 'em Talk\" passt ja auch besser zum nonchalanten Selbstbewusstsein des Trios. Lasst die anderen ruhig reden, die Römer wissen schon, was sie tun.



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aus Intro #133 (November 2005)
 
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