
Richard Hell
A Walk On The Wild Side
23.10.2005, 12:46, Text:
Thomas Venker,
Thomas Venker
Text: Thomas Venker / Fotos: Anna Rose
Manchen Geschichten muss man lange hinterherrennen. Der Wunsch, Richard Hell zu treffen, beispielsweise brachte jahrelanges Wegstecken von Absagen mit sich und bedurfte letztlich des Releases seiner Lebenswerk-CD \"Spurts - The Richard Hell Story\". Dafür nahm er sich dann aber auch ganze zwei Tage Zeit, um mit Intro die wichtigsten Orte der frühen New Yorker Tage abzuklappern. Der Tage des Coming-outs der
Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten New-York-Besuch. Es war 1989. Dank der extrem unnötigen 21&older-Regelung verpasste ich so manche Show, nahm aber dank des gefälschten Schülerausweises, der dann doch gut genug für den einen oder anderen Bouncer war, noch mehr an Input mit, als ihn ein deutsches Jugendhaus damals in einem Jahr geben konnte - und ich war wohlgemerkt nur eine Woche in Manhattan unterwegs. Danach wollte ich nur eins: wiederkommen. Mit verantwortlich für diesen Drang war neben der hohen Showdichte das faszinierend-dunkle Moment von New York, das Gefühl, dass nicht nur in jedem Haus ein Künstler residiert, sondern dass die Stadt lebt, bis tief in die Wände ihrer Häuser hinein. Die Stadt war damals noch nicht bereinigt, noch nicht zur High-Glosse-Pose ihrer selbst geworden. Kernsanierung war genauso ein Fremdwort wie Gentrification.
Vor allem jene Gegend, in die uns die Hell-Story führt, war damals eine ganz andere. Dreckig. Mit finsteren Typen an jeder Ecke. Angst einflößend (und dennoch oder gerade deswegen anziehend) für den unerfahrenen Whitey-Boy, der ich damals war - Hardcore und Punkrock hin, Avantgarde-Noise-Jazz her. Heute trinken die Leute in dieser ehemaligen gangster hood Frappucini, während sie der Musik aus den weißen Kopfhörerkabeln lauschen. Coltrane-Lookalikes sieht man trotzdem noch. Aber sie wirken wie verblassende Graffiti in der ausgehenden Luft einer vergangenen Epoche.
Richard Hell empfängt uns in seinem Apartment im East Village. Hier wohnt er seit 30 Jahren. Die Wohnung ist klein, in keinem besonders hochwertigen Zustand, dafür aber bis zur Decke gefüllt mit spannenden Büchern.
Es muss ein komisches Gefühl sein, eine wie Geschichtsunterricht anmutende CD zu kompilieren. Als ihr damals mit all den Bands aufgenommen habt, dachtet ihr doch sicher nicht, so eine Langzeitwirkung zu haben?
Ich war schon immer sehr ambitioniert, wollte Spuren hinterlassen. Das war einer der Hauptgründe, warum ich damals vom Gedichteschreiben zur Musik gewechselt bin. Ich kann nicht sagen, dass ich das Schreiben für die Musik aufgegeben habe, da ich ja damals noch in meinen Teenagerjahren war, aber ich wollte zu diesem Zeitpunkt auf jeden Fall meine Gedanken an ein größeres Publikum bringen, als es mit Gedichten möglich gewesen wäre.
Über die Distanz der 30 Jahre, die seitdem vergangen sind, ist es trotzdem ein bemerkenswertes und überraschendes Fazit. Es gab Perioden, wo es so aussah, als sei alles gescheitert. In den frühen 80ern hatten es nicht wirklich viele der Bands geschafft, manche von uns starben, andere wurden vergessen. Insofern ist es doch überraschend, jetzt zu sehen, was für einen Einfluss wir auf die Kultur hatten - einen so großen wie kaum eine andere Epoche in der Geschichte, mal abgesehen von Flower Power, Beat oder den Surrealisten. Die Leute haben das von uns belegte Wort Punk aufgegriffen und benutzt, um interessant zu sein, Aufmerksamkeit zu generieren. Ob Modedesigner, Filmemacher oder Künstler, sie alle wollten so ihr Image transportieren.
Ich seh es so: Wenn man sich in den Massenmedien bewegt - auch wenn wir in diesen recht weit unten sind -, sollte man sich bemühen, immer einen Kopf über den anderen zu sein. Das gehört zum Spiel. Für mich ist die alte Zeit in der Tat ein Museum. Es bedeutet mir nicht mehr als das, was jemand in ein Buch geschrieben hat. Ich lebe noch und halte mich interessiert und für interessant. In dem Moment, wo man anfängt, eine Zeit zu analysieren, ist sie schon ein toter Korpus. Aber das bin ich nicht.
Du hast mir die Adresse der Witwe des Max-Kansas-City-Betreibers gemailt, die sich heute u. a. mit einer Website um das Andenken dieses neben dem CBGB zweiten wichtigen Clubs eurer damaligen Szene kümmert. Was bedeutet dir dieser Prozess des Erinnerns?
Es war nie meine Sache, etwas am Leben zu erhalten, was nicht mehr ist - zumal es sehr viel Energie bedarf. Ich war aber auch noch nie ein Fantyp. Ich geh nicht mal in Clubs, um Bands zu sehen. Das Erinnern hat etwas Fanhaftes - und es gibt viele Leute, die das gerne machen. Und warum nicht, wer wäre ich, sie dafür zu verurteilen.
Es wirkt, als ob diese Leute versuchten, die beste Zeit ihres Lebens zu konservieren. Das hat natürlich etwas Trauriges. Als wir allerdings gestern zwischen der 17th und 18th Street herumliefen und das Gebäude suchten, wo das Max mal drin war, da hätten wir uns ein kleines Erinnerungsschild gewünscht. Wir mussten erst einen 90-Jährigen ansprechen, der uns tatsächlich den Supermarkt zeigen konnte, in dem es früher drin war, und jede Menge toller alter Geschichten erzählte.
Ich habe keine Beziehung zum Erinnern. Das hat für mich was von Civil-War-Enthusiasmus. Auf der anderen Seite fühlt man so natürlich etwas Dankbarkeit. In Amerika ist nichts interessant, wenn es nicht neu ist. Und man muss unglücklicherweise sterben, bevor man wieder das Objekt des Interesses wird. Die Ramones haben in den letzten Jahren hauptsächlich so viel Beachtung bekommen, da Joey gestorben ist - davor waren sie so was wie ein sleazy Witz. Jetzt stehen sie symbolisch für die Bedeutung von Rock'n'Roll. Auf der anderen Seite ist es ja wie bei Büchern: Die Leute wollen wissen, wie es endet, da sie vorher nicht sagen können, ob sie es mögen. Genauso läuft es mit Künstlerkarrieren. Es ist natürlich keine gute Position für den Künstler, zu wissen, dass er erst nach dem Tod populärer sein wird. In Amerika wird, und das unterscheidet uns von Europa - und deswegen reise ich gern nach Europa -, Vergangenes nicht auch als etwas Faszinierendes gesehen. In Amerika wird alles beerdigt, wenn es nicht mehr zeitgemäß wirkt. Dann wird etwas Neues gebaut, gekauft ...
Aber das ist doch gerade im subkulturellen Milieu nicht so - und da wird es in der Tat spannend. Da können wir eine signifikant andere Form von Kulturhandling beobachten. Viele der Bands der frühen 80er, beispielsweise eine Band wie The Minutemen, haben damals marginal verkauft, zumindest im Vergleich mit den größeren Gitarrenbands jener Tage - aber während diese nur einen Sommer lang verkauften, laufen die Platten der Minutemen seitdem kontinuierlich und haben sich wahrscheinlich mittlerweile so viel verkauft wie damals einer dieser kurzfristigen Top-10-Acts. Und so ist es doch mit einigen Bands deiner damaligen Szene auch gelaufen. Und wir reden hier nicht nur von Verkäufen, sondern kultureller Langzeitwirkung - diese Musiken bedeuten der youth of today noch immer viel.
Das ist wahr. Die musikalischen Werte, für die wir standen, haben sich als bedeutsam herausgestellt und wirken in der Tat noch heute. Unsere Werte passen geradezu perfekt mit dem heutigen Massenmarkt zusammen. Wenn du eine Band wie die Yeah Yeah Yeas nach nur einem Album auf dem Cover vom Spin-Magazin siehst, dann ist das das Ergebnis von 30 Jahren Musiksozialisation mit anderer Musik wie jener, für die wir in den 70ern standen.
Wobei es nicht darum gehen darf, die alten Bands zu glorifizieren und das aktuelle Geschehen so abzuwerten. Man muss den Kids auch immer ihre Musik zur Zeit zugestehen - und eben nicht nur aus Toleranz, sondern da man die Dringlichkeit des Moments einfach nicht hoch genug bewerten kann. Außerdem: Wer will schon nur erzogen werden - es geht darum, das Alte zu erkennen, aber das Gefühl zu haben, selbst Teil der Geschichte zu werden durch das Aktuelle. Auch als Magazinmacher weiß man um diesen Spagat: Man hypt manchmal eine Band, von der man weiß, dass sie schon im selben Moment verblasst, und dennoch ist es wichtig und richtig.
Oh ja. Natürlich. Aber ich würde gerne noch mal auf den Grund der Langlebigkeit zurückkommen: Was wir damals gemacht haben, war, uns auf die wichtigen Momente in den Songs zu konzentrieren und nicht auf die superstylishen. Bei Bands, die auf den Effekt setzen, weiß man, dass sich in zwei Jahren niemand mehr an sie erinnert. Uns ging es aber darum, die Basis der Musik anzugehen, interessante Themen zu behandeln, Energie zu versprühen. Die meisten Leute wollten damals schöne Harmonien und Violinen hören und Themen wie Liebe und zerbrochene Liebe - wir hingegen bemühten uns, mehr substanzielle Themen anzugehen. Wir hatten keine Smoothness, keine Schönheit, kurzum nicht das, was in der Breite populär ist. Am beliebtesten ist immer das, was am meisten Leute teilen.
Ich habe folgendes schönes Quote von dir bei der Vorbereitung gefunden: \"I wanted to make Noise, but nobody reads.\" Auf den zweiten Aspekt möchte ich etwas später eingehen. Aber erst mal zum Noise nachgehakt: Du wolltest so viel Leute wie möglich erreichen, aber nicht um den Preis der Anpassung. Würdest du es so unterschreiben?
Ja! Es musste zu unseren Bedingungen geschehen.
Wie wichtig war eigentlich dein Alter für all das? Könntest du dir vorstellen, erst zehn Jahre später, also mit Ende 20, vom Land in die Stadt gezogen zu sein und das Gleiche gemacht zu haben?
Rock'n'Roll ist hauptsächlich ein Jugendphänomen. Es gibt wenige stilvolle alte Bands. Das sind dann hauptsächlich Folkmusiker, die das noch bringen können. Rock'n'Roll steht nun mal für das Herauslassen von Energie, Lust, den Willen und den selbst geschaffenen Raum, Frust auszudrücken. Es ist eine sehr physische Angelegenheit - das sind allesamt Zuschreibungen, die an die Jugendlichkeit der Protagonisten gekoppelt sind.
Hast du dich damals, und damit komme ich zum zweiten Teil des Quotes, von der Literatur zur Musik gewandt, da dein Zielpublikum eben nicht lesen wollte, sondern sich austoben?
Nein. Ich denke nicht, dass die Leute wegen des jungen Alters so wenig lesen. Lesen ist generell heute nur noch etwas Spezielles, das immer weniger Leute machen. Der Wechsel zurück hatte dann allerdings damit zu tun, dass das Musikmachen weitaus mehr ist als die Musik selbst: das Touren, die endlosen Busfahrten dabei, das Rumgestresse mit den Clubbetreibern - das ist nicht nur langweilig, das macht auch dumm. Mir erschien es deswegen sinnvoller, mich dem Lesen und Schreiben zuzuwenden.
Kommen wir wieder zum Best-of-Album. Ich mag ja den Sticker auf dem Album, auf dem \"by far my best album\" steht. Das ist natürlich humorvoll gemeint, und dennoch anknüpfend die Frage: Warst du unzufrieden mit den Alben, die du veröffentlicht hast?
Yeah. Ich habe ja nicht wirklich viele Alben veröffentlicht. Und nur bei einem, \"Blank Generation\", stimmten die Ressourcen: Wir hatten unendlich viel Zeit, die richtige Technik und die richtigen Leute. Fünf Jahre später, bei \"Destiny Street\", war es eine viel zu schnelle Nummer mit einem Produzenten, der nicht der Richtige war - und ich in keiner angemessenen Verfassung. Und das Dim-Stars-Album war auch was Spezielles: Es war ein Konzeptprojekt, bei dem es vor allem um unseren Spaß ging - es wurde sehr schnell, in nur zwei Wochen, geschrieben und aufgenommen. Eigentlich ging es dabei darum, zu schauen, was unter einer so strengen Limitation möglich ist. \"Blank Generation\" hat leider auch einige Stellen, die nicht so sind, wie ich sie gerne hätte. In den späten 90ern gab es ja eine Compilation mit Demoversionen und Outtakes, aber eben nicht das, was ich jetzt gemacht habe.
Ich hatte also an jeder Platte was auszusetzen, es gab immer diese Momente, die alles geraubt haben, und deswegen wollte ich schon seit langer Zeit eine Veröffentlichung zusammenstellen, die aus allem Studiomaterial, das ich je aufgenommen habe, die besten Versionen auswählt, sodass man sie von Anfang bis Ende durchhören kann, ohne zu denken, dass das und das stört. Aber es war eine schwierige Sache: \"Destiny Street\" wurde damals illegal weiterlizenziert - ich musste also vor Gericht ziehen, um die Rechte wiederzubekommen. Dann mussten Warner Bros. wegen der Rechte zu \"Blank Generation\" kontaktiert werden - sie waren sich nicht sicher, ob die Leute die Unterschiede zwischen dieser Best-of und dem Demos/Outtakes-Album verstehen würden.
Lange Vorrede: Es fühlt sich an, als ob das meine einzige Platte wäre. Den Spruch \"my only record\" wollte das Label dann aber doch nicht, wegen des Backkatalogs. Für mich ist es meine \"Daydream Nation\" - die einzelnen Platten sind dann so was wie die Record-Collectors-Special-Items. \"Spurts\" ist die Richtige.
Gab es Zeiten, wo du dir dachtest, dass du mehr hättest aufnehmen sollen?
Nein. Damals, also nach \"Blank Generation\", das 1977 erschien, war ich schon das ganze Theater leid. Ich hatte keine Lust mehr. Ich hatte damals nach nur drei Jahren schon vier Bands gehabt. Erst The Neon Boys. Dann hatte ich mit Tom Verlaine Television gegründet, im Anschluss The Heartbreakers mit Johnny Thunders und schließlich meine eigene Band Richard Hell & The Voidoids, wo ich endlich der Leader war. Als dann die Medienexplosion über uns losging, hatte sich alles verwirklicht, was ich wollte. Aber ich wurde ein Junkie und von der ganzen Mediensache immer mehr abgeschreckt. Die Idee, ein immer größeres Publikum darüber aufzuklären, wer wir sind und wie sie sich uns nähern müssen, um die Musik zu verstehen, hat mich abgeschreckt. Ich hatte ja auch schon alles gegeben und erreicht. Ich hatte und habe nicht das Gefühl, dass ich noch mehr hätte aufnehmen sollen. Ich war nach \"Blank Generation\" sehr unsicher, wie es weitergehen soll. Und ich hatte mit meinem restlichen Leben viel zu tun.
Aber ist es beim Schreiben und Bücher-Veröffentlichen wirklich so viel anders? Um davon zu leben, muss man doch auch Lesungen machen. Und Verlage haben doch auch Ansprüche wie Labels an ihre Autoren.
Ich mach von dem Drumherum sehr wenig. Vielleicht zwei Lesungen im Jahr. Wenn ein Buch erscheint, sind es vielleicht so zwölf.
Und so kannst du davon leben?
Wie du sehen kannst, funktioniert es, aber ich lebe nicht im Wohlstand. Ich bekomme ja auch noch Tantiemen von den alten Veröffentlichungen. Natürlich erwarten die Verlage in den letzten zehn Jahren plötzlich auch, dass man als Autor auf Tour geht, da es eben heute ein Publikum dafür gibt, aber ich würde es hassen, das zu tun. Da schreibe ich lieber ab und an journalistische Beiträge, beispielsweise eine regelmäßige Filmkolumne.
Außerdem hält mich auch der Backkatalog am Laufen - jetzt zeitlich und vom Arbeitsaufwand her. Wir haben kürzlich zwar das Dim-Stars-Album auslaufen lassen, und \"Destiny Street\" konnte ich auch endlich vom Markt zwingen, aber ansonsten erscheint andauernd eine upgedatede Version der alten Veröffentlichungen, stehen Compilations oder Samplerbeiträge an. Ich kümmere mich um das Remastering der Stücke, die Koordination. Die Hälfte meines Arbeitslebens geht noch immer für Musik drauf, auch wenn ich nicht mehr selbst Musik mache.
Du schreibst ja seit den frühen 70ern auch Gedichte. Wenn du also gerade die Dim Stars erwähnst, dein Projekt mit Thurston Moore von Sonic Youth, dann liegt die Frage nahe, ob du dich mit Moore, der ja einer der größten Sammler der amerikanischen Gedichtszene ist, darüber austauschst?
Er ist absolut verrückt nach Gedichten. Er bringt ja auch ein Magazin heraus, in dem ich schon einige Beiträge veröffentlicht habe. Ohne hier unbescheiden klingen zu wollen, aber ein großer Impuls für sein Interesse an Gedichten waren Patti Smiths, Tom Verlaines und meine Gedichte in den 70ern. In seinen Veröffentlichungen finden sich viele Verweise auf den Verlag, den ich in den 70ern betrieb, bevor die Musiksache losging.
Er ist ein besessener Sammler. Thurston sammelt ja auch Garage- und Noisemusik von irgendwelchen unbekannten Bands, die nur eine Veröffentlichung hatten. Er interessiert sich für das, was unter dem populären Radar stattfindet - und hat sich da ein unendliches Wissen angeeignet. Im Gegensatz zu anderen kennt er die Sachen wirklich sehr gut, die er sammelt. Aber wir reden da nicht so viel drüber, wie man denken könnte.
Lass uns noch mal kurz auf den Moment der Nachdenklichkeit beim Blick zurück kommen. Den Aspekt \"ich hätte gerne mehr Platten gemacht\" hatten wir ja schon, aber wie sieht es mit dem doch recht schnellen Stakkato der Bandwechsel aus? Denkst du manchmal darüber nach, was passiert wäre, wenn du beispielsweise nicht so schnell bei Television ausgestiegen wärst? Denkst du überhaupt über die Crossings im Leben nach, die wir ja täglich passieren?
Nein. Ich gebe immer mein Bestes im Moment selbst. Ich weiß, dass mir viele widersprechen werden oder es zumindest hart zu akzeptieren finden, aber ich glaube wirklich, dass wir alle keine Möglichkeit haben, die Dinge zu steuern. Es ist alles vorbestimmt.
Das ist ja die Antithese zur \"Blank Generation\".
[lacht] Es ist eine Matrix der Forderungen, die dich im Leben zu Entscheidungen zwingt.
Bist du denn eigentlich rückblickend zufrieden mit dem, was die Blank Generation in sich hineingeschrieben hat?
Es ist ja nicht so, dass ich je erwartet hätte, dass sich ein ganzes Stadion mit meinen Leuten füllt. Jeder soll tun, was er will - das ist das Konzept der Blank Generation. Wenn die Leute lieber Baseballkarten sammeln, als sich ernsthaften Gedanken oder Büchern zu widmen - wer bin ich, ihnen anderes vorzuschreiben?
Verstanden. Themenwechsel. Wenn man sich die Television-Geschichte anschaut und dabei vor allem Tom Verlaine und dich im Blick hat, also den Gegensatz zwischen dem nur am Musikalischen interessierten Verlaine und dem Showmann Hell, so könnte man verwegen sagen, dass die von dir eingebrachten Styling-Aspekte die Inszenierung vorweggenommen haben, wie sie vor allem mit den Boy- und TV-Bands in den 90ern so richtig populär wurde, aber bereits damals auch von Malcolm McLaren geplündert worden ist.
Richtig. Was mich immer angetrieben hat, war das Anliegen, alle Möglichkeiten zu nutzen, die sich einer Band bieten, um ihre Message zu transportieren: die Kleidung, die Bühnenshow, die Songtitel, die Poster ... Die heutigen Bands in diesen Bereichen wollen nur entertainen wie im Zirkus, es gibt keine Inhalte. Sie wollen mit einstudierten Tanzschritten und Kostümen wie in Las Vegas beeindrucken, aber es wird nichts kommuniziert.
Aber was passte Verlaine nicht daran? Hat er es missverstanden und nicht gesehen, dass du über diesen Weg Inhalte kommunizieren wolltest?
Er war einfach gar nicht daran interessiert. Er fühlte sich nur als Musiker wohl - das Drumherum war ihm suspekt.
Wie wichtig war denn die Freundschaft zu Tom Verlaine, dass du zum Musiker wurdest? In gewisser Weise hat er dich ja vom Schreiben zum Musikmachen gepusht.
Er hat nicht mich gepusht, sondern in gewisser Weise ich ihn. Er brauchte mich dafür, die Sache endlich ernsthafter anzugehen. Als er nach New York zog, ergriff er nie die Initiative. Er spielte akustische Gitarre und träumte von einer Karriere. Er hatte nicht einmal eine elektrische Gitarre. Alle paar Monate ging er zu einer Open Night im Folkclub und machte eine Singer/Songwriter-Performance.
Du hast ihm also in den Arsch getreten, und er hat dich dazu angetrieben, damit weiterzumachen.
Ja. Ich bezweifle, dass ich zum Musiker geworden wäre, wenn er damals nicht mein bester Freund gewesen wäre. Aber ohne mein Drängen, dass er eine richtige Band formen und sich der elektrischen Gitarre zuwenden soll, wäre das auch nicht passiert.
Wie ist deine Beziehung zu Tom denn heute?
Wir haben nicht so viel Kontakt. Alle ein oder zwei Jahre. Wir tauschen uns nur über das absolut Notwendige aus. Es ist aber immer interessant, wenn wir sprechen. Und wir behandeln uns mit Respekt. Ich habe allerdings mit fast niemand von damals Kontakt. Ich schreibe eigentlich nur noch und habe kein Sozialleben mehr.
Du hattest damals ja auch ein sehr intensives. Das reichte wohl für immer. Aber noch mal kurz zum Gesichtspunkt des gegenseitig Anstupsens: So funktionieren ja die ganzen Legenden von Freunden, die es Seite an Seite schaffen. Ich denke da beispielsweise an die Detroit 3, Kevin Saunderson, Juan Atkins und Derrick May, die zusammen zur Schule gingen und dann mal eben Techno formten.
Das betont aber auch, wie viel Glück dazu gehört, Karriere zu machen. Es könnte auch jeder Beliebige aus dem Publikum sein, der auf der Bühne steht. Es ist komplettes Glück, dass die Leute einer Band zufällig zur gleichen Zeit am gleichen Ort sind.
Nun ja, ein bisschen Charisma und Talent braucht man schon. Natürlich muss dich der Lichtkegel erst mal erfassen, aber du musst ihn auch zu füllen wissen.
Nimm mal zum Beispiel Charly Watt, den Stones-Drummer. Er ist ein Genie, aber er hat null Charisma und er ist in der größten Rock'n'Roll-Band der Welt.
Und viele wissen nicht mal, dass er in der Band ist.
Es gibt so viele Komponenten, die über den Erfolg oder Misserfolg einer Band entscheiden. Das macht es so spannend - und das gibt den Leuten auch das Gefühl, dass es auch sie sein könnten, die es schaffen.
Das war ja auch die Leistung von Punk. Die DIY-Mentalität als Gegenentwurf zum Stadionrock der 70er gab den Leuten plötzlich eine ebenbürtige (Fan-) Existenz und nicht jene erniedrigende im Graben vor den Superstars.
Die interessantesten Bands sind deshalb jene, nach deren Konzertbesuch andere ihre Bands gründeten. Velvet Underground beispielsweise, oder die Sex Pistols - die beiden wichtigsten Bands der letzten 40 Jahre. Und warum? Weil die Leute sagen konnten: \"Das kann ich auch machen.\" Obwohl sie dem Publikum dieses Gefühl gaben, dieses durchaus realistische Gefühl, waren sie extrem gut. Was ich sagen will: Es ist keine Frage der Fähigkeiten, es ist eine Frage des Spirits.
Womit wir beim höchstmöglichen Maß an politischer und sozialer Bedeutung wären, die Musik haben kann. Diese Bands zeugen vom demokratischen Moment des Machbaren. Bevor ich mehr über Politik reden will, aber noch eine kurze Stones-Frage: Kannst du ihrer heutigen Existenz denn noch was abgewinnen? Die Alben kauft ja interessanterweise niemand mehr, die Stadien aber ausverkaufen sie aus dem Nichts heraus.
Frag mich nicht immer, wie ich das und das finde. Ich wettere ungern über andere. Nur so viel: Jene, die so lange weitermachen können, ohne wie Clowns zu wirken, sind Folkmusiker. Dylan kann immer weitermachen. Und Countrysänger können es machen. Denn sie schaffen es, in Würde zu altern. Die Stones sind Bluesrocker. Ich weiß nicht, wie sie heute auf der Bühne sind. Was ich aber weiß: Richard ist ein großartiger Gitarrist. Was er macht, ist soulful. Er widmet sich seinem Spiel mit allem, was er hat. Ich empfinde ihn nicht als würdelos alternd.
Das Thema Politik wurde nicht zuletzt durch die Wahl letztes Jahr in den USA wieder sehr präsent im kulturellen Alltag. Wie stehst du denn zu sich explizit politisch verstehender Musik, aber auch dazu, wenn sich Künstler via Initiativen wie \"Rock For Vote\" politisch artikulieren?
Ich persönlich empfinde es als unnatürlich und falsch, Musik und Politik zu vermischen. Meine politischen Ansichten und meine Ziele als Musiker sind zwei getrennte Bereiche. Wobei ich meine politischen Ansichten nicht verheimliche: Ich bin gegen den Krieg auf die Straße gegangen, habe gegen die Irak-Invasion gekämpft. Der neueste Song auf meinem aktuellen Album thematisiert Terrorismus. Es ist eine dünne, äußerst sensible Linie, die man nur in ganz extremen Situationen übertreten sollte - es gab eine Zeit in Amerika, unmittelbar nach der Wahl, in der es viele für unmoralisch hielten, im Land zu bleiben, aber das ist letztlich eine instinktive Reaktion gewesen, nichts, was ich für sinnvoll erachte. Ich bin nicht Schwester Theresa, jeder muss das für sich entscheiden.
Bislang hast du in diesem Interview geschickt einen Bogen darum gemacht, dich zu anderen Künstlern wirklich zu positionieren. Ich weiß, dass du in den 70ern einmal eine Woche mit The Clash getourt bist. Eine Band, die ich sehr mag, deren politischem Anstrich ich aber immer etwas skeptisch gegenüberstand. Welchen Eindruck hattest du damals? Waren sie wirklich so politisch?
Ich glaube, dass die Leute die gefährlichsten sind, die anscheinend wissen, wie sich die anderen verhalten sollen.
Eine diplomatische Antwort. Aber verstanden. Wenn wir schon über legendäre Typen reden. Im Booklet findet sich ja eine Kritik von \"Blank Generation\", die Lester Bangs damals für die Village Voice geschrieben hat. Wie nah standet ihr euch?
Das waren damals ja sehr chaotische Zeiten. Ich habe eigentlich erst nach seinem Tod festgestellt, was für ein einzigartiger und sympathischer Kerl er war und was für ein großartiger Schreiber. Damals war er einfach nur ein Teil dessen, was abging. Er bedeutete damals nichts Besonderes für mich, ich respektierte seine Ernsthaftigkeit, mit der er trotz allem anderen seinen Storys nachging. Erst nach seinem Tod ist mir aufgefallen, was für ein außergewöhnlicher Schreiber er war.
Damit schließt sich der Kreis: Die gleiche Zuschreibung haben wir vorhin ja für Musiker vorgenommen.
[lacht]
Ich habe beim Vorbereiten auch ein Quote von dir gefunden, in der du dir über den frühen Tod eines Künstlers Gedanken machst, dass dieser es leichter macht, einen markanten Eindruck zu hinterlassen bei den Leuten.
Die Leute nehmen dich leider erst ernster, wenn du tot bist. Natürlich musst du vorher etwas in der Substanz Wichtiges veröffentlicht haben. Wenn Vladimir Nabokov gestorben wäre, bevor er \"Lolita\" geschrieben hat, dann hätte er nie seine heutige Bedeutung erlangt. Im Rock'n'Roll geht es aber natürlich um Arroganz und dummes Verhalten. Die Leute, die sich für Johnny Thunders und Sid Vicious begeistern, die beide ja sehr jung starben, lehnen all jene ab, die nicht dumm und selbstzerstörerisch sind. In dieser Hinsicht stimmt es natürlich, dass man jung sterben muss. Deswegen sind auch Drogen von so einer großen Bedeutung. Sie verstärken all das. Versteh mich nicht falsch, ich bin ein großer Fan von der Johnny- und Sid-Seite, aber wo hat es sie hingebracht? Sie sind tot. Wenn das ihre Sehnsucht war, dann sollte es so sein. Ich respektiere das. Das war immer ein Großteil dessen, was Rock'n'Roll ausmacht, aber ich bin froh, dass ich nicht an ihrer Seite bin. [lacht]
Würdest du alle Drogenerfahrungen aus deinem Leben eliminieren, wenn das ginge?
Das kann man nicht. Ich bin, was ich bin. Ich hab getan, was ich getan habe. Und ich wäre es nicht, wenn ich nicht all diese Erfahrungen gemacht hätte.
Aber nehmen wir mal an, du müsstest anderen Leuten einen Ratschlag fürs Leben geben - ich weiß, das ist nicht dein Ding, aber mal angenommen.
Die Leute machen, was sie machen müssen. Ich folge dir nicht und gebe hier Ratschläge.
Was denkst du eigentlich, woran es liegt, dass die Leute entweder aufhören oder sterben, aber sehr Wenige wie beispielsweise Burroughs bis ins hohe Alter Drogen nehmen, also irgendwann lernen, damit umzugehen?
Das ist in der Tat eher sehr rar, dass das gelingt. Die Regel lautet: Du wirst scheitern. Drogennehmen ist nun mal gefährlich.
Als ich das Buch \"From The Velvets To The Voidoids\" las, bekam ich den Eindruck, jetzt nicht speziell von dir, sondern der Scene an sich, dass sie bei allem Hedonismus und punkrockigen Abgehen doch auch sehr stark wirtschaftlich orientiert war, die Leute immer den besseren Vertrag im Blick hatten oder sich die Songs gegenseitig strittig machten, da sie eben schon damals um die Bedeutung der Verlagrechte wussten - was ich jetzt schon verwunderlich finde, wenn man sich vergegenwärtigt, dass das noch heute viele Bands nicht verstehen.
Ja, manche Leute waren geradezu besessen davon, hatten einen Kontrollwahn, was das Geschäftliche angeht. Das ging in der Tat so weit, dass es Leute, die von außen an uns herantraten, teilweise verjagt hat, da es ihnen zu paranoid war. Ich selbst war anders: Ich habe das ziemlich ignoriert und mich viel zu wenig drum gekümmert. Als ich in den 80ern etwas körperlich erholt war und die Dinge für mich ordnete und verstand, musste ich erst mal alle verklagen, die damals Verträge mit mir gemacht hatten. Ich bin ganz schön abgerippt worden in jenen Tagen.
Lass uns noch kurz über die Veränderungen von New York im Allgemeinen, aber speziell deiner Ecke der Stadt reden. Da hat sich ja seit 1975, dem Jahr, in dem du in das Apartment gezogen bist - nach New York bist du ja bereits Ende der 60er gekommen, wenn ich es richtig weiß -, so einiges getan.
Die Nachbarschaft ist kein bisschen mehr wie damals. In den 70ern und frühen 80ern war das hier das Ghetto. Die Leute hatten richtig Angst, wenn sie hierher kommen mussten. Es war eine sehr arme und gewalttätige Gegend. Heute leben dort Collegekids, sind da schicke Boutiquen und Restaurants.
Das heißt, du kannst dir die Miete nur noch leisten, da du schon so lange hier wohnst.
Ja. Der Vermieter erhöht sie zwar ständig, aber es gibt eben Auflagen, wie viel er es pro Jahr erhöhen darf. Die hohen Mieten hier haben in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass die Künstler aus New York verjagt werden.
Und zu uns nach Berlin strömen, da es die einzige Weltstadt ist, in der man sich noch einen Bohemian-Lifestyle leisten kann.
Stimmt das? [Hell bekommt eine Übersicht über den Mietspiegel] Wow. Hoffentlich ändert sich das dann nicht auch wie hier. Den Politikern fehlt es an Sensibilität für das Thema.
Es fehlt ihnen generell am Blick für dieses Milieu. Es ist leider so, dass sie mit zunehmendem politischen Aufstieg den Kontakt zur Basis und deren Themen verlieren. Das fällt einem selbst bei aus dem alternativen Milieu stammenden Leuten auf.
Es gibt da diese Geschichte vom ersten George Bush. Er hat während seines zweiten Wahlkampfs einen Medientag gemacht, bei dem er auch mit Fotografen und Journalisten in einen Supermarkt ging. Als die Kassiererin dann die Waren über den Barcodeleser zog, war er ganz irritiert und fragte sie, was sie da mache. Er hatte ganz offensichtlich noch nie selbst eingekauft, kannte den Barcode nicht - so weit weg war er vom Leben der normalen Leute.
An der Gegend rund um deine Wohnung, zu der ja auch der Tompkins Square gehört, zeigt sich sehr deutlich eine Stadtpolitik der Säuberung und Aufwertung. Eine Politik, die in letzter Konsequenz nicht für jene Leute gemacht ist, die ursprünglich im Viertel lebten. Siehst du trotzdem positive Aspekte?
Der Park hat sich auch sehr verändert mit den Jahren. Eigentlich alles hier, außer dem CBGB, das ist noch exakt wie damals. Der Park ist heute in einem viel besseren, gepflegteren Zustand - da kann man nicht wirklich was dagegen sagen. Aber: Mein Leben hat sich mit den Jahren ja auch verändert. Ich habe heute kein Leben mehr außerhalb meines Apartments. [lacht laut] Meine Frau kann die Gegend nicht mehr ertragen. Wenn wir mal ausgehen, dann erst, wenn es dunkel ist. Und trotzdem sind die Straßen voll von Studenten und Touristen, die sich von obskuren Typen reinlocken lassen in die Restaurants. Es ist eine sehr kommerzielle Nachbarschaft geworden. Man hat nicht mehr das Gefühl, dass es um die Leute geht, die hier leben, sondern nur um das Verkaufen auf dem niedrigstmöglichen Level. Wir versuchen so gut, wie es geht, nicht hier herumzulaufen.
Hast du jemals daran gedacht, die Stadt zu verlassen?
Oh, wir würden das liebend gerne machen, hätten sehr gern ein Haus auf dem Land. Das steht ganz oben auf unserer Prioritätenliste. Wir haben beispielsweise den gesamten Juli in einem Haus im Wald verbracht, das wir gemietet haben. Aber man muss viel investieren, um ganz aufs Land ziehen zu können. Außerdem ist meine Frau Lehrerin, da ist es nicht so leicht, wegzuziehen. [die Fotografin läutet an der Tür] Okay, you run out of time.
Ich bedanke mich für deine Geduld und Ausdauer.
Wichtige Platten der frühen Tage
Patti Smith \"Horses\" (1975)
Ramones \"Ramones\" (1975)
Blondie \"Blondie\" (1976)
Suicide \"Suicide\" (1977)
Television \"Marquee Moon\" (1977)
Richard Hell & The Voidoids \"Blank Generation\" (1977)
Talking Heads \"More Songs About Building And Food\" (1978)
Richard Hell Headquarter - East 12th Street, nahe Avenue A
Hier lebt Richard Hell seit 1975. Damals war es laut Hell eine Gegend, in die sich die Wenigsten vorgewagt haben, selbst harte Jungs nicht: \"Die Avenue A hat sich keiner zu übertreten getraut, aus Angst, ermordet und abgestochen zu werden. Das war verdammt wild dahinter - ich musste zum Drogenkaufen dahin.\"
Max Kansas City - Park Avenue, zwischen 17th und 18th Street
Das Max wurde gegen Ende der 70er geschlossen. Heute ist ein Supermarkt in den Räumlichkeiten - nebenan steht das W-Hotel. \"Das Max war unsere zweite Ausgehmöglichkeit. Es haben so ziemlich die gleichen Bands in beiden Läden gespielt. Die Atmosphäre war aber ganz anders: Das Max war nicht unser persönliches Clubhaus, in dem wir die Welt kreierten, da es vorher bereits schon existierte. Wir fühlten uns dort als Gäste, während wir im CBGB Houselords waren. Trotzdem: Es war der erste Laden, in dem ich einen Deckel hatte. Und ich war so dumm und habe ihn doch tatsächlich in der letzen Nacht bezahlt. Er war auf ca. 500 Dollar angewachsen - und ich war damals wirklich überrascht, dass ich ihn zahlen konnte ...\"
Gem's Spa - Ecke St. Mark's Place und Second Avenue
In Köln würden wir Büdchen dazu sagen. Einer dieser klassischen Soda/tobacco/magazine/candy-Shops, wie man sie in New York überall findet. Gem's ist an dieser Ecke, seit Hell in den späten 60ern nach New York gezogen ist.
Tompkins Square Park - zwischen Avenue A und B sowie 7th und 10th Street
Das Zentrum des East Village. Heute um einiges sauberer und sicherer als in den 70ern. Was freilich nicht heißen soll, dass man hier nicht immer noch gut Drogen einkaufen kann.
St. Mark's Church - Avenue A, Ecke 11th Street
Das Epizentrum der New Yorker poet scene in den 70er-Jahren. Nicht nur Hell, sondern auch Patti Smith hat hier oft Lesungen gehalten.
Electric Lady Studios - 8th Street, nahe 6th Avenue
Im von Jimi Hendrix gegründeten Studiokomplex haben Richard Hell & The Voidoids die erste Version von \"Blank Generation\" aufgenommen - Hell ist sich ziemlich sicher, dass es im Studio C war. Da ihr Label damals allerdings den Vertrieb wechselte, nahmen sie in einem weiteren Studio Alternativversionen auf, die es teilweise auf das Album schafften, in letzter Konsequenz aber ziemlich gleich klangen: \"Man kann den Unterschied kaum heraushören. Es ist die gleiche Band, sodass selbst die Solos gleich klingen. Rückblickend denke ich, dass wir die richtigen Entscheidungen getroffen haben bei der Auswahl.\" Hell dachte, es sei seinem großen Verhandlungsgeschick zuzurechnen, dass er eine zweite Session vom Label bezahlt bekam. Was er nicht wusste: Es ging alles vom Band-Account ab. Patti Smith nahm in den Electric Lady Studios \"Horses\" auf. www.electricladystudios.com/index.html
Second Avenue Deli - 10th Street, Ecke Second Avenue
\"Hier saß ich mit Tom Verlaine 1972, als uns der Name Voidoid einfiel.\"
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