Louis XIV

Nichts als Sex im Kopf

19.10.2005, 10:04, Text: Dirk Neuhaus, Dirk Neuhaus

Foto: Ela Mergels

Dass ein Haufen rechtskonservativer Redneck-Christen einmal einer Band Starthilfe geben würde, die den schmierigen Riff-Rock von AC/DC mit dem geilen Glamour von T.Rex und dem frühen Bowie verschmilzt, ist mittlerweile zu Brian Karscigs Lieblingsanekdote geworden. Der 27-jährige Gitarrist von Louis XIV., mit Eyeliner, Seidenkrawatte und Pilzkopf das perfekte Abziehbild des sexuell ambivalenten britischen Lads, muss immer noch grinsen, wenn er sich an die unverhoffte Unterstützung aus dem tiefen \"Bible Belt\" - \"George Bush Country\", wie er es nennt - erinnert. Irgendwo in Alabama hatten ein paar \"uptight Republicans\" ein Auftrittsverbot für die königlichen Glam-Rocker aus San Diego erwirkt.

Begründung: Die Band verbreite sexistische und frauenfeindliche Texte. \"Es war die beste PR, die wir uns als junge Band wünschen konnten.\"

Warum sich die Südstaaten-Spießer nun ausgerechnet an der schwiemeligen Soft-Porno-Lyrik von Louis XIV. störten, aber wenige Wochen später 50 Cent auftreten ließen, bleibt Brian ein Rätsel: \"Wir haben mit 'The Best Little Secrets Are Kept' ein Album in Anbetung der Frau geschaffen\", erregt sich der schöne Dandy. \"Wir gebrauchen keine Kraftausdrücke und geben Frauen keine herabwürdigenden Namen wie irgendwelche Rapper.\" Ob Frauen allerdings Lust haben, sich ihrer Hautfarbe entsprechend in \"Chocolate Girls\", \"Vanilla Girls\", \"Carrot Juice Girls\" und so weiter aufteilen zu lassen, bleibt mal dahingestellt; seine Freundin, sagt Brian, fände solche Liebkosungen jedenfalls sexy. Angesichts dieser Fixierung auf das Thema Sex drängt sich ein Verdacht auf, den auch Brian nicht entkräften kann: \"Ich weiß auch nicht, warum uns das Thema so fasziniert. Wahrscheinlich fühlen wir uns sexuell unterversorgt. Vielleicht haben wir aber auch einfach viel zu viel Sex.\"

Konsequenterweise begann die Geschichte der hormongesteuerten Glamster in der Stadt der Liebe und des ewigen Frühlings: Paris. \"Im April 2003 besuchte ich einen Freund aus San Diego, der seit Jahren in Paris lebt\", erzählt Brian. \"Mit dabei war unser späterer Sänger Jason, mit dem ich damals in einer Band namens Convoy spielte. Im Wohnzimmer von unserem Freund stand ein Acht-Spur-Gerät herum, und irgendwann kam uns die Idee, ein paar Songs aufzunehmen. Wir hatten ein Konzept im Kopf - die Geschichte eines Jungen, der glaubt, er sei der Sonnenkönig Louis XIV. -, dachten uns Songtitel aus und schrieben dazu die Songs. Es sollte unser eigenes 'Ziggy Stardust' werden.\" Heraus kam dabei das selbst betitelte Debüt von Louis XIV.

Zurück in den Staaten, suchten sich Brian und Jason den Rest der Band zusammen, legten sich einen Brenner zu und verkauften die selbst gemachten CDs auf Konzerten und über die Band-Homepage. \"Irgendwann bekam Brody Dalle von den Distillers eine Kopie in die Hände und fing an, in Interviews mit dem NME und mit der BBC von uns zu erzählen.\" Fast hat man den Eindruck, als sei Brian der Erfolg damals noch etwas peinlich gewesen. \"Wir hatten die Songs ursprünglich nur für uns selbst aufgenommen. Deshalb dachten wir auch, unsere Texte würde niemand außer uns jemals hören.\" Dann besteht ja noch Hoffnung, dass sich die Texte qualitativ an die Musik anpassen.



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aus Intro #133 (November 2005)
 
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