Mattafix

Styles United

19.10.2005, 09:56, Text: Uwe Buschmann, Uwe Buschmann

Foto: Claudia Rorarius

Was hat der Bhangra im HipHop verloren? Warum darf man Roots Reggae mit Calypso kreuzen, ohne vor die Ethik-Kommission der EU zitiert zu werden? Und was machen Mr Soul und Mrs Jazz eigentlich wirklich, wenn alle Lichter gelöscht sind? Das britische Duo Mattafix gibt mit seinem Album \"Signs Of A Struggle\" zwar keine Antworten auf diese Fragen, aber es zeigt auf, was an unterschiedlichen Style-Phänomenen alles auf eine Platte passt.

So schnell kann das gehen. Vor kurzem träumte man noch in seinem Londoner Hinterzimmer von der großen, weiten Musikwelt, und nur einen Single-Hit später ist man Gast bei der deutschen TV-Ausgabe von \"Top Of The Pops\" und teilt sich den Backstage-Bereich mit den norwegischen Pop-Altvorderen A-ha, der vorletzten britischen Girl-Group Sugababes und dem Märchenprinzen kleiner Pipimädchen aus Deutschland, Daniel Kübelböck.

Aber irgendwie passt das zu Mattafix wie die notorisch wiederkehrende Faust aufs ewig blaue Auge: Da das britische Duo an sich schon ein Sammelbecken unterschiedlicher Einflüsse ist, gehört es auch in der Öffentlichkeit genau dahin, wo die Gegensätze nicht größer sein könnten.

Für Marlon Roudette und seinen Partner Preteesh Hiji scheint das auch tatsächlich kein Problem zu sein: \"Warum sollen die Recht behalten, die immer von der Unvereinbarkeit der Gegensätze predigen? In der Musik wie auch im Leben ist das doch meist eine Frage der Sozialisation. Wir beide haben in unserem Leben immer Soul, Reggae, HipHop, Punk, Jazz und was weiß ich nicht alles parallel gehört. Das hatte dann auch einen maßgeblichen Einfluss auf unsere eigene Musik.\" Natürlich hört man den Einfluss von Preteeshs indischem Elternhaus heraus, und auch, dass Marlon ein begeisterter Steel-Drum-Player ist, wird in einem Song dokumentiert, aber die Basis ihrer Songs ist zumeist die lineare Struktur des HipHop und anderer zeitgenössischer Musikformen. Zwangsläufig muss man dabei an die frühen Massive Attack denken, die ebenfalls ganz spielerisch mit den Elementen HipHop, Soul und Reggae umgingen. Auch wenn Mattafix dabei ein wenig mehr dem Pop-Apeal huldigen als die Bristoler. \"Musiker hören ja nie gerne Vergleiche, aber den mit Massive Attack lassen wir uns gerne gefallen. Wir wollten nie Tracks für die Clubszene machen, auch wenn wir viele ihrer Elemente verwenden. Wir wollten immer richtige Songs schreiben. Zudem uns auch die Inhalte unserer Lyrics extrem wichtig sind. Wie bei dem Stück 'Gangster Blues'. Wenn so ein Titel von 50 Cent kommt, weißt du genau, wovon er handeln wird: Gangsta, Bitches, tolle Autos. Bei uns ist es aber die Geschichte eines guten Freundes, der immer tiefer im Drogensumpf zu versinken drohte.\"

Mattafix scheint tatsächlich für Musik ohne Grenzen zu stehen. Die Welt globalisiert bei ihnen zu einem einzigen gemütlichen Dorf mit buntem Treiben. Eine Multi-Kulti-Haltung, die stets das Gute will, aber auch weiß, dass viel Schlechtes passiert. \"Für die Wirtschaft heißt Globalisierung nur: noch höherer, noch schnellerer Profit auf der Basis von Niedriglöhnen. Für die kulturellen Möglichkeiten scheinen die Mächtigen dieser Welt blind zu sein.\"



Artikel kommentieren
aus Intro #133 (November 2005)
 
  • Mehr Infos

  •  
Alle Artikel von Uwe Buschmann, Uwe Buschmann
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
  • MEIST GEKLICKT

  •  
 
Anzeige
 

INTRO-TV

K.I.Z. schauen fern - Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang

K.I.Z. schauen fern

Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang
... mehr

 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]