
Starsailor
Außerhalb im Kreuzfeuer
18.10.2005, 16:38, Text:
Christian Steinbrink,
Christian Steinbrink
Foto: Frank Schuberth
Selbst eine Band wie Starsailor, die mit ihrem Debütalbum \"Love Is Here\" seinerzeit auf die Titelseiten emporschoss und nur aufgrund dieses Umstandes schon glücklich und dankbar sein müsste, hat auch schwere Zeiten durchzumachen. Denn auch wenn es jetzt gilt, mit \"On The Outside\" ihre dritte Platte vorzustellen, wirken die Erfahrungen, die die Band anlässlich der Veröffentlichung des Vorgängeralbums \"Silence Is Easy\" machen musste, noch nach.
\"Alles rund um die Platte fokussierte sich auf unsere Zusammenarbeit mit Phil Spector. Unsere Musik an sich wurde gar nicht mehr als solche wahrgenommen\", sagt Sänger James Walsh in seinem stets nachdenklichen und stockenden Tonfall.
Dieser Eindruck hat sich auf das neue Album ausgewirkt. Eine Reise der gesamten Band nach Island letztes Jahr gab so viel Inspiration und Rückbesinnung auf die gruppeninternen Ausgangsideen, dass Walsh die Schilderung dieser Erfahrungen schwer fällt und er darauf verweist, selbst doch mal die Insel zu besuchen. Auf \"On The Outside\" hat er sich bemüht, neben den für die Band schon fast klassischen, emotionale Lebensaspekte betonenden Noten auch ernsthafte Themen von gesellschaftspolitischer Bedeutung in seine Texte einfließen zu lassen. So dreht sich der letzte Song der Platte, \"Jeremiah\", um einen gleichnamigen britischen Juden und dessen mysteriösen Tod am Rande einer Nazikundgebung in Deutschland. Und auch in \"Get Out While You Can\" beschäftigt er sich mit problematischen sozialen Entwicklungen, derer er besonders durch seinen Umzug nach Belfast gewahr wurde: \"Belfast ist eine Stadt mit einer ganz besonderen Atmosphäre. Der Bürgerkrieg ist dort an vielen Stellen noch allgegenwärtig und bestimmt einen Teil des Alltags der Leute. Du nimmst die Religionsproblematik viel stärker wahr, als wenn du von ihnen nur durch Medien erfährst.\"
Durch die Summe dieser Entwicklungen klingt \"On The Outside\" deutlich rauer als die Vorgänger, eine sehr bewusste Entscheidung der Band. Auch in der Frage nach einem Produzenten ging man dieses Mal einen nüchternen Weg und verpflichtete mit Rob Schnapf einen Mann, der zwar einige bedeutende Arbeiten für z. B. Beck oder Elliott Smith vorzuweisen hat, im Vergleich zu Spector aber deutlich hemdsärmeliger wirkt. Zudem brachte diese Entscheidung mit sich, dass man in den USA aufnahm, dort viel ungestörter arbeiten und sich zudem von der Musikszene L.A.s beeinflussen lassen konnte. Nur die Studionachbarn, Britney Spears und die Backstreet Boys, konnten der Band offensichtlich wenig Input geben. Gut so?
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