Puppetmastaz

Applaus, Applaus, Applaus

18.10.2005, 16:25, Text: Boris Fust, Boris Fust
[5 Kommentare]

Jetzt heißt es wieder Tri, tra, trullala. Die Puppetmastaz sind zurück. Und das Berliner Kasperle-Kollektiv hat nach “Star Wars”-Yoda nun noch ein neues Mitglied: Gerhard Schröder. Könnte man zumindest meinen angesichts der Parallelitäten der Ereignisse. Denn kurz nachdem Gerhard “Sie können auch Onkel zu mir sagen” Schröder in und um die Elefantenrunde die Puppen hat tanzen lassen, finden sich Mr. Maloke, Wizard und Snuggles in einem der aktuellen Plattenfirma gegenüberliegenden Berliner Café ein, lassen die Arme in die Butter sinken und hauen Punchlines raus wie sonst nur der Kanzler: Niemand außer ihnen sei in der Lage, einen stabilen HipHop-Groove zu errichten! Wie das denn sonst funktionieren solle? Zuvor waren die Prognosen eher schlecht: Die Majorfirma entzog den Puppetmastaz nach “Creature Funk” das Vertrauen.

Das HipHop-Großwild zog sich zumeist in das rettende Gebüsch zurück, doch die einen wälzten sich noch ein wenig. Auf “Creature Shock Radio”, der Weltöffentlichkeit nun durch Patrick Wagners Louisville Records präsentiert, schneiden die Puppetmastaz unerwartet gut ab. Ein bisschen zu “krawallig” vielleicht, jedoch keineswegs “suboptimal”. “Creature Shock Radio”, so schwallen, schwatzen und schwadronieren die drei mit Handpuppen bewehrten Spätfrühstücker auf das Diktiergerät ein, solle nun die Maxime “First we take Berlin, then we take Manhattan” umsetzen. Aus der Politik habe man nicht nur deren Freestyle-Techniken entlehnt, sondern auch die “shock & awe”-Taktik. Im vorliegenden Fall geht die so: “New York City” im laufenden Gespräch auf “suckin’ your titty” reimen, die Tell’sche Apfelschuss-Szene im Rahmen eines brutalen Internet-Real-Mangas nachstellen, Journos Widerworte geben. Dadurch, so die Behauptung der Handpuppen, wolle man die Menschheit in die Lage versetzen, sich mit der eigenen Unvollkommenheit zu arrangieren. Außerdem könne man herzlich dazu einladen, jeden Tag die Meinung zu ändern. So wie Schröder, von dem anzunehmen sei, dass man von dessen musikalischem Schaffen in der nächsten Zeit sicher mehr hören werde. Gewiss, gewiss, ja doch, ja doch. “Creature Shock Radio” fällt zwar nicht weniger albern und dabei nicht weniger kindgerecht, dafür aber weitaus übersichtlicher aus. Die Beats sind holzschnittartig und kommen gänzlich ohne Mummenschanz daher, die Stimmen werden nicht immer gepitcht und haben so manch lustigen Sprachfehler. Die zahllosen Scheherazaden – zu den Puppetmastaz gehören neben den erwähnten noch allerlei weitere Spielfiguren – erzählen lustige kleine Geschichten über extraterrestrische Cocktails, zur Jukeboy tanzende Schachtelteufelchen und die frühen Morgenstunden. Und “Do The Swamp” verfügt sogar über ganz vortreffliche Holzbläser. Kein Stück hat dabei wesentlich mehr Samples als eine Marionette Fäden. Das ist mehr als altmodisch: naturalistisch geradezu. Doch die Puppetmastaz benutzen ja auch keine Avatare, sondern ausgefledderte Handpuppen, um das Spiel mit wechselnden Identitäten, aber nichtsdestotrotz linearer Narration voranzutreiben – schließlich geht es ja allenthalben um “Inhalte”, nicht um “Personen”. Und das verdient durchaus das Prädikat “demagogisch wertvoll”.



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aus Intro #133 (November 2005)
 
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  • User: Klangjunge
  • Klangjunge 24.10.2005 | 21:29:32

    Die Puppetmastaz sind besser als der Wu-Tang Clan!

  • User: Klangjunge
  • Klangjunge 24.10.2005 | 21:29:32

    Die Puppetmastaz sind besser als der Wu-Tang Clan!

  • Gero von Goell 24.10.2005 | 21:41:41

    na ja...

  • Gero von Goell 24.10.2005 | 21:41:41

    na ja...

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