Gravenhurst

Im Psych-Dschungel

18.10.2005, 16:19, Text: Martin Büsser, Martin Büsser
[5 Kommentare]

Das letzte Gravenhurst-Album hatte bereits Verwunderung hervorgerufen: \"Was, eine Folk-Platte auf Warp?\" war zu Beginn fast jeder Kritik zu lesen. Vielleicht, merkt Nick Talbot heute an, waren Warp damals einfach nur weiter als ihr Publikum. \"Inzwischen ist akustische Musik wieder voll rehabilitiert. Das Label hat früh genug erkannt, dass es Blödsinn ist, sein Programm einem Dogma zu unterziehen.\" Und weil er sich selbst an keine Dogmen gebunden fühlt, hat sich Nick Talbots Sound auf \"Fire In Distant Buildings\" noch einmal gewandelt, ist voller geworden, klingt nun stärker nach einer Band als nach einem Soloalbum. \"Wir treten ja auch live als Band auf\", erklärt Nick, \"und sind sehr rockig.

Diesen Rock-Aspekt haben wir auf der neuen Platte stärker in den Vordergrund gestellt, denn ich wollte eigentlich nie in die Folk-Ecke gedrängt werden.\"

Die Stücke sind daher länger geworden, bis zu zehn Minuten, und enthalten nun auch ausufernde Instrumentalpassagen. \"In einem Interview haben Fugazi einmal gesagt, dass sie seit geraumer Zeit keine Setlist mehr auf der Bühne benutzen, damit sich der Verlauf des Abends spontaner entwickeln kann. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber dieses Prinzip trifft auch ein wenig auf mein Songwriting zu: Die Nummern haben zum Teil den Charakter einer Session, sind aus einem spontanen Flow beim Spielen entstanden.\" Beim Hören von \"Fire In Distant Buildings\" kommen daher ganz neue Assoziationen auf, frühe Pink Floyd, My Bloody Valentine und ein Schuss Krautrock. \"Eine Nummer ist tatsächlich von Neu! inspiriert worden, das gebe ich ganz offen zu\", sagt Nick, \"ansonsten bin ich allerdings bei Velvet Underground hängen geblieben. Ich denke, es ist keine Schande, das zuzugeben.\"

Nein, eine Schande ist das sicher nicht, allerdings ist \"Fire In Distant Buildings\" weniger noisy und dunkel ausgefallen, als solche Vergleiche vermuten lassen. Nicks zarter Gesang sorgt noch immer für eine herbstlich abgehangene Grundstimmung. Es geht ihm ganz simpel um warme, emotionale Musik. \"Ich habe mir letztens noch einmal Talking Heads angehört und feststellen müssen, dass das alles kopfgesteuert ist, völlig kühl. Du kannst diese Musik wunderbar intellektuell auseinander nehmen, aber dahinter bleibt nichts. Ich möchte demgegenüber etwas ganz anderes machen, eine ebenso lyrische wie mysteriöse Musik, die sich dem rein intellektuellen Zugang entzieht.\"

Doch wenn auch vieles spontan während der Aufnahmen entstanden ist, gehen die Stücke zum Teil bis ins Jahr 1998 zurück. \"Vieles lag so lange in der Schublade, weil ich es genau in der Form aufnehmen wollte, in der es mir nun möglich war, weil Warp die höheren Studiokosten übernommen hat. Ich wollte nicht, dass diese Stücke als Wohnzimmer-Aufnahmen das Licht der Welt erblicken, sie sollten viel Raum haben - inklusive Orgel, satter Gitarren und einer atmosphärischen Stimmung.\" Das ist Gravenhurst in der Tat gelungen: Auf den schnelleren Stücken entwickeln sie einen treibenden, mit Electrelane vergleichbaren Flow, auf den ruhigeren schimmert etwas von der traumversunkenen Stimmung von Low durch. Das Lagerfeuer darf wieder knistern. Warp sei Dank.



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aus Intro #133 (November 2005)
 
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  • User: morrison
  • morrison 14.11.2005 | 17:23:42

    Die amazon-empfehlung ist lustig :o)

  • User: morrison
  • morrison 14.11.2005 | 17:23:42

    Die amazon-empfehlung ist lustig :o)

  • User: kirschstern
  • kirschstern 14.11.2005 | 17:39:47

    ja. bei amazon kann man übrigens per zshops spottbillig Gravenhurst Alben kaufen.

  • User: kirschstern
  • kirschstern 14.11.2005 | 17:39:47

    ja. bei amazon kann man übrigens per zshops spottbillig Gravenhurst Alben kaufen.

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