Quio

Gummitierchen in Skateschuhen

17.10.2005, 14:55, Text: Anja Wiesinger, , Anja Wiesinger,

\"If it's like salt and peppa - me I'm like sugar and cinnamon\" - MC Quio ist ein großer Fan von Gummitierchen, Skaterschuhen und \"Ren & Stimpy\"-Comics. Und Quio möchte Verwirrung stiften. In ihren geschmeidigen Po-pa-pi-Reimen erklärt sie u. a., dass die Welt rund ist wie Dominosteine: \"Ich habe eine Vorliebe für Wörter und Wortlaute. Außerdem sind Inhalte, die man wie bei Stiller Post falsch versteht, viel lustiger und unterhaltsamer als diese ernsthaften, wie man sie sonst oft im HipHop findet und die immer als real genommen werden und daher so ein Anrecht auf irgendeine Macht zu haben scheinen. Ich finde das oft nur total unmusikalisch und unironisch.\" Ergo kritisiert Quio auch, dass viele MCs nicht musikalisch denken, dass sie der Sound der Stimme nicht mal interessiert.

Als Ina Rotter nach Berlin kam, war sie zunächst viel in der Drum’n’Bass-Szene unterwegs – Eine Freundin, die damals im Berliner WTF veranstaltete, ermutigte sie, selbst aktiv zu werden. Also griff Ina als MC Looney Tunes 97 selbst zum Mikro. Schon bald trat sie mit diversen Drum'n'Bass- und HipHop-DJs in ganz Europa auf - und lernte dann auch bald G-Serve (vom Audiotaxi-Duo) und DJ Christine Lang kennen. Dies der Startschuss zum gemeinsamen Kollektiv mit eigener Partyreihe und Radiosendung auf twen.fm.

Irgendwann begann G-Serve wie so viele andere und anfänglich sehr zum Missmut seiner beiden Partner, 2Step aufzulegen. Jene Skepsis gegenüber R'n'B-Gesangseinlagen und poppigeren Beats hört man Quios Debütalbum \"Oooh\" so gar nicht mehr an, dafür lassen sich private Veränderungen herauslesen. Rotter ist nämlich inzwischen zweifache Mutter einer Tochter (dreieinhalb) und eines Sohnes (zwei): \"Das Stück 'Lempapa' beispielsweise handelt explizit von meinem neuen Alltag, der sehr anstrengend ist, aber auch sehr erfüllend. Da sind meine Kinder mit drauf. Dafür sind wir mit ihnen ins Studio gegangen. Manchmal habe ich auch zu Hause die Aufnahmetaste gedrückt.\"

Für die Produktion des Debut Albums kamen G-Serve mit seiner zweiten Hälfte Mokry vom Audiotaxi, sowie auch Antye Greie von AGF Producktion zusammen. Naheliegenderweise, da \"Oooh\" auf Antye Greies neu gegründetem Label herauskommt. Greie, die, bekannt durch das experimentelle Elektronik-Duo Laub, neben diversen Soloveröffentlichungen zuletzt in Erscheinung trat durch eine Kooperation mit Vladislav Delay und das Projekt Dolls (wiederum gemeinsam mit Delay sowie Craig Armstrong, siehe Feature in dieser Introausgabe). Das Ergebnis der unterschiedlichen Einflüsse klingt mehr als amtlich. Wo sonst battlen sich HipHop-Reime mit Broken Beats und werden dabei mal von einer Blues- (\"Flexible Cat\") und dann von einer Flamenco-Gitarre (\"Great\") begleitet? Mit Grime hat das Ganze aber nichts am Hut, auch wenn das britische Trendschlagwort nahe läge bei einer solchen Aneinanderreihung von Begrifflichkeiten: HipHop-Beats, Drum'n'Bass-Reime, Garage-Refrains. Nein, wir nennen es lieber: experimentelle Broken-Beats mit herrlich verschrob-verspielten Texten.



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aus Intro #133 (November 2005)
 
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