Kochen mit

Ada, Carsten Meyer und Überraschungsgästen

26.09.2005, 17:10, Text: linus volkmann, linus volkmann

Text: Linus Volkmann / Fotos: Thomas Venker

Für uns ehrliche Häute aus der Underground-Szene gilt es als ungeschriebenes Gesetz, jedes noch so abseitige Versprechen letztlich auch wahr zu machen, hat man es sich, Freunden oder Wildfremden in der tiefsten Nacht erst einmal gegeben. Sonst geriete man ja auch zu schnell in die Vorhölle der Schwätzer und sonstigen Wortbrecher. Man denke nur an Wolfgang Joop, der

Auf dem interessanten zweiten Hörbuch von Dieter Bohlen werden (mehr oder weniger explizit) u. a. Thomas Anders und Jens Riewa als Diebe, Hartmut Engler von Pur als kleinpenissiger Stümper und Wolfgang Joop als Kokser tituliert.', FULLHTML, STICKY, MOUSEOFF)\\" onmouseout=\\"return nd();\\">Dieter Bohlen in einer durchzechten Nacht ein Mittagessen am nächsten Tag zusagte und, jetzt halten Sie sich fest, dazu dann nicht erschien. Sein Lebensgefährte und sein weißer Hund sagten Dieter kurzerhand in seinem Namen ab. Wolfgang habe Fieber. Ist das eine Art? Wir glauben: Nein. Und so gab es keinen Zweifel an dem Pakt, den Thomas Venker, Ada und Carsten Meyer auf dem Melt! 2005 schlossen: Ein aufwändiges Essensgelage wollte man gemeinsam verleben. Aufgewertet mit Stargästen, Gossip aus dem Bernsteinzimmer des Klatsches und erleuchtet von einem Mehr-Gänge-Menü viehischster Raffinesse. Gastgeber Thomas gilt bei all diesen drei Disziplinen als marktführend und lebt damit an diesem Abend seine Trümpfe wie andere im Leben nicht mal ihre Träume.

Neben so viel routiniertem Triumph erschließt sich diesem Mann aber heute auch noch ein ganz neues Terrain: die Fotografie. \\"Das ist derselbe Fotoapparat, den auch Helmut Newton benutzt!\\" frohlockt er, jeden Gast gleich im Treppenhaus ablichtend. Helmut Newton? Dieser Bumsfotograf, der Helmut Kohl vor dem zerklüfteten Stamm einer riesigen Eiche einst für Tempo knipste und der sonst für Busenbilder in Schwarz-Weiß steht? Der Russ Meyer der Spiegelreflex für die geistig wegdämmernde Hochkultur? Geil, denke ich und lächele wie ein Pferd.

Nach dem Foto folgt der Einlass. Und Hunger wartet schon. Eröffnung soll der Abend daher schnell erfahren, und zwar mit frischem Tofu. Eine zartmürbe Konsistenz, die viele nicht mal zu ahnen wagen. Gegen frischen Tofu ist Crème Brulée nur Pumpernickel und zäh wie ein gekauter Bierdeckel. Angemacht werden diese piekfeinen Geräte mit Zwiebeln und Sojasauce. Als Beiwerk liegen auf hölzernen Schalen dünn und der Länge nach geschnittene Zucchini und Auberginen, gedippt werden kann in selbst gemachtes Pesto, Ziegenkäse steht auch zur Wahl. Dann folgt das Hauptgericht Gemüseburger bzw. Thunfischsteaks. Und zu guter Letzt der Soja-Joghurt mit frischen Johannisbeeren. Wow, was kann man da noch mehr wollen - außer vielleicht ein Bad mit Delfinen?

Zwischen dem Essen powert ein guter Gastgeber natürlich immer noch die Sauferei. So auch unserer. Neben Bucaro-Rotwein serviert er aus kostbaren Gläschen aus dem Gift-Shop vergangener Asienreisen Sake. Ein Getränk, das eigentlich nach ähnlich Geschmacksnerven-betäubendem Brimborium schreit wie Tequila mit seinem Salz und der Zitrone. Dafür ist die Sake-Tradition aber zu eitel und verlangt, die interessant unbekömmliche Säure einfach so zu schlucken. Nun gut. Sei es drum - und es schubst die Gäste ja auch zum froh gestimmten Reden an.

Carsten Meyer erzählt von dem Hörspiel, das ihn gerade nach Köln treibt. Er ist gecastet worden von seinem alten Münsteraner Buddy (aus Dortmund) Lee Buddah. \\"Interessant\\", finden wir Umstehenden. \\"Und wie heißt das Stück?\\" - \\"Oh, da bin ich jetzt überfragt.\\" Das sind noch Sprecher: Lassen sich vom Regisseur führen wie Dustin Hoffman von Tom Cruise in \\"Rain Man\\" - nur um dann letztlich wie jener den Jackpot des gemeinsamen Projekts zu knacken, mit ein paar wenigen wohlgesetzten Worten. Carsten spürt die Bewunderung und lächelt mit seinem vollen Mund. Er gießt sich als Einziger Weißwein ein, er ist ein Drop-out unter Drop-outs, er geht seinen Weg - es macht uns tierisch an, ihn so zu sehen. Ach, und eine neue International Pony kommt im nächsten Frühjahr. \\"Darauf noch einen Schnaps\\", rufen wir unserem Helmut Newton zu, der gerade selig das Ganze von ihm erstellte Essen fotografiert.

Jetzt ist Ada dran, dieser blonde Schatz der Welten. Ihre Erfolgsgeschichte scheint fast noch einmaliger als der lange stete Weg von Carsten Meyer an die Spitze. Ada erinnert sich bescheiden und nur auf Zuruf, wie sie erschrak, als sie Anfang des Jahres die riesige, stets überformatige de:bug mit ihren kleinen Laptop-Händen entfaltete - und auf dem plakatgroßen Titel sich selbst erkennen musste: als Siegerin des Jahrespolls. Beste Künstlerin 2004! Himmel, schnell huschte sie damals durch den schneebedeckten Stadtpark zurück in ihren hohlen Baum. Aber was sollte sie tun? Spätestens seit dieser Sekunde war ihr Ruhm amtlich und keine Szeneklamotte für Checker mehr. 2005 remixte und reiste sie dementsprechend viel - Reisen dabei vor allem und oft gegen ihren Willen wieder und wieder mit dem verhassten Flugzeug statt mit Taxi oder Kreuzfahrtschiff. Nächster Plan: Aus diesem DJ-Lifestyle mal ein paar Monate ausbrechen, denn Auftreten und Gefragtsein ersetzen nicht die künstlerische Arbeit bzw. verdrängen diese genau genommen auf Dauer.

Kurz darauf erscheinen Gringo Grinder und Metope. Sie haben schon so viel Aperitifs intus, dass ihnen Essen nicht mehr viel bedeutet. Ihre Wodkaflasche ersetzt ihnen alles Weitere. Und ihre gute Laune und das laute Singen wirken direkt ansteckend. Was für lustige Gesellen, und wie sie mit dem ihnen zugedachten Essen spielen und sich gegenseitig mit Eiswürfeln so traktieren, dass immer einer harte Brustwarzen hat. Kein Wunder, dass auch diese beiden Männer nur auf den vorderen Plätzen der DJ-Charts zu finden sind. Lediglich Justus Köhncke kann dieser illustren Runde heute nicht seine Anwesenheit schenken. Er befindet sich auf einer hochdotierten, viel besuchten Japan-Tour.

Meine Bewunderung schlägt langsam um. Ist es der Sake oder die Tatsache, dass ich als Einziger der Anwesenden noch nie öffentlich eine Platte aufgelegt habe und somit der Einzige bin, der nicht das Leben eines jetsettenden Multimillionärs führt? \\"Linus, können eben nicht alle hinter den Reglern stehen. Irgendjemand muss doch auch dazu tanzen!\\" besänftigt mich die Runde, während unser Gastgeber dabei Bilder von meiner traurigen Fresse schießt. Das reicht. Ich habe euch lange genug angehimmelt, ihr DJ-Spackos, denke ich siedend vor Wut und sage \\"Tschüss\\" und schüttele jedem die Hand. Verscherzen will man es sich ja auch nicht mit dieser Top-Ten-Bagage - wer weiß, ob die einen nicht doch irgendwann mal aus der Gosse oder dem Polizeirevier auslösen auf ihrem weißen Pferd und mit ihrem army-grünen Underground-Resistance-Rucksack. Nach meinem Verschwinden geht die Party - wie man es nachträglich immer gern hört - \\"erst so richtig los\\". Und wenn nur etwas wahr ist von den Vollinski-Botschaften aus reinem Wodka, die mir Thomas aus dem Six-Pack per SMS zuspielt, dann stimmt das sogar ohne jeden Zweifel. DJs - das ist eben Glück auf 45.

Zutaten
- frisch angerührter Tofu mit Zwiebeln und Sojasauce
- gebratene Zucchini und Auberginen
- Ziegenkäse
- selbst gemachtes Pesto
- Glasnudeln
- Thunfischsteak und/oder Gemüseburger
- Soja-Joghurt mit frischen Johannisbeeren
Zucchini und Auberginen anbraten. Ebenso Thunfisch und Gemüseburger. Aufteilen in drei Gänge, siehe Text.

International Pony
Carsten Meyer - auch bekannt unter dem Alias Erobique - betreibt neben vielen Projekten vor allem auch die Supergroup International Pony. Zusammen mit Cosmic und DJ Koze. Letztere sind beide bei den legendären Fischmob gewesen. Und zeichnen sich auch sonst durch weit reichende Bekanntheit aus. Gerade erschien u. a. die neue Koze-Platte \\"Kosi Comes Around\\" auf Kompakt.

Wir verlosen 3x \\"Keil Stouncil A Paris\\" von Carsten Meyer. Der Hauptgewinner wird zudem von Carsten gemalt. Wer CDs gewinnen und/oder porträtiert werden möchte, schickt eine Email mit gut aufgelöstem Foto von sich selbst an verlosung@intro.de. Der Betreff sollte \\"Carsten Meyer malt mich\\" lauten.



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aus Intro #133 (November 2005)
 
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