Princess Superstar

Erfolg ist wie Drogen

26.09.2005, 16:24, Text: Sonja Eismann, Sonja Eismann

Als ich Princess Superstar in Berlin treffe, kommt sie gerade von einem DJ-Gig für die Hochzeit einer Freundin in der schwedischen Pampa. Es braucht etwas Mühe, sich die von Kopf bis Zeh Urbanität versprühende New Yorker HipHopperin, die in einem extravaganten cremefarbenen Jumpsuit vor mir sitzt und genüsslich kleine Lakritzsüßigkeiten mit manikürten Fingernägeln auseinander puhlt, als Dienstleistungs-Discjockey auf einer Familienfeier vorzustellen. Besonders viele der verrückten Bootleg-12-Inches, die sie mit DJ-Partner Alexander Technique als White Labels herausgibt, wird sie wohl nicht aufgelegt haben, sondern eher “bekannten Band-Kram”, wie sie mit ihrer lauten, heißeren Stimme und einem ungezwungenen Lachen erzählt, das einem das Herz vor so viel Sofort-Sympathie übergehen lassen will.

Für ihre fünfte Platte hat Concetta Kirschner nicht nur mit Producer-Größen aller Genres wie Arthur Baker, Armand Van Helden, Junior Sanchez, Boris Dlugosch und Jacques Lu Cont zusammengearbeitet, die sie alle durch Sanchez’ best buddy Technique kennt, sondern sie hat ein schon lange angefangenes Projekt vollendet: ihr Konzeptalbum. “Ich habe bereits vor sechs Jahren angefangen, daran zu schreiben, aber es kam immer was dazwischen. Zuerst wollte ich, dass es ein allgemeiner politischer Kommentar zum Status der Kulturindustrie wird, aber nach der Explosion von Reality-Shows in den letzten fünf Jahren war klar, dass es um die Obsession durch Ruhm, Reichtum und Oberflächen gehen muss. Mir war es aber auch wichtig, dass dieser quasi didaktische Zugang mit Humor à la Simpsons passiert, denn nur dann können sich die Leute drauf einlassen. In einem Stück befehle ich meiner Duplikanten-Armee z. B.: ‘Your weight can fluctuate no more than a quarter of an ounce’, um diesen Schlankheitsirrsinn zu ironisieren.”

Auch wenn der ruhmversessene Größenwahn auf “My Machine”, wo in einer dystopischen Zukunft die Princess diktatorisch als einziger Superstar regiert, in den beißenden Kirschner-Rhymes völlig überzeichnet ist, kennt die Allround-Musikerin den Geschmack des etwas weniger überdimensionierten, aber trotzdem bittersüßen Fame-Apfels auch aus eigener Erfahrung. “Als ich mir vor zehn Jahren diesen Künstlernamen ausdachte, war das natürlich total ironisch, weil ich damals völlig pleite und meilenweit davon entfernt war, eine Prinzessin oder ein Superstar zu sein. Auf diesem Album geht es aber auch um das quälende Gefühl, gleichzeitig den Ruhm zu wollen und abzulehnen. Als ‘Bad Babysitter’ rauskam, merkte ich: Erfolg ist fast wie Drogen – man kriegt ein bisschen und will mehr. Ich stand total unter Druck, mit einem ‘Bad Babysitter Part II’ um die Ecke zu kommen. Deswegen habe ich letztlich gesagt: Scheiß drauf, ich will weder mein persönliches Leben noch meine Musik kompromittieren, ich mache einfach mein Konzeptalbum.”

Ein Traum bleibt Concetta, die im guten alten DIY-Ethos von Schlagzeug-Spielen über DJing alles kann, aber noch: eine Kooperation mit Missy Elliott. Womit wir uns bis dahin trösten können, ist ihre Ankündigung eines potenziellen Projekts: eine Supergroup aus Princess Superstar, Peaches und Miss Kittin. Japs.



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aus Intro #133 (November 2005)
 
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