
Shout Out Louds
Schafe im Wolfspelz
26.09.2005, 16:04, Text:
Felix Scharlau,
Felix Scharlau
Wer dachte nicht, dass Schweden momentan popkulturell ausgequetscht wie eine Zitrone ist. Und nun steht mit Shout Out Louds (SOL) schon wieder ein mehr als würdiger Buhler um die internationale Gunst der Fans bereit. Eine Stockholmer Vier-Boys-ein-Girl-Band, die in Bezug auf die Wahrnehmung schwedischer Bands in der Restwelt zunächst einmal das bestätigt, was man insgeheim schon immer vermutete: \"Die schwedischen Bands, die im Ausland einen gewissen Bekanntheitsgrad besitzen, sind gar nicht unbedingt diejenigen, die hier bei uns bekannter sind. Und folgerichtig gibt es eine große schwedische Musikszene mit vielen hier sehr beliebten Bands, die im Ausland überhaupt nicht bekannt werden\", beschreibt Keyboarderin Bebban Stenborg die Situation.
Und weiter mit dem Aufklärungsbedarf: Wer sich selbst Shout Out Louds und sein Debüt \"Howl Howl Gaff Gaff\" nennt, muss nicht zwangsläufig mit Crypt Records aufgewachsen sein oder die Nachfolge von Mando Diao antreten wollen. Stattdessen rebelliert das Album mit wundersam poppigen Indie-Folk-Stücken lediglich gegen das Klischeedenken in unseren Köpfen. Adam Olenius, Sänger, Songwriter und Gitarrist, stellt dabei eher unfreiwillig Parallelen zum amerikanischen Indie-Rock her. Der 26-Jährige sieht ein wenig aus wie Silver Jews' David Berman zu \"The Natural Bridge\"-Zeiten und klingt wie eine Mischung aus ihm und Conor Oberst - alles andere als schlechte Adressen im Reiseführer von Indie-Town. Findet er übrigens auch selbst: \"Saddle Creek haben gute Künstler. Und eine Band wie The Bright Eyes hat einen distinktiven amerikanischen Folk-Sound. Obwohl wir jetzt nicht wie schwedischer Folk klingen: Da gibt es schon Parallelen. Ich mag es gerne, melodiöse, direkte Songs auf der einen Seite zu machen, finde es andererseits aber auch spannend, die Produktion leicht kaputt klingen zu lassen. Einem einfachen Popsong Chaos hinzuzufügen.\" Davon gibt es auf \"Howl Howl Gaff Gaff\" allerdings nicht allzu viel - die Hooklines und Hits, die sich aus dem Fluss der Songs herausschälen, sind zu mächtig, um das Chaos wirklich zuzulassen. Beim Opener \"The Comeback\" wird das deutlich. Oder bei \"Oh, Sweetheart\". Eigentlich bei jedem der elf Songs.
Bleibt ein Wermutstropfen: Das Album wurde bereits vor über zwei Jahren aufgenommen und schon vor geraumer Zeit in Schweden und in den USA veröffentlicht, bis jetzt auch Deutschland dank Major-Deal dazukommt. Und auch wenn dieses Release drei neu aufgenommene Stücke enthält - gedanklich ist man schon weiter. \"Mir gefällt an den Möglichkeiten einer Band vor allem das Machen an sich - Platten herausbringen, Entwicklungen erleben. Vor diesem Hintergrund kann eine Situation wie jetzt natürlich manchmal etwas frustrieren\", sagt Olenius. Und? Wird das nächste Album wohl ähnlich klingen? Darauf hat Bebban Stenborg eine Antwort mit fast schon biblischer Rhetorik zur Begeisterung ihrer Kollegen auf Lager: \"Keine Ahnung. Man kann auch nicht selbst zusehen, wie das eigene Haar wächst.\" Ist ja auch noch etwas Zeit. Das Debüt ist schließlich brandneu - zumindest für uns.
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