
Element Of Crime
Wie eine russische Puppe
23.09.2005, 17:28, Text:
Sandra Grether,
Sandra Grether
Jetzt sind sie also doch noch zur Kultband geworden. Und mit \"Mittelpunkt Der Welt\" erscheint endlich mal wieder ein neues Element-Of-Crime-Album, das erste seit den tollen Lehmann-Büchern ihres Sängers Sven Regener und ihr mittlerweile zwölftes. \"Element Of Crime waren nie ein Lifestyle-Phänomen, kein Szene-Phänomen, kein Subkultur-Phänomen, aber auch kein Mainstream-Phänomen. Das bringt mit sich, dass man jeden Fan einzeln abholen muss\", sagt Regener, und die dafür umso treueren Fans danken es ihm - auch wenn sie gelegentlich kräftig die Ebenen und Characters durcheinander wirbeln. Im liebevollen Gästebuch der Band schreibt z.
Und man selber hat auch schon komische verdrehte Gedanken im Kopf, während man so Frank-Lehmann-mäßig am Ku'damm herumirrt und das Interview-Café sucht, wenn auch eher in Richtung: Wie hält der Musiker und Schriftsteller die erhöhte öffentliche Aufmerksamkeit für die Details seiner Person wohl aus? Regener genießt es ja schließlich seit jeher, hinter den Protagonisten seiner Songtexte zu verschwinden. Auch in den neuen tollen Liedern gibt es wieder stilsichere Perspektivenwechsel, fließende Übergänge und doppelte Ebenen, die er - bildsicher, wie er nun mal ist - mit dieser \"russischen Puppe\" vergleicht. Über das besinnlich-nüchterne \"Still Wird Das Echo Sein\" z. B. sagt er: \"Also, da ist einer, der singt das, was einer spricht zu einem anderen, wobei dieser eine den anderen zitiert und wiederum dann noch kommentiert.\"
Auch die neuen Stücke sind wieder voll von bezaubernden zeitlosen Wahrheiten über romantische Gefühle, entschiedene Momente, Abschied und Argwohn, Erinnerungen usw. Musikalisch etwas spröder als auf dem Vorgängeralbum \"Romantik\", wissen die Lieder immer, wo sie zum Klischee werden und wo sie speziell sind. Man beherrscht die Kunst der Phrase, die keine mehr ist, weil man die Menschen kennt und liebt, sprichwörtlich. Element-Of-Crime-Songs sind große klassische (Liebes-) Lieder. Sie spielen, wie Songs von Velvet Underground, Elvis oder R.E.M., in Räumen, in denen das Ego verlassen wird. Liebeslieder, die mal nicht ihre eigenen Verletzungen auf das Gegenüber projizieren, sondern die Würde des Gefühls erhalten und sich auch mal was vergeben, ja, sich sogar zum Horst machen können. Der Schmerz wird durchlebt, ohne dass die Eitelkeit den Ton angibt. Deshalb können sie auch Klischees aufnehmen, denn sie fürchten sich nicht vor Verkitschungen. Nur Männer, die sich schnell mal ausgelacht fühlen, fürchten den Kitsch. Aber an Klischees zerbricht man nicht. Element-Of-Crime-Songs wachsen daran. Und stellen auf diese Weise das Allgemeine neben das Authentische. Das macht sie \"massenkompatibel\" und individuell zugleich. Da haben welche aber echt mal den Dreh raus, wie man Lebensweisheit mit neurotischer Spannung verbindet! \"Es geht eigentlich um das Schöne in der Kunst. Es geht um das, was die Leute bewegt.\" Und das lässt sich halt im Endeffekt sowieso nicht steuern.
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