Metope

Pinguin im Nadelöhr

23.09.2005, 17:25, Text: arno raffeiner, arno raffeiner

Da ist nichts. Nur ein seltsames Glockenscheppern, das den Raum ganz ausfüllt. Wie ein Innehalten, ein Schwebezustand, in Zeitmaßstäben nicht definierbar. Unvermittelt bricht von unten ein Gewitter aus Bass und Kickdrum los, quer liegende Snarehiebe peitschen die restlichen Hemmungen auf dem Weg tiefer in die Nacht einfach weg. Was ist passiert? \"Es ist nur so, dass es da ganz kurz ruhig wird und dann Bassdrum und Bass wieder zusammenkommen. Aber das löst echt einen unheimlichen Schub aus. Ist schwer zu beschreiben.\" So versucht Michael Schwanen dem Moment beizukommen, als \"33\", ein Track seines Debütalbums als Metope, ihn zum ersten Mal im Club überrascht und umgehauen hat.

Natürlich hat er Recht: In Worten ist das, was solche Augenblicke auf der Tanzfläche auslösen, schwer festzunageln. Trotzdem soll und muss es hier genau darum gehen, denn darin steckt, was die beherrschende Wirkung von Metopes Musik ausmacht. Immer wieder jagt er seine Technotracks durch verengte Kanäle. Selbstverständlich werden auf der Produktionsebene die einzelnen Sounds durch Kompressoren gequetscht, aber vor allem in den Strukturen gibt es immer wieder Nadelöhre, durch die die Stücke geschickt werden. Ein ums andere Mal verpasst Metope den Tracks so neuen Druck, mehr Energie und nicht zuletzt eine andere Bedeutung.

Ein solches Nadelöhr gibt es auch in Michael Schwanens Biografie, diesen Moment, in dem sich alles unglaublich verdichtete und konzentrierte, um das Gewesene in die Luft zu pusten und komplett neu anzuordnen. Für Metope war das der Umzug aus der hessischen Provinz nach Köln Ende der 90er, kurz danach die Begegnung mit Sebastian Riedl und Matthias Klein, das gegenseitige Ermutigen und gemeinsame Produzieren und schließlich, als euphorischer Knall nach diesem Umkrempeln seines Lebens, die Gründung des Labels Areal. Besonders bemerkenswert dabei ist, dass der auffälligste Name in dieser Liste - die Stadt Köln und das, wofür sie mit ihrer Technoszene zu der Zeit stand - mit all dem am wenigsten zu tun hatte. Die Areal-Jungs kannten niemanden aus diesen Zusammenhängen und zogen ihr Ding lieber selbst durch. \"Wir haben schon eine Zeit erwischt, wo gerade so ein Stillstand war und es etwas langweilig wurde. Das ist uns auch aufgefallen, wenn wir in den Anfangszeiten miteinander weggegangen sind. Die DJs konnten unsere Platten kaum spielen, weil sie dann völlig herausgerissen wurden aus dem Kontext. Das hat sich inzwischen natürlich geändert. Wir haben ja schon viele Leute beeinflusst mit dem Sound und, ich glaube, auch ein bisschen für Euphorie gesorgt, dass das Ganze wieder in Schwung kommt.\"

Metope kann sich ruhig mit diesen Lorbeeren schmücken, wir wissen, dass seine Platten solche Nadelöhr-Effekte auslösen. Auch die selbstsichere Pose des Pinguins auf dem Cover seines Albums würde ihm deshalb nicht schlecht stehen. \"Der Pinguin ist so ganz im Vordergrund und guckt etwas arrogant und stolz, aber ich bin ja eher zurückhaltend. Den Stolz würde ich vielleicht noch mitnehmen, das bringt das Ganze einfach mit sich, wenn man was macht und das funktioniert. Aber ich zeig das nicht so nach außen hin, wie das der Pinguin macht.\"

Wir verlosen 3x \"Kobol\" von Metope sowie 3x die Areal-Compilation \"2Rabimmel 2Rabammel 2Rabum 2Bum Bum\" auf CD. Wer gewinnen will, schickt eine Email an verlosung@intro.de. Der Betreff sollte \"Metope\" lauten.



Artikel kommentieren
aus Intro #133 (November 2005)
 
  • Mehr Infos

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
  • MEIST GEKLICKT

  •  
 
 

INTRO-TV

K.I.Z. schauen fern - Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang

K.I.Z. schauen fern

Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang
... mehr

 
Anzeige
 
 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]