Amusement Parks on Fire

Boten des Dramas

23.09.2005, 17:24, Text: Sandra Grether, Sandra Grether

Es ist nicht meine Angewohnheit, mit dem Bandnamen anzufangen, aber hey, die hier heißen Amusement Parks On Fire, und das ist beinahe der unpassendste Name, den ich je gehört habe. Hier brennt nicht der Vergnügungspark, hier ist Amusement-Park-freie Zone. Die Band um den 21-jährigen Michael Feerick ist so dermaßen noisig, abgespact, fast bleich irgendwie, so kalt verzweifelt und breitwandig Sigur-Rós-verliebt, dass man sie mit so gar nichts Hellem, Feurigem verbinden mag. Amusement Parks On Fire klingen so eigen auf ihren Kosmos beschränkt, dass man sich wundert, dass sie die Welt der Vergnügungsparks überhaupt vom Hörensagen kennen. Und es passt zu der schweinsledern abgerockten Atmosphäre ihres in Schwarz-Weiß-Kontrasten gehaltenen Debütalbums, dass auch der Weg zum Interviewhotel durch die abgelegeneren Straßen von Neukölln führt - klar, diese grungigen Jungs, die selber von der dunklen Seite Nottinghams kommen, residieren nicht in einer Suite am Potsdamer Platz, wenn sie in Berlin Interviews geben.

Sie halten sich an den kostbaren Plätzen auf, wo wider Erwarten magische Momente zu erleben sind. Wo der Noise den Blues kriegt und seine blauen Stunden der Wahrheit aufführen kann.

Vom sympathisch wasserstoffblonden Sänger und Stückemacher Feerick erfahre ich, dass er in seiner Kindheit viel umgezogen ist und bereits seitdem beständig an einem \"gefährlichen Sound\" arbeitet. Dass man mit Freunden zusammen Musik machen könnte, darauf ist er zunächst gar nicht gekommen. Noch vor der Pubertät lernte er Schlagzeug, mit 13, 14 dann Gitarre, alles muss man selber machen. Auch die sachten Klavierpassagen, die daherkommen wie filmmusikähnliche Soundtupfer und das Brachiale zart machen. Konventionelle Songstrukturen bereiten Michael Feerick folgerichtig keine wirkliche Freude. Gitarrenfeedbacks, denen er hier und da tolle Melodien entlockt, hingegen sind für ihn die wahren Boten des Dramas. Das wiederum will er aber nicht so genau benennen: \"Ich mag es, wenn die Dinge nicht so ausformuliert sind. Dann kann jeder das reinlegen, was er reinlegen will. Dann erst kann Magie entstehen.\" \"Magic\" ist bestimmt sein Lieblingswort, das benutzt er andauernd. Und das ist ganz schön schlau von ihm. Denn \"Magic\" impliziert den Moment und macht jeden Song neu, egal, wie oft es ihn vielleicht schon gegeben haben mag, im Leben und Werk eines anderen.

\"Für mich klingt ihr mehr nach Dinosaur Jr und so\", sage ich, und Feerick strahlt: \"Ja, das ist auch ein Einfluss gewesen.\" Was es mit der Portishead-Sache auf sich habe, will ich wissen. \"Geoff Barrow von Portishead hörte zufällig unser Tape, und es gefiel ihm so gut, dass er uns auf sein Label nahm.\" Dann ging alles ganz schnell, und jetzt ist man sogar schon ein Geheimtipp in den USA. \"Die Leute dort fahren voll auf unsere Konzerte ab.\" Die sind nämlich spektakulär. Ganz laut, ganz außer Kontrolle. Da wird nicht getanzt, da wird gestaunt. Denn Michael Feerick hat jetzt eine Band um sich, und mehr Leute machen bekanntlich noch mehr Lärm. Einen Lärm, dessen Schönheit Feerick selber wahrscheinlich am meisten überrascht.



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aus Intro #133 (November 2005)
 
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