
Moonbootica
Mehr Spaß im Leben
21.09.2005, 17:17, Text:
Roland Wilhelm,
Roland Wilhelm
Es muss so gegen zwei Uhr beim diesjährigen Melt!-Festival gewesen sein, als ich plötzlich vor der Gemini Stage zu ekstatischem Elektro-Sound zu zappeln begann: Moonbootica ließen dort die willenlose Partymeute knietief in den Bässen waten, jonglierten wild in ihrem Ping-Pong-Style die Platten und feuerten sie Frisbee-mäßig knapp über den Köpfen und der Wahnsinns-Grenze ab.
\"Das war das beste Festival dieses Jahres\", erklären Tobitob und KoweSix ein paar Wochen später in einem Kölner Hotel. Anlass des Treffens ist das erste Album von Moonbootica, innerhalb der letzten zwei Jahre entstanden und einen ziemlich umfassenden Überblick über die Geschmäcker der beiden DJs und Plattenproduzenten gebend.
Und nun gibt es Moobootica also nicht mehr nur für den Club, sondern auch für zu Hause, zum Tanzen und Schwelgen. Für das Album, unbetitelt und 77 Minuten lang, haben die beiden ziemlich viele Gastsänger aus den unterschiedlichsten Lagern an den Start gebracht, die auf einige der mit analogem Equipment - daher der dreckig-dicke Sound - geschraubten Tracks der beiden Melodien und Texte bastelten. U. a. gibt es da Chris Corner von den Sneaker Pimps, die Jazz-Sängerin Sam Leigh Brown, Client, Jansen & Kowalski und Chanson-Texter Jean Fauque zu hören - mit allen außer Letzterem war das Duo schon durch vorherige Zusammenarbeit verbandelt.
\"Listen\", so erläutern sie mir, haben sie bewusst als Single-Auskopplung gewählt, ist es doch ein Titel, der nicht explizit als Club-Kracher produziert wurde wie die vorangegangenen 12-Inch-Releases. Er soll als lupenreiner \"Listening\"-Track dem Hörer das Album in seiner Diversität nahe bringen. Moonbootica wollen eben nicht unbedingt in kommerziellen Maßstäben denken und ein Clubalbum mit Clubhits raushauen, sondern einfach die Musik produzieren, die sie mögen. Genauso sehen sie es auch nicht ein, mit den großen Namen in der Gästeliste zu kokettieren, z. B. durch einen Sticker auf dem Albumcover. Das Cover haben sie sowieso eher unkommerziell - vielleicht sogar verkaufsschädigend - gestaltet: Auf diesem zeigen sich die beiden Sunnyboys in alberner Pose und lässigem Outfit in der prallen Sonne, die durch die vergangene Party-Nacht irgendwo am Strand wahrscheinlich sehr kleinen Äuglein werden diskret hinter den italienischen Designer-Sonnenbrillen versteckt. In seiner Macho-Poserhaftigkeit kann das natürlich nicht ernst gemeint sein, sicher zwinkern uns die kleinen Äuglein insgeheim zu, als wollten sie sagen: Leute, hört diese Platte und habt einfach mal ein bisschen mehr Spaß im Leben. Recht haben sie.
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