Nine Black Alps

Die Peripherie schlägt zurück

20.09.2005, 13:23, Text: Till Stoppenhagen, Till Stoppenhagen

Während die vier Volldilettanten in den clownesken Outfits über die Bühne stolpern und ihre simplen Rocksongs zum Besten geben, ahnen die 42 zahlenden Gäste noch nicht, dass sie gerade Zeugen eines historischen Ereignisses mit weit reichenden Konsequenzen werden: Es ist 1976, die Sex Pistols geben ihr erstes Konzert in Manchester und setzen so die Saat für eine der lebhaftesten Musikszenen der letzten Jahrzehnte. Es sind die Anti-Hipster aus der Metropole London, die der musikalischen Provinz neue Impulse geben. Knapp 30 Jahre später scheinen die Rollen vertauscht: Auf der Bühne steht eine einheimische Band, aus der großen, fernen Hauptstadt gekommen sind diesmal die anderen: Label-Talentscouts, angelockt durch Mundpropaganda, gequält von der Furcht, das nächste große Ding zu verpassen, wenn sie nicht schnell genug sind.

Ob die vier Mancunians mit dem kryptischen Namen Nine Black Alps und den sympathischen Schrängel-Songs, die wie eine sonnige Singalong-Version der frühen Nirvana klingen, nun umgekehrt für eine weitere musikalische Revolution sorgen werden, wird sich noch zeigen. Das Rennen macht erst mal Island Records. Ein Majordeal nach einem guten Dutzend Live-Auftritte? Wie war das noch mit der Indie-Credibility? \"Bei Island fühlten wir uns auf Anhieb wohl\", erklärt Gitarrist und Sänger Sam Forrest. \"Es ist die Firma von PJ Harvey, die müssen also einen langen Atem haben: PJ macht seit Jahren ein gutes Album nach dem anderen, aber sie verkauft nicht viel. Das macht uns Hoffnung.\" Wenn es mit dem Rock-Legenden-Status klappen soll, müssen die Alps aber noch lernen, sich ein bisschen weiter aus dem Fenster zu lehnen - das kreative und kommerzielle Potenzial ihres Debüts \"Everything Is\" wäre Grund genug dafür.



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aus Intro #133 (November 2005)
 
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