Hard-Fi

Maggie’s Geldautomat

17.08.2005, 16:04, Text: Eric Leimann, Eric Leimann

Britische Polit-Aktivisten und ganz normale Popbürger erinnern sich gerne daran, dass der Dylan-Song \"Maggie's Farm\" aus dem Jahr 1965 in den Achtzigern oft im britischen Radio zu hören war. \"I ain't gonna work on Maggie's farm no more\" passte gut rein in ein UK der klaren Fronten, in der das Böse ein Gesicht hatte. Über ihm thronte eine dunkelblonde Lockenhaube, und ein bisschen weiter unten baumelte eine Handtasche. Heute ist das Böse noch besser getarnt, denn es hat überhaupt kein Gesicht mehr. \"Go to a cash machine / To get a ticket home / Message on the screen / Says don't make plans, you're broke.\" Das sagt Richard Archer, Sänger und Songschreiber von Hard-Fi.

Er kommt zu dem Schluss, dass das Geld schneller in irgendwelchen Automaten verschwindet, als es aus anderen herauskommt. \"Better believe it, I'm working for the cash machine\", heißt es später in der Punchline der knackigen gleichnamigen Single, die die Band aus dem Londoner Vorort Staines ins britische Radio von heute katapultierte.

\"Cash Maschine\" ist ein wütend-souliger Punksong übers Pleitesein - irgendwo zwischen The Clash und frühen Blur. \"Wir mögen Northern Soul, The Clash, die Stones und Curtis Mayfield\", spannt Richard Archer einen ziemlich weiten Bogen. \"Na klar, wir sind eine Rock'n'Roll-Band. Aber manchmal nehmen wir uns einfach die Dynamik von Soul und lassen sie in unseren Songs und Produktionen sprechen.\" Soul und Dynamik, ein gutes Stichwort. Obwohl in der Tat kein echter Soul auf dem Hard-Fi-Debütalbum \"Stars Of CCTV\" zu finden ist, in großartigen Songs wie \"Cash Machine\" und \"Hard To Beat\" kommt eine britische Soulpower zum Tragen, die man so lange nicht mehr gehört hat. Dann erinnern Hard-Fi an den blauäugig verschmitzten Brit-Soul von Duran Duran, Tears For Fears oder die frühen Prefab Sprout, bevor denen der Rock'n'Roll abhanden kam.

Richard Archer über die Wurzeln der Wut aus der Vorstadt: \"Staines liegt im Westen Londons, ganz in der Nähe des Flughafens Heathrow. Es gibt keinen Nachtbus und keine späte Bahn von London nach Staines. Du wohnst am Rande dieser Metropole und hast nichts davon. Also musst du für deine eigene Unterhaltung sorgen. Deshalb sind wir auch unberührter von Trends geblieben. Uns geht es nur darum, dass die Musik, die wir spielen, gut ist: Deshalb greifen wir auch auf Dub, Ska und Soulelemente zurück.\" So etwas gilt sicher nicht als der heiße Sound der Stunde unter britischen Popbands. Doch Hard-Fi sind eben bodenständige Jungs. Als Songwriter Richard Archer nach einem ersten gescheiterten Bandprojekt und dem Tod seines Vaters nach Staines zurückkehrte, suchte er über Anzeigen und Gespräche mit Bekannten und Freunden nach Mitmusikern für eine neue Band.

Dass alle Bandmates in der Tat aus dem kleinen Ort hinter dem Flughafen-Koloss Heathrow stammen, veranlasste die lokale Presse zu gewagten Vergleichen. Richard erzählt amüsiert, dass in Zeitungen, in denen sonst über von Bäumen gerettete Katzen berichtet wird, neuerdings steht: \"Liverpool hatte die Beatles, Manchester hatte Oasis. Werden Hard-Fi dasselbe für Staines sein?\" Noch lacht Richard darüber. Doch die Zeitungen, die so etwas schreiben, sind längst überregional geworden. Im UK hat man den Sound von Hard-Fi verstanden. Schließlich gibt es auch dort viele Kids vor für sie leeren Geldautomaten.



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aus Intro #131 (September 2005)
 
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