Felix Laband

Kap der guten Hoffnung

19.07.2005, 11:25, Text: georg boskamp, georg boskamp

Es passiert nicht alle Tage, dass so viel Gutes zusammenkommt: Compost, das völlig zu Unrecht in der Daddelecke vermutete Downbeat-Label aus München, spottet ein großartiges Elektroniktalent im fernen Südafrika. Und eben das beamt mit \"Dark Days Exit\" eine superdeepe Downtempo-Scheibe runter, die sich mitten in unser alljährliches und wirklich sehr unnötiges \"Ja, is das denn der heiße Scheiß?\"-Gefasel schlängelt. Selbst überzeugte Punkrocker könnten an diesem Sound was finden. Kein Wunder - Felix Laband hat nämlich selber eine gehörige Menge Punk-Sozialisation im Gepäck, dementsprechend offen ist sein musikalischer Ansatz.

\"Vielleicht liegt es aber auch an dem chronischen Equipmentmangel hier unten\", überlegt der Künstler am Telefon. \"Meine ersten beiden Alben und über die Hälfte des neuen habe ich zum Beispiel über eine uralte Videogame-Soundkarte in meinen Computer gerockt.\" Das klingt genauso sympathisch wie überhaupt das gesamte Werk des Kapstädters, dessen Cover ein überdimensionierter Totenschädel ziert. Eine gute Versicherung gegen die Lounges und Fahrstühle dieser Welt, samt der damit verbundenen Vorurteile. Lightweight? Nein danke. Ginge auch gar nicht. \"Als weißer Südafrikaner läufst du ständig mit diesen unglaublichen Schuldgefühlen durch die Gegend. Ich mache zwar Instrumentalmusik, aber mit den Tracks kommuniziere ich meine Emotionen nach draußen. Ich weiß, das klingt nach Klischee, aber wenn die europäische Elektronikszene diese Emotionen lesen kann, dann habe ich schon sehr viel erreicht. Es ist nämlich hier unten in diesem Mikrokosmos so gut wie unmöglich, für meine Art Musik eine Standortbestimmung zu kriegen. Ich mache ja keine Worldmusic.\"



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aus Intro #130 (August 2005)
 
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