Art Brut

Nackt

19.07.2005, 11:25, Text: Felix Scharlau, Felix Scharlau

Vordergründig zeigen Art Brut aus Südlondon tatsächlich Parallelen zur Art Brut aus Frankreich (gemeint ist die Kunstrichtung). Das Rohbelassene, Alltägliche und Anti-Hochkulturelle ist auch das Ziel des Quintetts um Eddie Argos. Wobei: In musikalischer Hinsicht wird beim heiß gehandelten Act aus UK zumindest das Originäre bzw. Vorbildlose, das die Kunstrichtung für sich beanspruchte, bewusst umgangen. In der momentanen Musiklandschaft der Allgegenwärtigkeit von einfach allem könnte dieser Eindruck wohl auch kaum entstehen. So haben Art Brut einen ganzen Picknickkorb an Punk- und New-Wave-Referenzen für ihre Debüt-Party namens \"Bang Bang, Rock & Roll\" gefüllt.

Eddie Argos singt darauf wie ein sehr aufgeweckter Mark E. Smith, der zwar auch fast nie Töne trifft, aber zumindest voller Inbrunst performt. Der Grund dafür ist recht banal: \"Ich kann halt nicht singen\", betont er im Interview mehr als ein Mal. Und: \"Ich kann nur über mich schreiben. Ich weiß, dass keine wichtigen Dinge auf der Platte verhandelt werden, es geht nur um das, was ich fühle. Ehrlich.\" Genau hier bekommt die Platte auch bisweilen etwas Schräglage. Die direkte Art des singenden Ichs, das uns alles - und sei es noch so banal - mitzuteilen hat, dabei aber, ganz im Sinne der Band, völlig unchiffriert daherkommt, strengt bisweilen auch an. Bei Songs wie \"Formed A Band\" (\"we formed a band, look at us!\") oder \"Good Weekend\" (\"We went through the front door / up the stairs, through the bedroom door / onto the bedroom floor / I've seen her naked / twice!\") will man das Schlüsselloch, an das man da geprügelt wird, gerne für einen Moment überkleben. Auf Albumlänge zieht dieser herrlich energetische Flow dann aber doch rein. In dieses Seelen-Striptease-Rock-Musical, das doch gar keines sein will.



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aus Intro #130 (August 2005)
 
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