Death From Above 1979

Wie die Tiere

13.07.2005, 18:19, Text: Till Stoppenhagen, Till Stoppenhagen

Es ist das etwas andere Leben am Limit, von dem Jesse Keeler erzählt: Musikalisch bewegt er sich als Bassist der kanadischen Noise-Rocker Death From Above 1979 in den äußersten Regionen des Zumutbaren, irgendwo hinter Noise-Rock und kurz vor Grindcore. In seinem Lebensalltag hingegen schrammt er knapp oberhalb der Armutsgrenze entlang. Sein Bandkollege Sebastien Grainger und er sind mehr oder weniger permanent auf Tour, um von der Hand in den Mund leben zu können, und \"Tour\" hieß bei der vor vier Jahren gegründeten Band: Tausende Kilometer in einem alten Van (in den Anfangstagen noch in einem Kleinwagen), den Kofferraum voll mit einem Bass und einer Hand voll Becken, den Rest des Equipments vor Ort im Club von den anderen Bands zusammenleihen, leben wie Tiere, und das alles für selten mehr als 100 Dollar am Abend - Lektionen in Demut statt Glam und Glitter.

So exzessiv Jesse als Musiker, insbesondere als Live-Performer ist, so pragmatisch und abgeklärt ist sein Blick auf seinen Berufsalltag: \"Zum Glück sind wir nur zu zweit. Das macht dann 50 Dollar pro Gig, und Sebastien und ich wissen beide, wie man mit so wenig Geld hinkommt.\" Kein Zynismus, keine Verbitterung - auch dann nicht, wenn er erklärt, wie es zu der Entstehung des Zweiergespanns kam: \"DFA79 entstanden aus meiner alten Band Femme Fatal, einer fünfköpfigen Punk/Hardcore-Band, in der auch Sebastien mitspielte. Irgendwann wollten wir auf Tour, weil wir in Toronto keine Auftrittsmöglichkeiten bekamen. Das war aus Kostengründen aber nicht drin. Also machten Sebastien und ich ein Nebenprojekt auf. Mittlerweile wissen wir: Das ist es, wir brauchen nicht mehr.\"

Was der wuchtige Sound des Debütalbums \"You're A Woman, I'm A Machine\" unmissverständlich bestätigt. Die druckvollen Riffs von Jesses schmerzvoll verzerrtem Bass erinnern an den heruntergestimmten Minimal-Rock der \"Desert Sessions\"-Clique um Josh Homme, doch fehlt DFA79 jedwedes Laid-back-Wüsten-Feeling: Immer wieder ufern ihre meist tanzbaren Songs aus in schnelles, hektisches Geknüppel mit überkippenden Kreisch-Vocals, dargeboten mit einer exzessiven, physischen Live-Performance. \"We can outdance the others, and we can outmetal them, too\", bringt es Jesse auf den Punkt.

\"Das Studio ist der Ort, an dem wir unseren Perfektionismus ausleben können\", erklärt Drummer Sebastien, \"live zu spielen ist ... ein Rodeo.\" Dazu liefert Jesse gleich den theoretischen Überbau: \"Wir sind auch nicht anders als Tiere. Alles, was wir machen, dreht sich, wenn du es zurückverfolgst, immer wieder nur darum, zu fressen und uns fortzupflanzen. Wir Menschen machen diese simple Tatsache bloß immer so kompliziert.\" Wogegen DFA79 nun ein brutal grelles Fanal gesetzt haben: Fressen und ficken - war da sonst noch was?



Artikel kommentieren
aus Intro #130 (August 2005)
 
  • Mehr Infos

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
  • MEIST GEKLICKT

  •  
 
Anzeige
 

INTRO-TV

K.I.Z. schauen fern - Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang

K.I.Z. schauen fern

Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang
... mehr

 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]

 

Gruppen


Wir lästern nicht, wir stellen nur fest!!

Wir lästern nicht, wir stellen nur fest!!

guccibrille pradajäckchen uns gehts super!

» Mehr Gruppen