The Tears

Tausend Tränen tief

13.07.2005, 17:50, Text: Anja Reinhardt, Anja Reinhardt

Brett Anderson und Bernard Butler machen also wieder zusammen Musik. Vor dem Interview wird freundlich darauf hingewiesen, die - durchaus öffentlich ausgetragenen - Meinungsverschiedenheiten der beiden doch bitte nicht im Interview zu thematisieren. Das sei ja nun schon lange her, und man wolle sich auf Kommendes konzentrieren. Im Interview stellt sich der Hinweis auf diese Befindlichkeiten als absolut unnötig heraus, denn Brett Anderson scheint in den ersten 15 Minuten über nichts anderes als genau dieses Thema sprechen zu wollen. \"Bernard war der Erste, den ich nach der Auflösung von Suede angerufen habe. Ich hatte immer das Gefühl, dass wir noch was zu klären haben.

Und ich war mir sicher, dass zwischen Bernard und mir immer noch diese gewisse kreative Kraft ist.\" Diese kreative Kraft hat uns in den 90er-Jahren so großartig überschwängliche Songs wie \"New Generation\" oder \"Animal Nitrate\" beschert. Damals war Brett einer der größten Junkies Londons, \"immer auf der Suche nach dem nächsten Schuss\", wie er selbst sagt. Heute ist er clean. Während Chili-Peppers-Sänger Anthony Kiedis sich andere Drogen gesucht hat und nun Sauerstoff und Trampolin-Springen für die größten aller Kicks hält, ist Anderson noch auf der Suche - während des Gesprächs vermittelt er den Eindruck einer tief sitzenden Traurigkeit. Vielleicht deswegen der - zugegebenermaßen etwas dämliche - Bandname.

Diese Traurigkeit wird auch auffällig, wenn er vom Scheitern von Suede spricht. \"Das hat mich einfach nicht mehr inspiriert. Ich kann Bands nicht verstehen, die immer weiter machen, nur weil es irgendwie läuft.\" Die Inspiration hört ganz offensichtlich auf den Namen Bernard Butler. Anderson ist sich sicher, dass nur aus der explosiven Atmosphäre zwischen den beiden wirklich gute Songs entstehen können. \"Die Leute sind absolut besessen von der Frage, ob Bernard und ich Freunde sind oder nicht. Was spielt das schon für eine Rolle? Für uns ist das keine Frage, wir machen einfach unsere Arbeit. Menschen, die miteinander befreundet sind, werden niemals kreatives Potenzial entwickeln. Du brauchst jemanden, der dich herausfordert. Die besten Beziehungen müssen sogar eine gewisse Spannung mit sich bringen. Wenn man alle Streitigkeiten ausdiskutieren würde, käme sterbenslangweilige Musik dabei heraus.\" Man denke an ähnlich getaktete Beziehungen wie die von Damon Albarn und Graham Coxon oder den Gallagher-Brüdern.

\"Here Come The Tears\" ist trotz anderer Vorzeichen ein astreines Suede-Album geworden. Pathos in den Melodien, Bretts sich nach oben zwirbelnde Stimme, gepaart mit vielen \"Ooohs\" und \"Aaahs\". Das weiß auch Anderson. Vielleicht ist diese Traurigkeit einfach auch nur Resignation, dass aus der wieder belebten Feindschaft mit Butler vielleicht doch nicht das ganz Große herausgekommen ist.

Wir verlosen einen großen Stapel 'Lovers'-Singles von The Tears. Zur Teilnahme an der Verlosung schickt einfach eine Mail mit dem Betreff 'The Tears Lovers' an verlosung@intro.de. Einsendeschluss ist der 22.08.05.



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aus Intro #130 (August 2005)
 
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