Ida

Downlowed

23.06.2005, 11:46, Text: Felix Scharlau, Felix Scharlau

Konstanz, auch in Sachen Stil, schadet ja im Musikgeschäft bekanntlich selten – obwohl das Gegenteil (Innovation und somit Veränderung) ständig gefordert wird. Nächste Regel, genauso richtig: Es gibt in einem konkreten musikalischen Segment häufig immer nur einen Künstler, der einen Großteil der Beachtung abbekommt, obwohl neben ihm etliche andere die gleiche schöne Musik oft noch besser machen. Was beides mit Ida zu tun hat? Nun, die 1992 in New York gegründete Band um Daniel Littleton und Elizabeth Mitchell bleibt sich einerseits auch auf dem neuen Album “Heart Like A River” wieder mal stilistisch treu. Problem andererseits: Sie steht, zumindest in Indie-Deutschland, deutlich im Schatten einer anderen Band, die mit jedem Album von der Presse auf Händen getragen wird: Low.

Nicht, dass die das nicht verdient hätten. Aber ein wenig verwundert es schon, wenn man mit der weitaus weniger bekannten, aber der Lows frappant ähnelnden Musiksprache von Ida konfrontiert wird: schlichter, sakral wirkender, wunderschöner Mann/Frau-Gesang, eine bpm-Zahl, die höchstens nur noch auf zwei Zylindern läuft, und Indie-Orchester-Romantik bis zum Horizont. Obwohl: Neben Songs wie “Honeyslide”, wo Ida fast schon befremdlich wie eine sehr gute Mimi-Parker- und Alan-Sparhawk-Kopie klingen, zeigt gerade die neue Platte mehr Bewegung und stilistische Aufbrechung als das gesamte Oeuvre Lows. Was so schwer aber bekanntlich auch nicht ist. Harmonium, Akkordeon, Cello, Bratsche – vom Korsett der Minimalisierung, von artifiziell anmutender Slow-Core-Hermetik findet sich bei Ida keine Spur. Übrigens: Indiehausen ist nicht das Ghetto, und die USA sind im Prinzip auch nur ein Dorf: Ida und Low kennen sich schon ewig und sind gut befreundet. Eine Split-Single ist bereits erschienen. Und wer die besitzen sollte: Bitte die Seitenbeschriftung beachten.



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aus Intro #129 (Juli 2005)
 
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