Carsten Meyer

Das hören die Stars privat

22.06.2005, 12:41, Text: marco fuchs, marco fuchs

“Ich wollte eine Platte machen, die ich selber gerne im Hintergrund laufen lasse, wenn ich vorm Computer sitze oder zeichne. Es gibt ja sehr viele Leute, die sehr viele Alben veröffentlichen, die sie sich selbst nie anhören. Von dieser Platte weiß ich, dass ich sie mir gerne anhören werde.”

Carsten Meyer, seines Zeichens Erobique, International-Pony-Drittel und eminent präsenter Gaststar auf ca. 20.000 Alben anderer guter Menschen, ficht das Florett des wohltemperierten Understatements auf seine Weise, denn “Keil Stouncil À Paris”, sein – man mag es kaum glauben – Debüt-Soloalbum, taugt allenfalls als Hintergrundmusik im Pop-Himmel mit Honig, Wein und dem ganzen anderen geilen Scheiß.

Aus unzählbaren Songskizzen hat Meyer dafür die besten ausgewählt, ihnen gemeinsam mit seiner Freundin cremige Titel wie “Aufgewacht Im Miniatur-Europa” oder “Treffpunkt Bruxelles-Midi” aufgemalt, und fertig war der feuchte Chanson-Soundtrack für Frühling, Sommer, Herbst, Winter und was man sich sonst noch so als Kenner ausdenken kann. Vor den ganzen französischen oder italienischen Granden dieses Genres, die einem dazu einfallen, hat Meyer selbst zu viel Respekt, um sie als Referenz zu nennen, und ich zu viel Hochachtung vor ihm, um ihn dank Einordnungen nicht alleine auf dem Thron stehen zu lassen. Als Mann von Stil und Würde kann er aber auch damit umgehen: “Ich bin schon viel kleiner geworden, weil ich mir selbst andauernd auf die Schulter klopfe.” Na also.

Herauskommen wird das Album übrigens über Staatsakt, das Label der hybriden Pop-Checker Die Türen. “Ich kenne Maurice schon aus dem Sandkasten. Unsere Mütter waren beide bei den Frauenschützen in Darup, Westfalen. Gunne schulde ich noch 500 Mark für einen gemeinsamen Fischmob-Remix von 1998, also war es keine Frage, das Album auf Staatsakt herauszubringen”, erklärt Meyer. Wie menschlich die Pop-Uhren 2005 doch so ticken. Ausruhen im Glamour-Schaumbad gilt aber nicht: Die Arbeit am sehnlichst erwarteten zweiten International-Pony-Album ruft ohne Pause, und mit Eifer wird zudem an einer richtig altmodischen Bandplatte (Schlagzeug, Bass und Gitarre) mit Freunden gewerkelt. Salamander Meyer heißt das Ganze, und Meyer spielt natürlich Klavier. “Darauf freue ich mich schon sehr.” Und wir erst.



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aus Intro #129 (Juli 2005)
 
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