Common

Be Boy

21.06.2005, 18:29, Text: Uwe Buschmann, Uwe Buschmann

\"If you don't understand A Tribe Called Quest, you don't understand HipHop\", sagte einst KRS-One. \"If you don't respond to Rakim's lyrics, you don't understand Rap\", lässt sich Public-Enemy-Mitglied Chuck D gerne zitieren. Und 2Pac und Notorious B.I.G. rufen unisono Folgendes vom Himmel herab: \"Nobody up here pays attention to Nelly or 50 Cent.\"

Alle drei Quotes sind freilich ausgedacht - können aber trotzdem als handlungsleitend für Commons neues Album \"Be\" angesehen werden. Es ist ein Album der Rückbesinnung geworden. Aber beginnen wir von vorne, das Entscheidende an \"Be\" hört man nämlich gleich am Anfang: Kaum hat der erste Track so richtig Fahrt aufgenommen, der Bass swingt, eine kühne Synthie-Line frohlockt und der Reim fließt, da bricht der Song abrupt in der Mitte ab.

Aus. Vorbei. Unglaublich - und das bei einem Track, für den jeder im HipHop-Biz seine Seele verkauft hätte. Doch Common und sein Producer KanYe West erlauben sich den Luxus dieser einmaligen Verschwendung. Luxus ist bei Common eben nicht das Anhäufen von Reichtümern nach der erfolgreichen Verwandlung vom Gangsta-Rapper zum ghettosmarten Businessman, sondern die Existenz und der verschwenderische Umgang mit einem gewaltigen Überschuss an Kreativität. Wer damit gesegnet ist, der muss sich geradezu die künstlerische Freiheit nehmen, ohne dabei die aktuellen Trendcharts im Kopf zu haben.

Diese ausgelebte Freiheit überrascht jedoch insofern erst mal, als dass Commons letztes Album \"Electric Circus\" trotz toller Kritiken ein ziemlicher Flop war. Allein die Anwesenheit von KanYe West, der auf Grund seiner massiven Erfolge als Produzent und Solo-Artist momentan eine Carte Blanche hat, soll Common also wieder auf kommerziellen Kurs bringen - ein Gedanke, der besonders Sinn macht, da West das Album auf seinem eigenen Label Getting Out Our Dreams veröffentlicht. Bei genauerem Hinschauen sieht man allerdings, dass es nicht nur die Carte Blanche richten soll: West hat ein wesentliches Element gegenüber dem Vorgänger verändert: Er hat Common dazu gebracht, sich auf seine wahren Stärken, die im straighten, storytellenden Rap liegen, zu besinnen: \"Vielleicht wollte ich zu viel mit 'Electric Circus'? Die Zeit muss zeigen, was die Platte wirklich wert ist. Ich wollte zurück zu den HipHop-Wurzeln. KanYe West rief mich des Nachts an. Ich solle sofort ins Studio kommen, um einen Take einzuspielen, er habe den perfekten Beat für mich. Das war der Anfang zu 'Be'. Ich wollte wieder an die HipHop-Zeiten von Gang Starr, A Tribe Called Quest oder Pete Rock erinnern. Der echte Soul in dieser Musik sollte zurückkommen. Meine Lyrics sind dabei wie Drehbücher für einen Kinofilm. Nach dem Song 'Real People' sagte KanYe West: 'Ich glaube, das Album wird dein 'Let's Get It On'.' Ich verneinte, weil man sich nicht mit Marvin Gaye messen sollte. Aber wenn ich mir jetzt mein Album-Cover so anschaue ...\"



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aus Intro #129 (Juli 2005)
 
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