
Röyksopp
Freiheit mal zwei
21.06.2005, 18:27, Text:
arno raffeiner,
arno raffeiner
\"Triumphant\" nennt sich ganz unbescheiden das Eröffnungsstück von Röyksopps zweitem Album. Ein einsames Piano steigert sich darin langsam zu hochdramatischem, euphorischem Bombast. Dieser Opener könnte als nachträgliche Vertonung der ebenso unerwarteten wie unglaublichen Erfolgsgeschichte ihres Debüts gelten. \"Melody AM\" kam 2001 aus dem Niemandsland zwischen 60er-Filmscores, 80er-Clubsounds, Downbeat und Pop und verkaufte sich bis dato eine Million Mal. \"Das hat man uns zumindest gesagt\", meint Torbjorn Bruntland, der Redseligere des norwegischen Duos. Sein Partner Svein Berge zieht es vor, in einer anderen Ecke des Raumes an seinem Laptop herumzumachen und so gut wie gar nichts zu sagen.
Röyksopps zweites Album klingt, wie abzusehen, um einiges perfekter, ausgearbeiteter und pompöser als \"Melody AM\", die gewisse Unschuld, die das Debüt ausstrahlte, geht in dieser Perfektion verloren. Die Grundkonstanten des Klanguniversums bleiben jedoch dieselben: regelrechte Kaskaden warmer Sounds und Beats, Herzschmerzmelodien und Gänsehautdramaturgie. \"Du hast Recht, wir sind zu weit gegangen\", scherzt Torbjorn auf die Frage nach dem Mehr an Schichtungen und Melodien. Die Prüfung des schwierigen zweiten Albums, speziell nach einem solchen Erfolg, haben sie aber zweifellos bestanden. \"Triumphant\" könnte also auch die Hymne zum Sieg über diese Herausforderung sein, über die tonnenschweren Erwartungen, über sich selbst. Doch Torbjorn wehrt ab und setzt die interpretative Offenheit des Kunstwerks und die Freiheit seiner Autoren dagegen: \"Es wird immer Erwartungen von anderen Leuten geben, z. B. auch die Erwartung der Plattenfirma, die wohl hofft, dass dieses Album ein noch größerer Erfolg wird. Aber das sind Dinge, die wir nicht wirklich zu kontrollieren versuchen. Wir haben da einen etwas egoistischen Zugang: Wir machen einfach, was wir wollen, schließlich haben wir auch die Möglichkeit und die künstlerische Freiheit, das zu tun. Da wir schon so viel mehr erreicht haben, als wir uns je erträumten, was haben wir denn zu verlieren? Um ehrlich zu sein: Wir fühlen, dass wir noch mehr Freiheit haben. Jetzt scheint alles möglich.\"
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