Epo-555

Frühreif

21.06.2005, 18:00, Text: Jürgen Dobelmann, Jürgen Dobelmann

“Es gab nicht einen Moment mit Mikkel im Studio, der nicht wirklich aufregend gewesen wäre”, schwärmt Ebbe Frey. Und das will mal echt was heißen: Fast drei Jahre – also länger als eine herkömmliche bundesdeutsche Ehe – verbrachte der Bassist der jüngsten dänischen Indie-Pop-Sensation Epo-555, der die eigene Bürgerlichkeit gerne mit Phantasie-Ehrentiteln wie “Sir” und “le grand consomeur” aufhübscht, gemeinsam mit Mikkel (Hr. Baron von) Max Hansen und Co. im Studio, um die Arbeiten am Debütalbum der Band abzuschließen. Das gute Dutzend Stücke, die die Aufnahmen hervorbrachten, bildet aber offensichtlich nur den musikalischen Backdrop zum Leben und Wirken des “spiritual terrorist” Dexter Fox, dessen Namen das Werk trägt.

“Er ist einer von zwei Hauptcharakteren auf dem Album”, erklärt Ebbe. “Dexter kämpft für das, was er unter Gerechtigkeit versteht. Gleichzeitig bemüht er sich, Angelinas Herz zu gewinnen. Das ist die zweite Hauptperson.” So unerträglich eine derartige narrative Konzeptionalisierung bei jeder mittelmäßig begabten Band wäre, das skandinavische Quartett macht den märchenhaften Schabernack mit musikalischer Brillanz mehr als wett. Mit einer für ein Debütalbum fast schon bedenklichen Profundität reiht sich ein Indie-Pop-Wunderwerk ans nächste. Eine Supergroup aus Boo Radleys, Slowdive und The Notwist hätte das wohl auch nicht besser hingekriegt. Ebbe kann’s erklären: “Erstens: ‘Dexter Fox’ ist nicht das erste Album, das Mikkel und ich zusammen produziert haben. Zweitens: Wir haben uns sehr, sehr viel Zeit damit gelassen. Es ist eher die Ausnahme, dass man so lange an seinem ersten Album arbeiten kann.” Das muss wirkliches Talent sein: Bei jedem anderen wäre nach einer solchen Produktionsphase vermutlich nur völlig überproduzierter Mumpitz rausgekommen.



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aus Intro #129 (Juli 2005)
 
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