
Got The Look!
Zweimal hinsehen
15.06.2005, 12:55, Text:
arno raffeiner,
arno raffeiner
Pop Art verstaubt schon seit den 60er-Jahren in Museen, doch die nahe liegendste Popkunst hängt immer noch an der nächsten Straßenecke. Konzertplakate, die genau in den 60ern durch Psychedelia einen wahren Boom erlebten und in schillernden Farben und Formen Bands nicht nur ankündigten, sondern deren Sound und Aura grafisch umsetzten, haben nach wie vor mit dem Stigma bloßer Werbe- und also Gebrauchsobjekte zu kämpfen. Heute darf vielleicht mal das Cover von \"Sgt. Pepper\" Material für eine kunsthistorische Analyse abgeben, doch Plakate bleiben im Normalfall ein paar Tage lang da hängen, wo sie eben hängen, ohne besondere Beachtung ihres künstlerischen Ausdrucks.
Viele der gezeigten Plakate sind in ihrem Wortlaut auf den ersten Blick gar nicht zu entziffern, aber das grelle Leuchten ihrer Farben, die rätselhaft geschwungenen Linien geben all jenen, die in the know sind, sofort unmissverständliche Signale. Sie markieren als spezifischer subkultureller Code Ein- und Ausschluss innerhalb verschiedener Szenen und sind zugleich deren verlängerter Style-Arm in der Öffentlichkeit - nicht bloß funktionales Lettering auf Durchzugsstraßen. Die Grafik der Popmusik kommuniziert über Schlüsselreize, die von der Musik gar nicht zu trennen sind, da sie erst gemeinsam Pop als soziale Praxis konstituieren. Auch in der Ausstellung soll deshalb Grafik mit Musik zusammenspielen: Eine Auswahl der angekündigten Bands begleitet akustisch die Ausstellung. Die grafische Sprache der Plakate wird hörbar, die Musik visuell erlebbar.
Got The Look! Grafik der Popmusik Köln, Museum für Angewandte Kunst 15.07. bis 18.09. www.you-got-the-look.de
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