
Black Eyed Peas
Balanceakt in Richtung Mainstream
21.05.2005, 18:11, Text:
Jan Kage,
Jan Kage
Die Black Eyed Peas melden sich mit ihrem vierten Album “Monkey Business” zurück und belassen alles beim Alten: eingängige Melodien, tanzbare Grooves und verdauliche Texte – never change a winning team. Von Anfang an gelang den BEP der Balanceakt zwischen HipHop-Authentizität und Chartsappeal, auch wenn die Waagschale sich sukzessive immer weiter Richtung Mainstream neigte. Wirklich böse ist den – seit dem letzten Album “Elephunk” um Sängerin Fergie zum Quartett gewachsenen – Kaliforniern niemand. Geschickt verbinden sie auch auf ihrem neuen Album Popsongs und HipHop-Tracks – und arbeiten dabei auf der einen Seite mit Leuten wie Sting, Justin Timberlake oder James Brown zusammen, featuren auf der anderen aber auch Q-Tip und Talib Kweli.
Taboo: Als wir mit “Elephunk” auf Tour waren, sind wir durch viele Länder gereist, haben wenig Schlaf gekriegt, dreimal am Tag performt, und wenn wir auf die Bühne sind, war es immer so: “Los, Affe! Tanz!”
Fergie: Wir fühlten uns wie Zirkusaffen. Wir wurden um die Welt geschickt. Aber jetzt endlich haben sie eingesehen, dass wir Schlaf brauchen, um das alles leisten zu können. Das zum einen. Zum anderen waren wir einmal im Van auf dem Weg zur Show, und die Leute liefen auf den Van zu und klopften auf den Wagen, hielten ihre Kameras hoch und so. Wir saßen einfach da und wussten nicht, was wir tun sollten. Und Taboo sagte ...
T: Ich sagte: “Verdammt, ich fühl mich wie ein Affe im Käfig!” Wir versuchten zu relaxen, und auf einmal wird der Van geschaukelt, Kids drücken ihr Gesicht ans Fenster und so weiter. Es war eine Erfahrung, also nannten wir es “Monkey Business”.
Ihr wirkt in allem, was ihr gemacht habt, von Anfang an sehr professionell. Es war nicht wie beispielsweise beim Wu-Tang Clan, deren erstes Album “36 Chambers” einfach dreckig-rotten klang und die nach und nach das Producer-Handwerk lernten und später dann diesen Profisound hatten. Ihr hattet den schon direkt und auch die Songwriting-Qualitäten. Wie viel Konzept steckte bereits anfangs dahinter?
T: Wir haben immer mit einer Liveband gespielt und haben die deswegen auch in die Songs integriert, um den musikalischen Faktor weiterzutreiben. Wir wollten nicht einfach eine Rapgruppe sein, die darüber rappt, was sie tut. Die Phase hatten wir auch: Wir sind zu Open-Mic-Sessions in L.A. gegangen, dieses “Backpack-Ding” – ich hasse die Bezeichnung –, das war unseres. Wir hatten immer Wachstumspotenzial und bewahrten uns den Hunger. Und wir lernten als Produzenten und Musiker immer dazu.
Eure Stücke sind nicht wirklich Tracks, sondern eher klassische Songs mit Refrain und Bridge.
F: Definitiv! Es ist einfach ein Riesenunterschied, wenn du mit einer Liveband tourst und diese ganzen Töne hörst. Die Musiker geben dem Sound sehr viel Leben, das man auch auf der Platte unterbringen will. Wir haben keine Angst, die Grenzen zu weiten. Bollywood über HipHop? Lass machen! Es gibt bei uns nicht wirklich Regeln.
Ich glaube auch, das ist ein Schlüssel eures Erfolges, weil die Instrumente die Musik für viel mehr Leute zugänglich machen. Wenn man die Skala vom Backpack-HipHopper, der es roh und pur mag, bis zum Popgame zieht, wo würdet ihr euch da selbst sehen?
T: Ich finde, wir sind außerhalb der Grenzen, die gibt es für uns nicht. Wir sprechen B-Boying an, weil wir breakdancen, und das ist eine wichtige Essenz von HipHop. Dann gibt es MCs, die anerkennen, dass wir B-Boys sind und rappen können. Dann können wir auf eine Welttour gehen und mit Blink 182 und Suicidal Tendencies unten sein und von denen als Band, Musiker, Entertainer und Performer anerkannt werden.
F: Und die Show ist live! Da gibt es Crowdsurfen, Stagediven – es ist fast wie eine Rockshow. Wir sind fast die rockandrolligste HipHop-Band, die es gibt. Ich bin echt glücklich, weil ich bei den Shows rockandrollige Sachen machen kann, die bei einer einfachen HipHop-Band mit DJ nicht möglich sind. Diese Band hat relevante Grenzen erweitert, weil wir alle einen eklektischen Musikgeschmack haben.
Lasst uns ein bisschen über euren Style-Aspekt sprechen. Schon auf den ersten Fotos trugt ihr diese Reiterhosen und die hohen Stiefel, die du auch heute anhast. Habt ihr euren eigenen Designer?
T: Mein Partner will.i.am hat eine Firma, und im Grunde designen die, was wir Jungs tragen. Ich selber bring auch gerne Martial-Arts-Details mit rein. So möchte ich mich der Welt präsentieren: Ich will der erste Latino-Martial-Arts-Mann in Hollywood werden. Keiner hat das bisher geschafft. Ich habe meinen Style auch in das beliebte “Inside Kungfu”-Magazin gebracht. Ich hab mal den Percussionisten von “Kungfu Fighting” kennen gelernt. Dem haben sie in London in den 70ern 200 oder 300 Pfund für die Studiosession gegeben, und das war alles, was er je gekriegt hat. Und das Ding wurde ein Welthit! Mal eben in zwei, drei Stunden aufgenommen.
F: Ja, so ist das manchmal. Man kann das nicht planen. Genau. Um zu eurer Musik zurückzukommen: Ihr arbeitet oft mit Interpolation: Man nimmt eine bereits etablierte Melodie und singt drum herum. Und weil die jeder kennt, geht sie sofort rein. So kann man Hits dann doch planen. Arbeitet ihr bewusst mit solchen Mitteln?
T: Ich würd einfach sagen, wir holen uns eine Menge Inspiration aus den 80ern. Der Grund, warum wir so was benutzen, ist, dass wir dem Respekt zollen, wo wir herkommen, und der Musik, mit der wir aufgewachsen sind: den 80ern. F: Du kannst ein nostalgisches Gefühl von einem Sample kriegen. Wir legen damit eine Referenz, ändern es aber ein bisschen. So kriegt man die Idee, woher es kommt, und diejenigen, die Bescheid wissen, erkennen es. Du machst es dir zu Eigen.
Das kann aber auch nach hinten losgehen. “Shut Up” beispielsweise fand ich zuerst, auch wegen des Videos, lustig, konnte diese Hook aber einfach nicht mehr hören. Man hat die im Kopf. Und da geht sie nicht mehr raus. Und dann hasst man das Lied – entschuldigt bitte, ihr seid echt nette Leute, aber so ist es.
F: Klar.
Ihr habt auf euren Alben immer sehr viele poppige Lieder, packt aber auch noch was für die Heads mit drauf. Etwas für den HipHopper, etwas für die Charts – stellt ihr so eure Alben zusammen?
T: Nicht extra.
F: Alles in allem kompiliert man am Ende sein Album vielleicht so. Wir hatten mehrere Songs mit sozialen Themen. Aber die können wir nicht alle auf die Platte packen, sonst wären wir Public Enemy, wenn wir nur über politische Themen sprächen. Nichts gegen Public Enemy, die sind legendär und beeindruckend, aber wir gehen halt auch gerne in den Club und spacken rum. Und das muss da auch drauf, weil es ein Teil von uns ist.
Eins muss ich noch fragen: Kennt ihr Sigue Sigue Sputnik?
F: Mein Ex-Freund hat mir die vorgespielt!
Die haben diese Provokation des Punk genutzt und sind so in die Charts gekommen. Auf ihrem Album haben sie zwischen den Liedern Werbung gemacht – für Shampoo, Gel und Teeniehefte oder so. Daran musste ich denken, als ich euer Video zu “Let’s Get It Started” gesehen hab. Der Song hört auf, man sieht ein Handy, dann geht’s weiter. Damals war das eine bewusste Provokation von Punks, die in den Mainstream crossten. Als ihr das gemacht habt, wirkte das weniger wie gezielte Provokation als vielmehr wie ein Businessmove. Wie kam das Handy in euer Video?
F: Nun, das Business ist heute ein anderes. Die Plattenfirmen zahlen nicht mehr so viel für Videos, weil sie nicht mehr so viel Geld machen. Deswegen holen sich immer mehr Künstler Hilfe von außen, um die Videos zu zahlen. Das Visuelle ist für unsere Band eine wichtige Sache. Die Jungs hatten immer großartige Videos. Diesen Qualitätslevel zu halten, bedeutet, diese Leute zu kriegen: Wir halten ihr Telefon ins Bild, und die buttern ‘nen dicken Haufen Geld rein.
T: Aber wir machen das mit Leuten, bei denen es für uns Sinn macht. Zum Beispiel mit Best Buy, einer großen Elektrokette in den Staaten. Wie könnte man die Black Eyed Peas besser promoten als durch Best Buy, wo du hingehst, um die neueste Technik und CDs zu kaufen. Wir haben was für die NBA und was mit der NFL gemacht. Wir machen was mit Leuten, mit denen uns was verbindet. Wir haben eine Kampagne für John Kerry gemacht.
Hat leider nicht geklappt!
T: Es hat nicht funktioniert, aber wir haben es versucht.
Indem ihr es so offensichtlich macht, ist es wieder ehrlich.
F: Na ja klar! Wir haben nichts zu verstecken.
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