Platinum Pied Pipers

Put some paint where it ain’t

21.05.2005, 10:47, Text: Sonja Eismann, Sonja Eismann

“Ew, we hate that!” Die zwei Platinum Pied Pipers Waajeed und Saadiq verziehen das Gesicht, als ich sie frage, ob sie das Neosoul-Etikett gerne auf ihre Musik geklebt sehen. Die beiden Ur-Detroiter, die erst vor kurzem wegen der besseren Arbeitsbedingungen nach New York gezogen sind, wollen mit ihrer seelenvollen Mischung aus HipHop, R’n’B, funky House und Soul wie der Rattenfänger von Hameln, von dem das Projekt seinen Namen hat, sowohl die anspruchsvollen Underground-Aficionados wie auch die breiteren Massen betören – und diese vor allem für substanziellere Musik, als sie Bling-Bling-überladen durch die Charts spukt, begeistern.

“We just want to put some paint where it ain’t”, umreißen sie ihre Mission, die auch beinhaltet, absichtlich keinen der doofen Parental-Advisory-Sticker, der nur noch über hohlen Phrasen und Posen liege, abzugreifen. Klar abgezirkelte Genre-Zuschreibungen sind dabei nur einengend: “Why look at the apple, when you can look at the tree?” erklärt Waajeed, der zu 95 % für die Kompositionen und die Produktion zuständig ist, während sich der Instrumentalist Saadiq (nicht zu verwechseln mit Raphael Saadiq) um die Live-Umsetzung kümmert, seine Schatzsuche nach essenziell guter Musik. Die führe ihn, abseits von aktuellen Auseinandersetzungen und dubiosen ethnischen Zuschreibungen, immer wieder an die Wurzeln, zu Motown, Blues, Jazz und Rock. Diese Einstellung verbindet sie mit fellow Detroiter Amp Fiddler, der ihnen als eine Art leuchtender Stern gilt, seit sie als Schüler in seinem Haus direkt gegenüber ihrer Highschool abhingen und er durch seine Musikerkarriere lebendes Vorbild für die vielfältigen Möglichkeiten afroamerikanischer Musikfreaks war. Doch wo Amp sich eher an einer Form zeitlosen Souls mit House-Einsprengseln orientiert, klingen die Tracks der Pipers, für die sie – gegen die Skepsis des Labels – einen Haufen beeindruckender fresh talents wie Tiombe Lockheart, Georgia und MC Invincible statt bekannterer Namen ins Boot geholt haben, durch ihre reduziert groovende, deutlich HipHop-orientierte Produktion mehr im Hier und Jetzt verortet. Das ergibt spätestens dann Sinn, wenn man weiß, dass Mastermind Waajeed Anfang der 90er eines der Gründungsmitglieder von Slum Village war – Jay Dee rappt auch in zwei Stücken auf “Triple P” –, dann alles hinschmiss, um sein Stipendium für ein 5-jähriges Auto-Design-Studium anzutreten, nur um dann nach dem vierten Jahr dem verlockenden Angebot einer Europa-Tour mit Slum Village zu erliegen, statt das College abzuschließen. “That was a no-brainer”, grinst Waajeed, denn Amp habe immer so vom Touren in Europa geschwärmt, dass er einfach mitkommen musste. Damit waren die Weichen gestellt – und die Pipers können jetzt mit ihrer brodelnden Live-Show Europa und den Rest ganz für sich erobern.



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aus Intro #128 (Juni 2005)
 
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