
Turin Brakes
Schuhe, Kinder und andere Probleme
21.05.2005, 09:36, Text:
Anja Reinhardt,
Anja Reinhardt
Die drei Probleme, die Gale Paridjanian im Moment beschäftigen, lassen seine Stirnfalte ein paar Millimeter tiefer werden. Da ist zunächst einmal das Schuhproblem: “Wir bemühen uns wirklich, wie Popstars aufzutreten. Ich kam heute hierhin und habe eine Liste mit Anforderungen gemacht. Ich sagte zu den Leuten der Plattenfirma: Wenn ich nach Köln komme, will ich ein paar Birkenstock-Schuhe haben. Nicht für mich, sondern für meine Freundin. Aber weißt du, was passiert? Die lachen mich aus! Wir sind einfach zu nett.”
Vielleicht würden sie sich zu zweit mehr Respekt verschaffen können, aber Gale muss die Interviews alleine bestreiten. Was unser Gespräch auf sein zweites Problem lenkt: Olly sitzt in London bei seiner hochschwangeren Freundin, weil der Nachwuchs jederzeit auf die Welt kommen kann (zwei Wochen nach dem Interview ist Ruby Alexandra Knights dann tatsächlich da).
Mit ein bisschen Wehmut blickt Gale deshalb auf die letzten Monate zurück, in denen “JackInABox” entstanden ist. Nach einem Ausflug in die USA für den Vorgänger “Ether Song” haben sich Turin Brakes entschieden, das dritte Album im Alleingang in ihrer gewohnten Umgebung in London aufzunehmen. “Wir haben so zusammen gearbeitet, wie es uns eigentlich auch entspricht: Olly und ich setzen uns zusammen, sammeln Ideen und arbeiten dann daran. Wir haben es beide nicht weit zum Studio. Das hat alles sehr gut funktioniert.” Wie schon das Debüt “The Optimist LP” klingt auch das aktuelle Album wie aus einem Stück gemacht, die Songs schmiegen sich aneinander.
Gale und Olly kennen sich seit frühen Schulzeiten, sodass sie sich heute symbiotisch ergänzen – und das, obwohl Gale gerne betont, Olly sei so unberechenbar, dass er meistens keinen Schimmer davon habe, was sein Bandkollege als Nächstes mache. Man kann sich gut vorstellen, wie verdutzt er jedes Mal ist, wenn Olly die Intimität mit dem Publikum, die bei Konzerten manchmal entsteht, nicht mehr aushält und einfach von der Bühne verschwindet. Da sitzt Gale dann alleine, und das Publikum verlangt nach Erklärung. Das dritte Problem ist zwar nicht so vordergründig, aber man kann spüren, dass es an ihm nagt. Es hört auf die Namen Franz Ferdinand, Bloc Party und Maximo Park: Das sind die Bands, die nicht nur in Großbritannien in den letzten zwei Jahren maßgeblich die Musikszene geprägt haben. Da will sich die Veröffentlichung des dritten Turin-Brakes-Albums nicht so geschmeidig einfügen. “Wir wollen uns künstlerisch nicht korrumpieren lassen, wir wollen keine Kompromisse eingehen”, meint Gale etwas trotzig. Der eher zurückhaltende Gestus sowohl der Musik als auch der beiden Mitglieder von Turin Brakes ist eben nicht gemacht für das Spektakel.
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