Koufax

Die Muppets-Band

20.05.2005, 23:11, Text: Sascha Ziehn, Sascha Ziehn

Es ist schon lustig, dem Koufax-Pianisten Jared Rosenberg auf dem gut gelaunten neuen Koufax-Album “Hard Times Are In Fashion” zuzuhören. Er haut dermaßen wild in die Tasten, dass einem sofort das Bild eines Klavierkollegen in den Kopf kommt: Rowlf, der niedliche Pelzpianist aus der “Muppet Show”, der beim Spielen immer wild mit den Ohren wackelt. Gitarrist Ben Force und Sänger Robert Suchan schmunzeln angesichts des Vergleichs. Und kontern mit einer Mischung aus Gegendarstellung und Bestätigung.

Suchan: “Nee, wir haben ihn für diese Platte eher dazu gebracht, zu spielen wie Jerry Lee Lewis. Jared sieht auch nicht aus wie ein großer Hund.

Er ist eigentlich sehr cool, raucht beim Spielen permanent und spielt deswegen meistens nur mit einer Hand.” Force: “Aber lustig, dass du das sagst, denn unser Schlagzeuger Ryan hat den Spitznamen Animal, weil er eine ähnliche Technik hat wie der Muppet-Drummer. Ich wäre dann wohl Floyd, der lilafarbene Bassist mit der Sonnenbrille.” Suchan: “Das ist mir jetzt ein bisschen peinlich, aber mir wurde früher immer gesagt, ich würde sprechen wie Kermit.” Da haben wir sie, die erste echte Muppets-Band! Aber ganz so stofftierig sind die Anliegen von Koufax dann doch nicht. Sie haben beispielsweise auf ihrer Website einen eigenen Buchclub, in dem sie einmal im Monat ein Buch vorstellen, das ihnen wichtig ist, und über das sie dann mit den Fans diskutieren – vor allem medienkritische Bücher oder Texte von Noam Chomsky werden hier verhandelt. Und ihr drittes Album ist so was wie ihr “politisches Album” – wobei Koufax mit dem ihnen eigenen Augenzwinkern Stellung beziehen. “Hard Times ...” endet mit den Zeilen: “Call us Canadian, anything but American.” Suchan: “Es hat Tradition in Amerika, sich über Kanadier lustig zu machen. Und jetzt gibt es plötzlich einen so starken Anti-Amerikanismus auf der ganzen Welt, dass sich tatsächlich viele Amerikaner auf Reisen als Kanadier ausgeben. Das ist schon ziemlich komisch. Aber wenn Leute wie George W. Bush für Amerika stehen, dann sind wir eben definitiv keine Amerikaner.” Gut gelaunter Klimperrock und politische Botschaften? Bei Koufax verträgt sich das, weil sie das Politische in ihrer Musik nicht übergewichten. Suchan: “Wir beobachten sehr genau, was in den USA vor sich geht. Und die Erkenntnisse aus diesen Beobachtungen können manchmal sehr deprimierend sein. Aber wir wollen nicht deprimiert sein, wir wollen auch lachen können. In dem Song ‘Why Bother At All’ geht es um die Apathie, die man aufgrund dieser Erkenntnis haben könnte: Warum überhaupt noch wählen gehen, wenn man weiß, dass man betrogen wird? Aber wir sind nicht apathisch und beobachten, dass auch viele andere Leute gerade aus dieser Apathie aufwachen. Das ist die gute Nachricht: Viele Leute beginnen, sich Sorgen zu machen.”



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aus Intro #128 (Juni 2005)
 
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