Lawrence

Selbst eroberte Freiheiten

20.05.2005, 23:10, Text: Lawrence. Selbst eroberte Freiheiten, Lawrence. Selbst eroberte Freiheiten

“Das ist mir ehrlich gesagt egal.” Mit nettem Lächeln und zugleich großer Entschiedenheit wischt Peter Kersten die Frage nach der Gefahr einer drohenden musikalischen Stagnation locker vom Tisch. Und Recht hat er damit. Denn nachdem er auf zwei Lawrence-Alben sein eigenes Techno-House-Terrain durch die Ausformulierung eines unverkennbaren Sounds absteckte, genießt er mit dem dritten, “The Night Will Last Forever” (Dial, Ladomat, Novamute / Emi), die selbst eroberte Freiheit in vollen Zügen: mit verträumten Tanzstücken, fordernden Emo-Hymnen ganz ohne Beats und natürlich vielen seiner heiß geliebten Glockensounds. Ebenso unmissverständlich macht er auch die absurde Gleichung Dial = Emi zunichte, die sich aus dem Rattenschwanz an Firmennamen, den das Logo seines eigenen Labels auf dem Backcover nach sich zieht, irgendwie ableiten ließe.

Lawrence erfüllt mit dieser Platte einfach seinen Zwei-Alben-Vertrag mit Ladomat, und er bleibt trotz des Emi-Logos, das sich über die Lizenzierung an Novamute hereinschleicht, ganz der Alte.

So viel zu den eindeutigen Fakten. Was aber bei Lawrence die Hauptrolle spielt, ist diese faszinierende Unbestimmtheit, die er als zentrale musikalische Kraft feiert. Ein heiterer Peter Kersten gibt Auskunft über die Traurigkeit seiner Musik: “Ich bin zwar ein sehr fröhlicher Mensch, aber so richtig tiefe Freude oder tiefes Ergreifen finde ich doch mehr in nicht ganz bestimmbaren Emotionen. Und Melancholie ist ja auch so was Unbestimmbares. Deswegen funktioniert der Begriff ganz gut, weil er ein Gefühl der Traurigkeit meint, in das man versinkt, das man auf jeden Fall auch bejaht und das man genießt. Eine Traurigkeit, mit der man nicht fröhlich, aber vielleicht glücklich ist.”



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aus Intro #128 (Juni 2005)
 
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