The Robocop Kraus

Die denken, sie seien The Robocop Kraus

20.05.2005, 22:09, Text: Barbara Streidl, Barbara Streidl

Für ihr neues Album “They Think They Are The Robocop Kraus” waren The Robocop Kraus in einem Stockholmer Studio, zusammen mit Pelle Gunnerfeldt, Produzent von The (International) Noise Conspiracy und The Hives. Und da sich Schweden gastfreundlich präsentierte – draußen lag Schnee, und im Studio war es kuschelig warm –, wurden die Aufnahmen in wenigen Wochen fertig. Pelle Gunnerfeldt und die Robos seien ein gutes Team gewesen, begründen Bassist Tobias Helmlinger und Gitarrist Matthias Wendl ihre kurze Studiozeit; darüber hinaus wurden alle Arrangements und die Stückabfolgen bereits im Proberaum-Vorfeld angelegt.

Ob es das neue Tempo war, Gunnerfeldts Faible für Punkgitarren oder das gemütliche Studiosofa, dem Album hat die neue Arbeitsweise gut getan: Kompakt und ohne Schnörkel treibt es die Beine jedes Joggers voran, der sich The Robocop Kraus in den iPod geladen hat. Die Songtexte hingegen könnten den Läufer zum Stolpern bringen; das Stück “After Laughter” etwa bezieht sich auf Thomas Bernhards Buch “Der Untergeher”, in dem von einer Existenzmaschine die Rede ist, die mit Menschen gefüttert wird. Ein Feuilletonthema? Matthias und Tobias fordern einstimmig: “Das gehört auch ins Musikmagazin!” Zusätzlichen Diskussionsstoff wirft der Albumtitel auf: “They Think They Are The Robocop Kraus” – sind sie es nun, oder tun sie nur so? Die Frage nach der Identität sei ein reizvolles Thema, gibt Tobias zu. Nicht nur die Kleidung unterstütze die Identitätsfindung einer Band – derzeit treten die Robos nach einer Anzugphase in casual wear auf –, auch der Name einer Platte helfe dabei. Musiker seien Kunstfiguren, die in eine Rolle schlüpfen, wenn sie eine Bühne betreten. So weit wie Kiss werden die Nürnberger nicht gehen, aber die Möglichkeit, dem Zuhörer und Betrachter einen großen Interpretationsspielraum zu bieten, gefällt ihnen offensichtlich.

Seit etwa einem halben Jahr haben The Robocop Kraus mit Hans-Christian Fuss einen neuen Schlagzeuger (u. a. auch bei Hidalgo). Der frühere, Johannes Uschalt, hatte seine Musikerkollegen damit überrascht, dass er Vater werde und deswegen keine Zeit mehr für die Band fände. Das stürzte alle in eine Krise, einerseits, weil diese Nachricht keineswegs angekündigt kam, andererseits, weil niemand wusste, wie es ohne Uschalt weitergehen sollte. Eine Band sei wie eine Familie, meint Tobias, anders ginge das auch gar nicht. Und schwierig wird es, wenn einer die Familie verlassen möchte. Inzwischen hat sich der neue Schlagzeuger so gut eingelebt, dass die Robos sich Träumen nach einer Gastmusikerin hingeben: einmal mit Kate Pierson von The B-52’s “Concerned, Your Secular Friends” spielen. Auf der Platte singt Betty Mugler von Hidalgo bei diesem Stück, was auch großartig ist, wie beide beteuern.



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aus Intro #128 (Juni 2005)
 
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