The Coral

Teenage Kicks

18.05.2005, 19:33, Text: Anja Reinhardt, Anja Reinhardt

Dass Popmusik in England viel mehr fester Bestandteil der Alltagskultur ist als bei uns, das ist nichts Neues. Angesichts des Interviews mit The Coral zur dritten Platte der Band, “The Invisible Invasion”, wird das allerdings nur zu deutlich. Während deutsche Bands gleich die Verteidigungsrede im Kopf haben, wenn sie musikalische Ideenausleihe betreiben, gehen die Briten viel spielerischer mit der Plattensammlung anderer Generationen um. The Doors machen einen Ausflug auf ihren klapprigen Rädern, laden Velvet Underground zum gemeinschaftlichen Cruisen ein und treffen sich ein paar Stunden später noch mit Teenage Fanclub zu einem ordentlichen Pint.

Solche Gedanken kommen einem beim ersten Hören des Albums. Zumal die Stimme von Sänger James doch sehr an Jim Morrison erinnert. So weit, so gut. Nur beim Reden über Musik hört der Spaß auf. Zumindest für Sänger James, der fünf Minuten vor dem Interview von einer mysteriösen Krankheit heimgesucht wird. Bruder Ian ist zwar keinen Deut mitteilungsbedürftiger, kann aber seinem Schicksal nicht mehr entgehen. Alright. Auch bockige Zwanzigjährige verdienen Respekt.

Euer Album klingt so herrlich leicht und unangestrengt, obwohl ihr eine ganze Menge an Instrumenten und Referenzen reingepackt habt.
Find ich gar nicht. In meinen Ohren klingt das überhaupt nicht leicht. Ich würde sagen, es fängt winterlich an, dann kommt ein sehr kurzer Sommer, aber anschließend sofort wieder ein Wintereinbruch.

Aha. Jedenfalls der helle Wahnsinn, wie schnell ihr ein Album nach dem anderen vorlegt. Das ist wohl ein Fall von kreativem Über-Output.
Das nächste Album hängt schon in der Warteschleife, wir könnten es schon veröffentlichen, aber das wird uns nicht erlaubt. Na ja, doch, aber wenn man das macht, dann riskiert man, gar kein Geld zu verdienen. Sechs volle Alben hätten wir in den letzten drei Jahren veröffentlichen können. Das einzige Problem mit uns ist, dass wir uns nicht in dieses Schema “Platte, Tour, Interviews, TV-Auftritte” zwingen lassen wollen. Was unseren Arbeitseifer angeht, sind wir allerdings kaum zu bremsen. We get our kicks out of it. Wir sind wie die Waltons! Wir machen das ja nicht, damit Geld reinkommt. Es geht um einen Lebensstil. Ohne Musik wären wir vielleicht eine Gang. Oder wir würden zusammen Teppiche verkaufen. Ich würde wirklich gerne Teppiche verkaufen!

Euer Album trägt den Titel “The Invisible Invasion”, ein Song heißt “Arabian Sands”, und es geht um Soldaten. Höre ich da einen politischen Ansatz raus?
Nee. Obwohl, wenn wir dadurch mehr Platten verkaufen ... Wenn nicht, dann nicht. Komischerweise denkt jeder, es gehe um amerikanische Soldaten. Ob wir mit dem Song wohl auf den Soundtrack von einem Michael-Moore-Film kommen? Leute, wenn ihr den Song so interpretieren wollt: Bitte sehr!



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aus Intro #128 (Juni 2005)
 
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