Produced by Trevor Horn
Mit Prince Charles im Pleasuredome
25.02.2005, 11:31, Text:
Jan Kedves,
Jan Kedves
11.11. – London, Wembley Arena
Als Trevor Horn in der Londoner Wembley Arena sein 25-jähriges Dienstjubiläum als Pop-Produzent zelebrierte, spielte sich die interessanteste Show vermutlich hinter der Bühne ab: Dort stand sich immerhin ein kunterbunt gemixtes Line-up aus Horns imposantem Popstar-Portfolio auf den Füßen. Man malte sich aus, wie t.A.T.u. am Buffet versuchen, Grace Jones in ein Gespräch über Diät-Tricks zu verwickeln, wie sich die Pet Shop Boys die Garderobe mit den Tatter-Rockern von Yes teilen müssen oder wie Frankie Goes To Hollywood mit Propaganda-Sängerin Claudia Brücken darüber fachsimpeln, wie es sich anfühlt, zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder die alten Hits zu spielen.
Immerhin führte der Jubilar, bekannt als Plastikpop-Visionär und in Großbritannien so etwas wie ein Nationalheld, eigenhändig durchs Programm und kramte vor den Augen von Prince Charles, zu Gunsten dessen Jugendhilfsorganisation ›Prince’s Trust‹ der Abend veranstaltet wurde, im Anekdotenfundus. So erfuhr man beispielsweise, dass Horns älteste Tochter großer Fan von Belle & Sebastian ist und er nur durch sie auf die Idee gebracht wurde, deren jüngstes Album zu produzieren. Und schon standen die »seven lovely young people from Scotland« auf der Bühne, um zwei Stücke zu spielen und mit ihrem verwaschenen Studentenchic ein wenig aus dem Rahmen zu fallen.
Denn sonst hatten sich natürlich alle wahnsinnig herausgeputzt: Martin Fry von ABC hatte sich für ›The Look Of Love‹ einen goldenen Glitzeranzug mitgebracht, Trevor Horn selbst trug, als er mit den Buggles seinen legendären MTV-Hit ›Video Killed The Radio Star‹ spielte, ein silbernes Jackett, Neil Tennant stolzierte zu ›Left To My Own Devices‹ im schwarzen Frack über die Bühne.
Standing Ovations ernteten Frankie Goes To Hollywood, auch wenn sie ohne ihren HIV-geschwächten Frontmann Holly Johnson kamen, sondern mit einem eigens gecasteten Ersatzsänger. Der wirkte eher wie eine billige Kopie von Scissor Sisters’ Jake Shears und irritierte mit streckenweise arg quäkiger Stimme, doch wie die Wembley Arena unter den noch immer diabolisch anmutenden Stampfbeats von ›Relax‹ und ›Welcome To The Pleasuredome‹ bebte, das hatte schon etwas Erhebendes, im wahrsten Sinne des Wortes. Für den unvergesslichsten Moment sorgte allerdings Grace Jones: Nicht, weil sie zu ›Slave To The Rhythm‹ einen pompösen Ballonumhang trug, unter dem immer wieder ihre atemberaubend knusprigen Beine aufblitzten, sondern vor allem, weil sie den darauf folgenden tosenden Applaus zum Anlass nahm, »Thank you, you fucking slaves!« ins Mikro zu poltern. Man darf davon ausgehen, dass da nicht nur dem Prince of Wales einen Moment lang der Atem stockte – und dass die bald erscheinende DVD des Konzerts dementsprechend bereinigt wird.
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